Wirtschaft
Dienstag, 23. August 2016

Interview mit Carsten Maschmeyer: "Ich investiere in Menschen"

Heute startet die neue Staffel von der Vox-Show "Höhle der Löwen". Neu dabei: Carsten Maschmeyer. Mit n-tv.de spricht er über gute Ideen, das Bauchgefühl - und Kapitalismusgegner.

Carsten Maschmeyer gründete Ende der 80er-Jahre den Finanzdienstleister AWD und führte ihn an die Börse. Später verkaufte er seinen Mehrheitsanteil. Seit einigen Jahren investiert er in Startups - über die Investmentfirma Alstin und den Frühphasenfinanzierer Seed + Speed.
Carsten Maschmeyer gründete Ende der 80er-Jahre den Finanzdienstleister AWD und führte ihn an die Börse. Später verkaufte er seinen Mehrheitsanteil. Seit einigen Jahren investiert er in Startups - über die Investmentfirma Alstin und den Frühphasenfinanzierer Seed + Speed.

n-tv.de: Sie sind neues Jury-Mitglied in der "Höhle des Löwen". Müssen die Kandidaten Löwengebrüll fürchten?

Carsten Maschmeyer: Für die Zuschauer wird die Sendung in jeder Hinsicht ein Leckerbissen. Es gibt ganz spannende Kandidaten und noch mehr Deals als früher. Wir fünf sind – meistens freundliche – Löwen, die bei tollen Gründern mit guten Ideen mithelfen wollen, dass die jungen Firmen erfolgreich werden. Das besonders Aufregende an diesem Format ist, dass es plötzlich zum Rollentausch kommt, nämlich dann, wenn sich mehrere Investoren am gleichen Startup beteiligen wollen, der Gründer sich aber für einen entscheiden soll. Dann müssen wir umgekehrt um die Kandidaten werben.

Wonach suchen Sie als Jury-Mitglied genau?

Mein Motto ist: Erfinde – oder finde Erfinder. Ich schaue bei den Pitches zuallererst auf das Gründerteam. Denn ich investiere schließlich in Menschen, nicht in Businesspläne. Natürlich ist das Produkt oder die Dienstleistung ebenfalls wichtig. Hier liebe ich echte Innovationen, die das Leben vieler Menschen einfacher, schneller, bequemer, günstiger machen. Copy Cats sind für mich zu phantasielos.

Wie erkennen Sie, dass eine Idee Potenzial hat?

Das wichtigste, um das zu erkennen, ist erstmal gesunder Menschenverstand. Ich stelle mir daher ganz praktische Fragen, beispielsweise: Würde ich es selber kaufen und nutzen? Würden in meiner Vorstellung die Leute dafür Schlange stehen? Würden die Menschen Geld dafür bezahlen?

Die Idee ist das eine. Der Gründer dahinter das andere. Wie wichtig ist der Mensch, der hinter der Idee steht?

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Für mich sind stets die Gründer die Gründe für ein Investment. Ich investiere lieber in ein First Class Team mit einem Second Class Produkt als umgekehrt. Beim Immobilienkauf sind die drei wichtigsten Kriterien "Lage, Lage, Lage". Bei Startups gilt für mich "Team, Team, Team".

In der Sendung können Sie nur einen ersten Eindruck vom Gründer und der Geschäftsidee bekommen. Lässt sich in dieser Kürze tatsächlich herausfinden, ob sie Geld in das Projekt stecken wollen?

Im Normalfall gehe ich mit meinem Team gut vorbereitet in einen Pitch. Dort haben wir eine bewährte Arbeitsteilung. Ich kümmere mich um das Ressort Mensch und beurteile vor allem die Gründer. Mein Team prüft den Markt, die Finanzen sowie technische und juristische Themen.

In der Sendung fällt dieser Aspekt natürlich weg, weil wir als Investoren die Ideen ja alle unvorbereitet und ohne unser Team präsentiert bekommen. Deswegen gilt der Handschlag in der Sendung vorbehaltlich einer Due Dilligence, beispielsweise, ob die Aussagen zu Patenten, Urheberrechten und Uniqueness auch wirklich stimmen.

Entscheiden Sie nie auch einmal aus dem Bauch heraus?

Am besten ist natürlich, wenn Kopf und Bauch beide ja sagen. Wenn sie sich aber nicht einig sind, dann gilt: Der Kopf denkt, der Bauch lenkt.

In welchen Bereichen sehen Sie für Startups die größten Chancen?

Im Moment schenken die Venture Investoren vor allem Startups im Bereich Fintech, Biotech, Internet of Things oder Shareconomy hohe Aufmerksamkeit. Ich glaube eher, dass wir auf einem ganz anderen Gebiet überrascht werden, mit etwas, das wir heute noch gar nicht kennen und uns vorstellen können. Deswegen freue ich mich, dass ich in der Sendung auf viele überraschend positive Themen treffe, die ich mir sonst wahrscheinlich nicht angeschaut hätte. Für mich ist das Format daher Zukunftskunde und für viele Menschen zusätzlich Fortbildungsunterricht, weil sie dort bestens lernen können, wie man erfolgreich kommuniziert und präsentiert.

Was sind typische Fehler, die Gründer begehen?

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Manchmal schon die Zusammensetzung des Gründerteams, wenn beispielsweise alle von derselben Uni kommen, das gleiche Fach studiert und denselben Professor hatten. Besser wäre es, wenn sich die einzelnen komplementär ergänzen. Ebenso fällt mir immer wieder auf, dass Gründer auf Gebieten, wo sie nicht selber ausreichend Eignung haben, zulange warten, bis sie sich erfahrenere Personen von außen dazu holen. Ebenso fahrlässig könnte sein, seinen Innovationsvorsprung zu überschätzen und naiv zu glauben, dass dieser von alleine bestehen bleibt.

Wie können Sie Gründern helfen?

Natürlich wollen die meisten von meiner unternehmerischen Erfahrung profitieren. Beispielweise wie sich Führungs- und Kommunikationsverhalten mit wachsender Mitarbeiterzahl ändern müssen. Da Vertrieb und Marketing die entscheidenden Erfolgsfaktoren für eine Firma sind, wird hier unser Rat besonders gesucht. Natürlich helfen unsere Spezialisten von Seed+Speed auch bei Zulassungen und Patenten. Dankbar wird auch unsere Unterstützung bei Personalauswahl und Weiterbildung der Führungskräfte angenommen. Ebenso begehrt sind unsere Veranstaltungen, wo sich alle Gründer der Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, untereinander vernetzen, ehrlich und offen austauschen und voneinander lernen können.

Und was, wenn Gründer Dinge ganz anders sehen als Sie selbst?

Zunächst ist es grundsätzlich eine gute Sache, wenn sie das Selbstbewusstsein und den Mut haben, der Investorenmeinung zu widersprechen. Wenn es um das Produkt oder die Dienstleistung selbst geht, vertraue ich auf die Gründer, denn sie haben es schließlich erfunden. Wir gehen aus klarer Überzeugung nur Minderheitsbeteiligung ein. Wir glauben an die Motivation der Gründer als Eigentümer, deswegen müssen die auch immer das letzte Wort haben.

Sie haben in verschiedene Startups investiert. Ein Großteil davon in Berlin, das als europäische Startup-Hochburg gilt. Wieso ist Berlin im internationalen Vergleich in Sachen Gründerszene so stark?

Berlin – für mich Silicon City – hat im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten deutlich geringere Mieten, Gehaltsniveaus und Lebenshaltungskosten, für Jungunternehmen natürlich ein Vorteil. Das zieht Gründer an, die sich hilfreichen Austausch und Effizienzvorteile auch durch Co-Working Spaces erhoffen. Zudem wurde Berlin auch durch zahlreiche sehr erfolgreiche Startups, die international bekannt wurden, zu einem Hotspot.

Dass Sie Juror in der "Höhle des Löwen" sind, stieß auch auf Kritik. Perlt das an Ihnen ab – oder trifft sie das doch?

Überhaupt nicht. Ist doch klar, dass ich eine ideale Projektionsfläche für einige Kapitalismusgegner bin. Aber genau dieses Kapital brauchen ja die Gründer. Entscheidend wird sein, wie ich mich in das Format einbringe, wie respektvoll ich mit den Gründern umgehe, wie fair mit den Löwenkollegen. Letztendlich geben in ein, zwei Jahren die Gründer die Noten, und zwar nach objektiv nachvollziehbaren Kriterien, ob durch meine Unterstützung der Umsatz schneller gewachsen und das Unternehmen erfolgreicher geworden ist.

Mit Carsten Maschmeyer sprach Jan Gänger

Am 23. August um 20:15 Uhr startet die neue Staffel von der Vox-Show "Die Höhle der Löwen". Die Kandidaten wollen dabei Investoren von ihrer Geschäftsidee überzeugen - einer dieser Juroren ist Carsten Maschmeyer.

Quelle: n-tv.de

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