Wirtschaft
Die Wirtschaft brummt, kann nach Ansicht der IfW-Experten aber auch überhitzen.
Die Wirtschaft brummt, kann nach Ansicht der IfW-Experten aber auch überhitzen.(Foto: imago/Westend61)

Forscher erhöhen Wachstums-Prognose: IfW warnt vor Überhitzung der Wirtschaft

Faktoren wie Mindestlohn, Mütterrente und Lohnzuwächse werden nach Ansicht der Ökonomen am Kieler Ifw die Konjunktur in Deutschland anstoßen. Auch die Unternehmen kämen aus dem Stimmungstief. Die Experten sehen aber auch Gefahren.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet in Deutschland Konjunkturimpulse durch mehr Konsum und höhere Unternehmensinvestitionen. Daher hob das IfW seine Prognose für die Wirtschaftsleistung leicht auf 1,5 Prozent für 2014 an, nachdem im September noch 1,4 Prozent erwartet worden waren. Die Kieler Experten sehen jedoch in den Jahren 2016 und 2017 auch die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft.

Was bedeutet es, wenn eine Wirtschaft überhitzt?

Von Überhitzung sprechen Ökonomen, wenn eine Wirtschaft über ihre Kapazitätsgrenzen wächst und damit mehr als üblich ausgelastet ist. Es kommt dann meist zu starken Preissteigerungen und Verwerfungen auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Zudem überschätzen Firmen die Nachfrage und investieren zu viel.

Bereits im Schlussquartal 2014 dürfte es zu einem kräftigen Anstieg der privaten Konsumausgaben kommen, teilte das Institut mit. Für 2015 blieb das IfW zurückhaltend mit einer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent nach zuvor genannten 1,9 Prozent. Dieser Zuwachs soll jedoch 2016 erreicht werden.

Die Kaufkraft steige durch höhere Nettoeinkommen und den drastischen Ölpreisverfall, berichteten die Ökonomen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte sollen 2015 um 3,7 Prozent zulegen (2014: 2,7 Prozent) - gespeist durch einen Anstieg der Nettolöhne um 4,4 Prozent (2014: 3,7 Prozent), den Mindestlohn und höhere Sozialleistungen wie die Mütterrente oder die Rente mit 63 Jahren.

"Der Preisrutsch beim Öl kompensiert vorübergehend den heimischen Preisauftrieb, so dass sich um die Jahreswende 2014/2015 steigende Einkommen praktisch eins zu eins in höhere Kaufkraft übersetzen", erläuterte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. Der Preisauftrieb beträgt 2014 danach 1,0 Prozent (2015: 0,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent werde leicht sinken. Unternehmen dürften das niedrige Zinsniveau für mehr Investitionen nutzen.

Staat soll eigene Aufgaben kritisch prüfen

Der Stimmungsabschwung in den Unternehmen scheine einen Boden gefunden zu haben, schrieb das IfW. Die deutschen Exporte zeigten sich robust, infolge des Ölpreisverfalls sollen sich die Bedingungen sogar "spürbar verbessern".

Die Experten warnen aber auch davor, dass die deutsche Wirtschaft 2016 oder 2017 heißlaufen könnte. "Auf mittlere Sicht besteht die Gefahr einer Überhitzung", erklärten hieß es. "Deshalb gibt es auch keinen Anlass für Konjunkturpakete", sagte IfW-Konjunkturchef Kooths. Vielmehr müsse die große Koalition aufpassen, "dass sie durch die Finanzpolitik nicht selbst zur Überhitzung beiträgt".

Kooths betonte, der Staat müsse seine Ausgaben kritisch prüfen. "Wer mehr investieren möchte, darf das nicht über Schulden finanzieren." Dies müsse über Umschichtungen im Haushalt geschehen oder über die Beteiligung der Privatwirtschaft bei der Finanzierung. Wichtig sei hierbei, dass "Private bei den Investitionen auch das Risiko mittragen".

Quelle: n-tv.de

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