Wirtschaft
Die Zahl der Bären wächst.
Die Zahl der Bären wächst.(Foto: picture alliance / dpa)

Pessimismus an den Märkten nimmt zu: Immer mehr Bären unter US-Anlegern

In den USA wird das Lager jener Marktteilnehmer größer, die mit weiter fallenden Kursen rechnen. Damit macht sich eine lange nicht gesehene Skepsis breit. Profi-Anleger am deutschen Markt zeigen sich unbeeindruckt - fragt sich nur, wie lange noch.

Klar ins Negative abgerutscht ist die Stimmung unter den US-Anlegern. Wie die wöchentliche AAII Investor Sentiment Survey zeigte, wandten sich viele Marktteilnehmer dem Bärenlager zu. Von den Bullen wanderten 2,9 Prozentpunkte zu den Bären ab, so dass das Bullenlager auf 22,2 Prozent schrumpfte. Als Bären werden Börsianer bezeichnet, die mit fallenden Kursen rechnen. Dagegen setzen Bullen auf steigende Kurse.

Vor allem die ehemals neutralen Anleger gaben ihre meinungslose Haltung auf: Ihr Lager schrumpfte um 11,7 Punkte auf 39,6 Prozent zusammen. Einziger Gewinner war somit das Lager der Bären. Hier ging es um 14,6 Punkte nach oben auf nunmehr 38,3 Prozent aller US-Anleger. Für die US-Börsen zeigt sich damit eine lange nicht mehr gesehene Skepsis. Denn im langfristigen Durchschnitt liegen die normalen Verhältnisse bei einem Bullenanteil von 39 Prozent und einem Bärenanteil von rund 30 Prozent.

Professionelle Investoren im Dax weiter optimistisch

Viel besser sieht es auch in Deutschland nicht aus. Wie Joachim Goldberg im Rahmen einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Börse ermittelt hat, haben auch private Anleger hierzulande auf den Auftaktschock vom Montag mit massiven Verkäufen reagiert. Seit dem 16. Dezember, der letzten Erhebung vor Weihnachten, seien 17 Prozent von ihnen aus ihren Dax-Aktien herausgegangen, davon 7 Prozent direkt auf die Short-Seite.

Anders sieht es zunächst bei den professionellen Investoren aus: Hier gingen 2 Prozent zusätzlich long (sie wetten damit auf steigende Kurse) und 2 Prozent short (sie wetten auf fallende Kurse). Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht damit unverändert bei sehr bullishen plus 49 Punkten, und der Anteil der Optimisten ist mit 70 Prozent auf Rekordhoch. Und das, während der Dax im betrachteten Zeitraum unter hohen Schwankungen 230 Punkte verloren hat, sagt Goldberg.

Sorge vor erheblichen Buchverlusten?

Allerdings reagierten die Privatanleger schlichtweg auf den Crash in China und andere Unwägbarkeiten, während die Profis nur vordergründig mit steigenden Preisen rechneten, so Goldberg. Stichtagsbezogen lägen vermutlich die meisten Depots beträchtlich unter Wasser, man scheue sich, die erheblichen Buchverluste zu realisieren, warnt der Analyst. Denn häufig würden die Referenzpunkte der bestehenden Positionen zum Bilanzstichtag auf den Schlusskurs des Vorjahres bei rund 10.740 Zähler gesetzt, was heute mental nicht unerheblichen Buchverlusten gleichkomme.

Damit bleibe die Lage für den Dax nach wie vor belastend. Zwar müsse es nicht zu einer sofortigen Verkaufswelle kommen, doch bleibe die Oberseite in der Nähe des Vorjahresschlusskurses. Umgekehrt könnten die heimischen Investoren einem weiteren Abgabedruck - etwa aus internationalen Quellen - nicht viel entgegensetzen.

Quelle: n-tv.de

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