Wirtschaft
Streitbarer Konjunkturexperte: Hans-Werner Sinn leitet das Münchener Ifo-Institut.
Streitbarer Konjunkturexperte: Hans-Werner Sinn leitet das Münchener Ifo-Institut.(Foto: REUTERS)

Geschäftsklima besser als erwartet: Ifo-Index überrascht Analysten

In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft erweist sich die konjunkturelle Zuversicht robuster als gedacht: Der Ifo-Index zum Geschäftsklima fällt im Mai ganz anders aus als erwartet. "Die Firmen rechnen mit Impulsen aus dem Ausland", heißt es.

"Die deutsche Konjunktur behauptet sich in einem schwierigen europäischen Umfeld."
"Die deutsche Konjunktur behauptet sich in einem schwierigen europäischen Umfeld."(Foto: picture alliance / dpa)

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich im Mai deutlich auf: Der Ifo-Index zum Geschäftsklima steigt von 104,4 auf 105,7 Punkte, wie das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. Experten hatten mit einem unveränderten Stand gerechnet.

"Die deutsche Konjunktur behauptet sich in einem schwierigen europäischen Umfeld", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Das Geschäftsklima verbesserte sich sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern und im Groß- und Einzelhandel.

"Die Exporterwartungen sind zwar leicht gesunken, signalisieren aber weiterhin, dass die Firmen mit Impulsen aus dem Ausland rechnen", sagte Carstensen. Nur in der Baubranche ließ die Stimmung etwas nach.

Bei den beiden Teilindizes zu Lage und Erwartungen gab es unterschiedliche Entwicklungen: Die Unternehmer schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate genauso ein wie im Vormonat. Die Lage wurde dagegen überraschend besser bewertet: Der Index kletterte um 2,7 auf 110,0 Punkte. Sinkende Investitionen und Exporte sowie witterungsbedingte Behinderungen am Bau hatten die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent wachsen lassen.

"Die deutsche Konjunktur wird sich im weiteren Jahresverlauf beleben", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Sinkende Investitionen und Exporte sowie witterungsbedingte Behinderungen am Bau hatten die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent wachsen lassen.

Die Unternehmer schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate genauso ein wie im Vormonat. "Das ist ein Wermutstropfen", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Um die Erholung auf sichere Beine zu stellen, müssen die Erwartungen anziehen, denn an ihnen hängen auch die Investitionen."

Grundlage des Konjunkturindikators ist eine Umfrage unter 7000 Führungskräften aus verschiedenen Bereichen der deutschen Unternehmenslandschaft. Das Plus im Mai ist der erste Anstieg nach zwei Rückgängen in Folge. Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation bei 104,4 Zählern gerechnet.

Starkes Signal für Aktienanleger

Im Vorfeld kursierten Befürchtungen an der Börse, der Ifo-Index könnte sogar eine allgemeine Eintrübung signalisieren: Sollte der Ifo-Index allerdings erneut fallen, so hatte es vor Veröffentlichung noch geheißen, wäre das der dritte Rückgang in Folge, was als Zeichen für eine konjunkturelle Trendwende zu werten sei.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft. Die befürchtete Verstetigung des Abwärtstrends blieb aus. Am deutschen Aktienmarkt reagierten Anleger weitgehend ungerührt: Wie bereits in der ersten Stunde nach dem Start notierte der Dax nach Veröffentlichung des Geschäftsklimaindex' rund 0,1 Prozent fester bei 8361 Punkten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen