Wirtschaft
100 Tage im Oval Office: Donald Trump.
100 Tage im Oval Office: Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Freitag, 28. April 2017

Weniger Steuern, mehr Ausgaben: Ifo-Chef zweifelt an Trumps Wirtschaftskurs

US-Präsident Trump hat sich viel vorgenommen: Steuern senken, in die Infrastruktur investieren, eine Mauer zu Mexiko bauen. Das alles könne nicht gleichzeitig klappen, sagt jedoch Ifo-Chef Fuest. Eine Wiederwahl könne Trump dennoch schaffen.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht den wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs von Donald Trump weiter skeptisch. Zur 100-Tage-Bilanz des US-Präsidenten sagte Fuest, es sei erwartbar gewesen, dass Trump seine Ankündigungen nicht ohne weiteres umsetzen könne. Größere Veränderungen brauchten in einer Demokratie immer Zeit. "Aber dass er so schnell mit so vielen Projekten scheitert, ist schon erstaunlich", sagte Fuest.

Thementag 100 Tage Trump

Der US-Präsident feiert sein erstes kleines Amtsjubiläum. Wir nehmen dieses Datum zum Anlass, um eine erste Bilanz zu ziehen. Neben zahlreichen Artikeln auf unserer Internetseite finden Sie deshalb auch auf unserem Fernsehsender eine Reihe von Sondersendungen.

11.30 Uhr   News Spezial: 100 Tage Trump

12.30 Uhr   News Spezial: 100 Tage Trump

13.30 Uhr   Reportage: Entzaubert - Donald Trumps holpriger Start

16:30 Uhr   Auslandsreport

17:05 Uhr   Dokumentation: Welcome to Trumpland

18.30 Uhr   News Spezial: 100 Tage Trump

19:30 Uhr     Live: Trump-Rede bei der Nationalen Waffen Organisation NRA

Es werde nicht klappen, Steuern drastisch zu senken, gigantische Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg zu bringen, eine Mauer zu Mexiko zu bauen und die Welt mit Strafzöllen zu überziehen, so der Ifo-Chef. Und es seien bislang keine Maßnahmen angekündigt, die es erlauben würden, die Industrie zurückzuholen nach Amerika.

Niedrigere Steuern und höhere Staatsausgaben dürften Fuest zufolge allerdings den Konjunkturboom in den USA noch verstärken. Eine geringere Unternehmensbesteuerung wie jetzt geplant könnte mehr Investitionen auslösen wie schon in den 1980er Jahren unter Ronald Reagan - aber zugleich die Staatsverschuldung in die Höhe treiben. Nicht auszuschließen sei auch, dass der Boom Trump über die Amtszeit rette.

Wiederwahl ist möglich

Dabei könnten dann viele Versprechen in Vergessenheit geraten: "Wenn es einen Wirtschaftsboom gibt, dann kann es durchaus sein, dass Trump nach der ersten Amtszeit wiedergewählt wird." Die Pläne aber, höhere Infrastrukturausgaben mit höheren Verteidigungsausgaben und radikalen Steuersenkungen zu verbinden, seien fragwürdig. Das sei aus konjunktureller Sicht falsch und schwäche die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen. Die Hoffnung, dass die Steuerausfälle allein durch mehr Wachstum kompensiert werden, sei unrealistisch. Die nächste US-Regierung müsste dann heftig gegensteuern, um die Staatsschulden in den Griff zu kriegen, mit negativen Folgen für die Weltkonjunktur.

Weit schwieriger werde es für Trump, die traditionelle Industrie und Jobs in den USA zu halten. Bleibt es bei Trumps Politik, wird nach Aussage von Fuest der Dollar in die Höhe getrieben, was die Kosten der Produktion in den USA erhöht. Die Industrie-Arbeitsplätze würden nicht wettbewerbsfähiger. Sollte Trump sich entscheiden, die steuerlichen Abschreibungsbedingungen zu verbessern, könnte es vermehrt Investitionen in die kapitalintensive Produktion geben - etwa in Raffinerien. Dies habe aber begrenzte Arbeitsmarkteffekte: "Die Jobs, um die es Trump angeblich eigentlich geht, werden so nicht zurückkehren."

Quelle: n-tv.de

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