Wirtschaft
(Foto: imago stock&people)

Schwache Inlandsnachfrage: IWF kritisiert deutsche Überschüsse

Wieder gibt es Kritik vom IWF an der deutschen Wirtschaftspolitik und den hohen Überschüssen in der Leistungsbilanz. Doch eine besonders starke Wettberwerbsfähigkeit der Unternehmen ist offenbar nicht der Grund.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erneut die anhaltenden und hohen Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands kritisiert. Nach seiner Einschätzung resultieren sie nicht so sehr aus der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern vor allem aus einer schwachen Inlandsnachfrage. Die gelte es mit mehr Investitionen zu beheben, fordert der IWF.

"Deutschlands Überschuss geht mit einer bemerkenswert schwachen Inlandsnachfrage einher. In der aktuellen Überschussepisode wächst die reale Binnennachfrage nur halb so stark wie in normalen Zeiten", merkte der IWF in seinem Bericht an. Er bezieht sich dabei auf die Jahre 2004 bis 2014. Zwar sei dieses Phänomen auch bei anderen Überschussländern zu beobachten, aber in Deutschland sei es besonders stark ausgeprägt. Besonders schwach waren laut IWF die privaten Investitionen, die nur noch einen Bruchteil früherer Werte erreichten.

Daneben geht die in Washington ansässige Organisation der Frage nach, inwieweit Deutschlands preisliche Wettbewerbsfähigkeit zur Entstehung großer Leistungsbilanzüberschüsse beiträgt. Fündig wird er beim realen effektiven Wechselkurs des verarbeitenden Gewerbes, der mit Hilfe der Lohnstückkosten berechnet wurde. In dieser Abgrenzung habe die preisliche Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich seit 2004 zugenommen, befand der IWF.

Moderates Wachstum erwartet

Deutschlands Lohnstückkosten sanken laut IWF zwischen 2000 und 2007 um 11 Prozent, während die der Niederlande um 6,4 Prozent stiegen und die Italiens um 19,4 Prozent. Schließlich hat der IWF noch herausgefunden, dass Deutschlands Leistungsbilanzüberschüsse auch mit einer besseren strukturellen Position der öffentlichen Haushalte einhergehen.

In seinen allgemeinen wirtschaftspolitischen Empfehlungen rät der IWF Deutschland, Spielräume in den öffentlichen Haushalten für dringend benötigte Investitionen zu nutzen. Damit könnte Deutschland einen Beitrag zur Verringerung von Ungleichgewichten auf globaler Ebene und innerhalb des Euroraums leisten.

Seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum im laufenden und kommenden Jahr ließ der IWF unverändert bei 1,6 und 1,7 Prozent. "Die derzeit moderate Wachstumsdynamik dürfte anhalten", erklärte der IWF. Kaufkraftzuwächse der Verbraucher sollten den Konsum beflügeln, während die Exporteure vom billigen Euro profitierten. "Allerdings dürfte das Wachstum mittelfristig vom weiterhin schwachen internationalen Umfeld belastet werden" hieß es mit Blick auf die maue Weltkonjunktur.

Zudem schlage die zunehmende Alterung der Gesellschaft ab 2020 mehr und mehr durch und verknappe das Angebot an Arbeitskräften - trotz der derzeit rekordhohen Zuwanderung. Der IWF empfiehlt deshalb, Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. So müssten qualitativ hochwertige Einrichtungen für die Kinderbetreuung bereitgestellt werden, vor allem für Schüler.

Quelle: n-tv.de

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