Wirtschaft
Dämpfer vom IWF: Die Eurozone muss sich 2016 mit einem geringen Wachstum zufrieden geben.
Dämpfer vom IWF: Die Eurozone muss sich 2016 mit einem geringen Wachstum zufrieden geben.(Foto: imago/Ralph Peters)

Mittelprächtiger Ausblick: IWF sieht Europa vor langer Schwächephase

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Der Internationale Währungsfonds könnte auch Internationaler Warnungsfond heißen. Die Prognose des Krisenhelfers listet mal wieder zahlreiche Risiken für die globale Konjunktur auf. Dabei gibt es auch ein bisschen Optimismus.

Es ist wieder soweit: Washington wird für ein Wochenende zum internationalen Wirtschafts-Mekka. Finanzminister und Notenbankchefs aus 188 Mitgliedsländern reisen in die US-Hauptstadt, um bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank darüber zu diskutieren, was sie gemeinsam für die globale Konjunktur tun können. Auch wenn es so scheint, als würden sie vor allem Probleme wälzen, es gibt auch Gründe für Zuversicht. Was gut läuft und was schlecht:

Weltwirtschaft: Gut: Insgesamt gesehen ist die Weltwirtschaft stabil. Nach jeweils 3,4 Prozent Wachstum 2013 und 2014 rechnet der IWF mit 3,5 beziehungsweise 3,8 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. "Wir sehen, dass die makroökonomischen Risiken leicht nachgelassen haben", sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.

Schlecht: Die Wirtschaftslage ist so unübersichtlich wie lange nicht mehr. Die Gesamtzahlen spiegelten nicht wider, was in einzelnen Regionen vor sich gehe, sagte Blanchard. Die großen Veränderungen bei den Wechselkursen und der niedrige Ölpreis erzeugten "Gewinner und Verlierer". Es gebe Risiken für das Weltfinanzsystem und Risiken wegen geopolitischer Krisen - etwa dem Russland-Ukraine-Konflikt oder dem Jemen.

Eurozone: Gut: Der IWF gibt sich mit Blick auf den europäischen Währungsraum entspannt wie lange nicht mehr. "Das Hauptrisiko aus dem Vorjahr - eine Rezession in der Eurozone - ist gesunken", sagte Blanchard. Das Wachstum legt laut der Prognose nahezu überall deutlich zu, sogar für Griechenland rechnet der Fonds mit einem Plus von 2,5 Prozent in diesem und 3,7 Prozent im kommenden Jahr. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, dass die Eurozone "in einer stärkeren und besseren Position" ist, als sie vor vier Jahren gewesen sei.

Schlecht: Der Schuldenstreit Griechenlands mit den Geldgebern birgt Sprengstoff. "Eine griechische Krise kann nicht ausgeschlossen werden - es wäre ein Ereignis, das Finanzmärkte erschüttern könnte", sagte Blanchard. Sorgen bereiten dem IWF zudem die aus seiner Sicht geringen Wachstumspotenziale des Währungsraumes. Europa laufe Gefahr, wirtschaftlich in langanhaltender Mittelmäßigkeit festzustecken.

US-Konjunktur: Gut: Die weltgrößte Volkswirtschaft USA ist wieder in Schwung gekommen. Der IWF nennt die Erholung "solide" und dynamisch. Das Wachstum werde in diesem und im nächsten Jahr jeweils 3,1 Prozent betragen, die Arbeitslosenquote bis 2016 auf 5,1 Prozent fallen. Eine starke Konjunktur in den Vereinigten Staaten ziehe normalerweise die ganze Welt mit, meint der IWF.

Schlecht: Wegen der guten Konjunkturentwicklung könnte die US-Notenbank in absehbarer Zeit erstmals seit neun Jahren die Zinsen anheben. Das ist zwar ein Zeichen der Normalisierung, birgt aber dem IWF zufolge auch große Risiken für das weltweite Finanzsystem. Etwa, wenn zu viele Anleger ihr Kapital gleichzeitig aus den Aktienmärkten abziehen. Das billige Geld der Notenbank ist einer der wichtigsten Treiber der jüngsten Kursrallys, weil Investoren wegen der Niedrigzinsen kaum noch andere lukrative Geldanlagen fanden.

Entwicklungs- und Schwellenländer: Gut: Die aufstrebenden Länder bleiben mit einem erwarteten Plus von 4,3 Prozent in diesem Jahr und 4,7 Prozent 2016 der Konjunkturmotor der Welt. Sie trügen noch immer mehr als 70 Prozent zum weltweiten Wachstum bei, betont der IWF. Gut bis stabil sei die Lage etwa in bevölkerungsreichen Staaten wie Indien und China. Peking schaffe es etwa, das Wachstum auf einen nachhaltigeren Pfad zu lenken, um weniger anfällig für Krisen zu sein.

Schlecht: Es lauern zahlreiche Gefahren. Der starke Dollar könnte Ländern große Probleme bringen, die hohe Schulden in der US-Währung aufgenommen haben, warnte IWF-Chefin Lagarde. Eine Erhöhung der Zinsen durch die Notenbank in Washington birgt die Gefahr, dass Investoren ihr Geld aus Entwicklungs- und Schwellenländer abziehen, weil sie es in den USA wieder gewinnbringender anlegen könnten. Der niedrige Ölpreis setzt zudem Öl exportierende Länder wie Russland und Brasilien massiv unter Druck.

Quelle: n-tv.de

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