Wirtschaft

Xing-Gründer will Miete neu erfinden: "Ich bin ein Serientäter"

Als noch niemand über soziale Netzwerke im Internet spricht, erfindet der gebürtige Hamburger Lars Hinrichs einfach eins - und kommt damit Mark Zuckerberg mit Facebook ein Jahr zuvor. Das Business-Netzwerk Xing ist heute rund eine Milliarde Euro wert. Zwar hat Hinrichs seine Anteile längst verkauft, aber er plant bereits den nächsten Coup. Diesmal will er nichts weniger, als das Konzept Miete neu erfinden.

Mit Xing haben Sie bereits kurz nach der Jahrtausendwende ein deutsches soziales Netzwerk gegründet, das im Unterschied zu anderen noch erfolgreich ist. Wie kommt man auf so etwas?

Lars Hinrichs gründete im Alter von 26 Jahren das Business-Netzwerk Xing.
Lars Hinrichs gründete im Alter von 26 Jahren das Business-Netzwerk Xing.(Foto: Alexis Eisenhofer)

Lars Hinrichs: In Kuba am Strand liegend, ein Buch lesend. Es war "Tipping Point" von Malcolm Gladwell, in dem es um Konnektoren geht. Auch ich wollte immer die Kontakte meiner Kontakte kennenlernen. Es war klar, dass das nur im Internet geht. Weil ich aber kein Geld hatte, musste damit am besten auch Geld verdient werden. So war es dann auch - nach 90 Tagen war die Firma beim Cash-flow positiv.

Das war ja bereits im Jahr 2003 – also ein Jahr, bevor Facebook gegründet wurde …

Mark kenne ich persönlich aus diesen Zeiten genauso wie Reid Hoffman, der LinkedIn macht. Es ist eher eine eingeschworene, kleine Gemeinde. Ich bilde mir daher darauf nichts ein. Es hat gut funktioniert, Xing ist jetzt eine Milliarde wert und ein Unternehmen, das weiterhin wächst und das sehr erfolgreich ist.

Aber angesichts des globalen Erfolgs von Facebook – denken Sie im Nachhinein, Sie hätten Xing anders aufziehen sollen?

Also, ich finde die heutige Bewertung von Xing schon ganz gut. Facebook hat zudem eine ganz andere Zielgruppe, die wollen alle Menschen der Welt miteinander vernetzen. Xing hingegen ist gestartet als professionelles Netzwerk und sicherlich eher in deutschsprachigen Ländern aktiv. Man hätte es sicher früher internationalisieren können. Aber wie wir in Hamburg sagen: Hätte man Enten im Keller gehabt, wären die Hühner nicht ersoffen.

2009, einige Jahre nach der Gründung von Xing, das in den ersten Jahren noch openBC hieß, haben Sie sich aus allen leitenden Funktionen zurückgezogen. Wie geht es Ihnen heute damit – vermissen Sie es? Schließlich war es ja Ihr "Baby"?

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Es ist ja nicht meine erste Firma gewesen, sondern meine dritte. Deshalb fiel es schon ein bisschen leichter. Ich hab acht Jahre, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr nur Social Networking im Professional-Bereich gemacht. Und ich brauchte danach einfach wieder etwas anderes. Ich habe Xing gegründet, es an die Börse und durch die Finanzkrise geführt. Der Börsengang 2006 war damals übrigens der erfolgreichste Tech-Börsengang seit dem Jahr 2000. Aber jetzt kommen neue Sachen.

Sie haben für fast 50 Millionen Euro Ihre Xing-Anteile an Hubert Burda Media verkauft. Bei so einem Betrag denken sich bestimmt viele: Ich kaufe mir eine Villa auf einer Karibikinsel und spanne so richtig schön aus. Sie hingegen nicht – warum?

Ich bin ja Serientäter und aus diesem Grund habe ich nach Xing auch noch andere Sachen gemacht. Hab ich mir irgendetwas Großes gegönnt? Nicht wirklich. Geld ist immer ein Nebenprodukt aus leidenschaftlicher Arbeit. Und ich arbeite sehr gerne, zur Ruhe setzen kann ich mich nicht. Da bin ich einfach nicht der Typ dafür. Nach zehn Minuten am Strand langweile ich mich schon. Ich muss einfach etwas tun.

Aber eine größere Sachen wollen Sie sich doch leisten: Sie wollen in den Weltraum fliegen!?

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Ja, ich habe einen Flug bei Virgin Galactic gebucht. Man fliegt dreimal so hoch wie der Punkt, von dem Felix Baumgartner heruntergesprungen ist.

Wann wird es so weit sein?

Im ersten Jahr, in dem Richard Branson fliegt.

Was fasziniert Sie daran?

Ich habe die Chance, unter den ersten 1000 Menschen zu sein, die im Weltraum sind. Das kostet zwar Geld, aber ich fand das fair.

Aber Sie sind auch auf der Erde weiterhin umtriebig: Eines Ihrer aktuellen Projekte hat mit Immobilien zu tun – es geht um "Smart Home Technology", die derzeit in einem von Ihnen erworbenen Mietshaus in Hamburg-Rotherbaum umgesetzt wird. Wie sieht das aus?

Es ist die fünfte Kategorie des Wohnens. Das Service-Level eines Boardinghouses, die Flexibilität eines Hotels, das Zuhause-Gefühl einer normalen Wohnung, der Luxus, den man sich im Eigentum leistet. Ich vermiete Kubikmeter Lebensqualität für begrenzte Zeit in bester Lage zum Flat-Tarif. Gedacht ist dies für Menschen, die mit ihrer Familie für eine begrenzte Zeit in die Stadt kommen und sich um nichts kümmern wollen – ankommen, sofort wohnen, sofort zu Hause sein.

Gleichzeitig steckt jede Menge Technik in dem Haus.

Ja, das ist alles Mögliche drin. Es gibt 34 unterschiedliche IP-gesteuerte Systeme in dem Haus. Es gibt gerade einen Wandel von proprietären Haushalts-Systemen zu IP-gestützten. Ich bin der Erste, der das alles zusammenpackt. Sei es beim Licht, Glasfaser-Internetanschluss oder Sonos - selbst der Kühlschrank ist ein bisschen intelligenter.

Eine Sache, die Sie an dem Haus besonders fasziniert?

Die Tür, weil ich die mit erfunden habe. Es ist eine intelligente Tür. Intelligente Schlösser gibt es ja bereits, aber wir haben uns überlegt, die gesamte Technik in die Tür zu packen und nicht in die Seiten: Kamera, Mikrofon, Klingel und Türschild. Und wenn man sich mit seinem Handy nähert, erkennt einen die Tür und man kann reingehen. Sie können als Bewohner auch Freunden digitale Schlüssel geben. Oder das Handy klingelt, wenn jemand vor der Tür steht, der Bewohner aber nicht da ist – dann kann er trotzdem jemand reinlassen.

Wie ist der Stand des Projekts?

Im kommenden Februar sind die ersten 20 Wohnungen bezugsfertig. Dann kommen noch 25 weitere hinterher. Das Immobiliengeschäft funktioniert deutlich langsamer als das Internet-Geschäft.

Haben Sie noch weitere Projekte auf Lager, die Sie in Zukunft gerne umsetzen würden?

Ich habe fünf Firmen. Da wird es sicher noch das eine oder andere Einhorn geben.

Mit Lars Hinrichs sprach Kai Stoppel

Quelle: n-tv.de

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