Wirtschaft
Das bisherige System in Indien weist Dutzende verschiedene Steuern auf.
Das bisherige System in Indien weist Dutzende verschiedene Steuern auf.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 01. April 2017

Vorteil für deutsche Firmen: Indien beschließt gewaltige Steuerreform

Das bisher unübersichtliche Steuersystem in Indien soll einer einfachen Regelung weichen. Das Parlament gibt grünes Licht für das Mega-Vorhaben. Die Macher hoffen auf zusätzliches Wirtschaftswachstum. Doch es gibt noch offene Fragen.

In dieser Woche hat das indische Parlament den Weg frei gemacht für eine der größten Steuerreformen in der Geschichte des Landes. Das Unterhaus Lok Sabha beschloss die notwendigen Gesetze, um die einheitliche Steuer auf Waren und Dienstleistungen - Goods and Services Tax (GST) - rechtzeitig zum Stichtag am 1. Juli einzuführen.

Dies ist ein einmaliger Schritt in der indischen Geschichte. Bislang wird das Steuersystem geprägt von Dutzenden bundesstaatlichen und zentralen Steuern und Abgaben. Mehrwertsteuern, Herstellungssteuern, Servicesteuern oder "Octroi-Abgaben" für die Einfuhr von Waren in bestimmte Städte sind nur einige davon. Auf bestimmte Waren wie Autos oder Alkohol gibt es weitere Abgaben, oft fallen mehrere der Steuern gleichzeitig an und können nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

Mit der Vereinheitlichung der Steuer soll sich das ändern - auch zum Vorteil von Unternehmen. "Für deutsche Unternehmen dürfte die GST in vielen Fällen Vorteile bringen", sagte Tillmann Ruppert, Indien-Experte bei der Beratungsgesellschaft Rödl und Partner. Er gehe davon aus, dass die neue Steuer insbesondere von Zwischenhändlern leichter angerechnet werden könne, wenn sie ein importiertes Produkt in Indien verkaufen. "Hier könnten deutsche Produkte durchaus konkurrenzfähiger werden."

Bis zu zwei Prozent zusätzliches Wachstum?

Eine wirklich einheitliche Steuer ist die GST aber trotzdem nicht. Sie vereinfacht zwar das Steuersystem, teilt sich aber dennoch in einen Anteil der Zentralregierung, der einzelnen Bundesstaaten und eine Mischform auf, wenn Waren von einem Bundesstaat in den anderen geliefert werden. Noch ist nicht ganz klar, wie kompliziert die Abrechnung wirklich wird, wenn ein Unternehmen viel Handel zwischen Bundesstaaten betreibt.

Zudem kann gezahlte Steuer nur angerechnet werden, wenn der Vertragspartner sie zuvor auch wirklich an den Fiskus abgeführt hat. Tut er das nicht, bleibt der Verkäufer auf den Kosten sitzen. Beobachter rechnen trotzdem damit, dass das indische Bruttosozialprodukt durch die Neuregelung ein bis zwei Prozent pro Jahr schneller wachsen könnte. Zuletzt wuchs Indiens Wirtschaft um rund sieben Prozent pro Jahr. "Unsere größte Herausforderung ist nun, innerhalb von drei Monaten die Industrie auf die neue Steuer vorzubereiten", sagte Hasmukh Adhia, Staatssekretär für Finanzdienstleistungen im Finanzministerium, in einem Fernsehinterview. "Trotzdem: Der 1. Juli als Startdatum für die GST steht bis auf weiteres fest."

Quelle: n-tv.de

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