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In Innenstädten zu wohnen, ist für viele nicht mehr bezahlbar.
In Innenstädten zu wohnen, ist für viele nicht mehr bezahlbar.(Foto: dpa)

Preisanstieg verlangsamt: Immobilienlobby beruhigt Mieter

Die deutsche Immobilienwirtschaft rechnet mit einem Ende des rasanten Anstiegs von Mieten und Kaufpreisen. Wohneigentum sei trotz des Booms in den vergangenen Jahren sogar erschwinglicher geworden, rechnet ein Verbandsvertreter vor.

Die Immobilienwirtschaft sieht keine Preisblasen, obwohl in begehrten Städten und Regionen die Nachfrage nach Miet- und Wohneigentum ungebrochen groß ist. Wie der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) in seinem Frühjahrsgutachten mitteilte, habe die Branche mit dem verstärkten Bau neuer Wohnungen reagiert.

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Insgesamt glauben die Lobbyisten der Wohnungswirtschaft an ein Ende stetig anziehender Mietpreise. Der Anstieg der Mieten habe sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr in Westdeutschland von 3,3 auf 2,7 Prozent verlangsamt, im Osten von 2,5 auf jetzt 1,9 Prozent. "Von einer Preisblase kann in Deutschland aktuell keine Rede sein", so der ZIA, der für 37.000 Unternehmen spricht. Das Jahr 2014 "dürfte das Ende des nominalen Mietpreisanstiegs" markiert haben, heißt es in dem Gutachten.

In Metropolen und Top-Regionen bleibt die Lage für Mieter und Käufer angespannt. In diesen "Schwarmstädten" sei die Nachfrage nach Wohnungen wesentlich größer als das Angebot. "Neben der hohen Nachfrage treiben auch höhere Preise für Bauland, strengere Regulierung und immer schärfere Vorgaben bei der Energieeffizienz die Kaufpreise und Mieten", meinte ZIA-Präsident Andreas Mattner.

Absage an Mietpreisbremse

Der Autor des Gutachtens, der Wirtschaftswissenschaftler und Regierungsberater Lars Feld kritisierte die geplante Mietpreisbremse der Koalition. "Sie stört die Funktion des Preises als Signal der Knappheit und erhöht die Unsicherheit für langfristige Investitionen", sagte Feld, der zu den "fünf Wirtschaftsweisen" gehört.

SPD-Vertreter hatten erst vergangene Woche ihre Forderung nach einer gesetzlichen Begrenzung von Mieterhöhungen bekräftigt. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen mache die Mietbelastung bis zu 50 Prozent des Eikommens aus, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. In Innenstädten sei für viele kein bezahlbarer Wohnraum mehr zu finden. Zum Ärger der SPD verzögert die Union jedoch bislang die Umsetzung der von der Koalition schon 2013 angekündigten Mietpreisbremse.

Wohneigentum erschwinglicher geworden

Die Kaufpreise für Wohnungseigentum stiegen 2014 stärker als die Mieten - im Westen um 5,5 Prozent und im Osten um 1,4 Prozent. Doch auch hier sieht der ZIA ein Ende des rasanten Anstiegs. "Die spekulative Hoffnung auf einen nochmaligen - gar mehrjährigen - Anstieg der Preise wird jedenfalls unerfüllt bleiben", heißt es in dem Gutachten.

Laut dem Verband der Immobilienverwalter- und Makler, IVD, ist Wohneigentum in Deutschland derzeit so erschwinglich wie seit Langem nicht mehr. "Wichtig für die Betrachtung der Leistbarkeit einer Immobilie sind nicht nur die Preise", sagte IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick. Denn für das Gesamtbild sei mitentscheidend, dass die Bauzinsen 2014 nochmals deutlich fielen, während die Löhne vergleichsweise stark stiegen. Insgesamt sei die monatliche Belastung eines Kredites für Immobilienkäufer damit gesunken. Dieser Trend werde sich 2015 vermutlich allerdings nicht fortsetzen.

Quelle: n-tv.de

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