Wirtschaft
China hat genug mit sich zu tun. Andere Länder auf dem Wachstumspfad mitzuziehen wird nicht drin sein.
China hat genug mit sich zu tun. Andere Länder auf dem Wachstumspfad mitzuziehen wird nicht drin sein.(Foto: REUTERS)

Böses Omen für die Weltwirtschaft: IWF kassiert Wachstumsprognose für China

Der Internationale Währungsunion schließt sich den vielen skeptischen Stimmen zu China an: Beim Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde wird es im laufenden Jahr wohl nichts mit der 8 vor dem Komma. Sorgen bereitet den Experten aus Washington vor allem der wachsende Schuldenberg.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für China etwas zurückgeschraubt. Wegen der schwachen Weltkonjunktur geht die Organisation für dieses Jahr von einem Wachstum von 7,75 Prozent aus, wie der stellvertretende IWF-Direktor David Lipton in Peking mitteilte. "Das ist immer noch ein starkes Wachstum", betonte Lipton. In einer früheren Prognose war der Fonds von acht Prozent Wachstum für dieses Jahr ausgegangen. Die IWF-Prognose liegt noch immer über der offiziellen Vorgabe von 7,5 Prozent. Im Jahr 2012 hatte das Wachstum Chinas bei 7,8 Prozent gelegen - dem schwächsten Jahr seit 1999.

Die Lokomotive der Welt zieht nicht mehr

Trotz des immer noch starken Wachstums sieht es mittlerweile so aus, dass die chinesische Konjunktur nicht wie geplant anziehen wird und somit andere Länder mitreißen kann. Im vergangenen Jahr hatte China nur eine Steigerung der Wirtschaftsleistung von 7,8 Prozent erreicht und damit das schwächste Ergebnis seit 1999 eingefahren.

Die Experten aus Washington sorgen sich vor allem wegen der zunehmenden Verschuldung Chinas und damit einhergehend über Kredite, die nicht sinnvoll in der Wirtschaft angelegt werden. Weil in vielen Ländern der Erde die Erholung nur stockend vorankommt, wird bei den chinesischen Firmen außerdem weniger bestellt, was auch das Wachstum belastet.

IWF-Vizedirektor David Lipton traut dem Reich der Mitte dennoch zu, auf negative Überraschungen reagieren zu können. Die Möglichkeiten für die Regierung seien aber kleiner als in den letzten Jahren. "China hat nach wie vor großen Spielraum und die finanziellen Mittel, um äußere Schocks abzufangen, auch wenn die Spanne abnimmt", sagte Lipton nach der Vorstellung des Jahresausblicks für China.

Wachsender Schuldenberg

Der Währungsfonds kommt vor allem beim Thema Verschuldung zu völlig anderen Ergebnissen als die kommunistische Führung. Liptons Volkswirte beziffern die Gesamtverschuldung auf 50 Prozent der Wirtschaftsleistung, was deutlich weniger ist als in vielen alten Industrieländern wie den USA, Japan und Deutschland. Allerdings meldeten die staatlichen Statistiker Ende 2012 nur eine Gesamtverschuldung von 22 Prozent. Die Unterschiede ergeben sich daraus, ob die Zahlungsverpflichtungen der Regionen und Kommunen mit einfließen oder nicht.

Auch die Haushaltslücke im alten Jahr war wohl viel höher als die offiziellen Daten Glauben machen wollen. Der IWF beziffert das Haushaltsdefizit auf 10 Prozent, während die Regierung mit 2 Prozent arbeitet. Lipton warnte außerdem vor einer wachsenden Zahl von Krediten, die "durch einen weniger gut überwachten Teil des Finanzmarktes fließen". In China existiert ein weitverzweigtes Netz an Schattenbanken, das weitgehend unbeaufsichtigt wuchert.

Quelle: n-tv.de

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