Wirtschaft
"Der große Schub kam von Aufträgen außerhalb der Eurozone."
"Der große Schub kam von Aufträgen außerhalb der Eurozone."(Foto: REUTERS)

Schwellenländer stützen Deutschland: Industrie bestaunt Auftragsflut

Im Frühling schlägt sich die deutsche Industrie besser als gedacht: Vor allem außerhalb der Eurozone heimsen die Unternehmen kräftig Aufträge ein. Die starke Nachfrage aus Ländern wie China, Indien, Russland und Brasilien gleicht die Schwäche der europäischen Nachbarn aus.

"Deutschland kommt mit einem blauen Auge davon."
"Deutschland kommt mit einem blauen Auge davon."(Foto: picture alliance / dpa)

Lebhafte Geschäfte mit Schwellenländern sorgen bei der deutschen Industrie für überraschend dicke Auftragsbücher: Die Bestellungen stiegen im März um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das war deutlich mehr als erwartet: Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet.

Im Februar fiel das Plus mit 0,6 Prozent zudem doppelt so groß aus wie bislang angenommen. "Nach der erwartet schwachen Entwicklung im Winter dreht der Trend allmählich wieder ins Plus", schrieb das Ministerium. "Davon dürfte auch die Industrieproduktion profitieren."

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Das Neugeschäft aus dem Ausland zog um 3,0 Prozent an, während die Nachfrage aus dem Inland um 1,3 Prozent zulegte. Die Aufträge aus den Wirtschaftsweiser tadelt Merkel stagnierten allerdings.

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Die Eurozone bleibt der wichtigste deutsche Exportmarkt: Etwa 40 Prozent der gehen in Länder der Währungsgemeinschaft, allen voran Hollande: Schluss mit Einschnitten . Die Bestellungen aus Ländern außerhalb des Währungsgebietes stiegen um kräftige 4,8 Prozent. Die Zahl der Großaufträge fiel durchschnittlich aus.

Die Quellen deutscher Stärke

"Der große Schub kam von Aufträgen außerhalb der Eurozone", fasste Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner die Lage in einer ersten Reaktion zusammen. "Die Inlandsaufträge gehen immerhin leicht nach oben. Bei den Orders scheint der Abwärtstrend insgesamt unterbrochen zu sein. Wir erwarten in den kommenden Monaten auch einen leichten Anstieg der Industrieproduktion."

Die Hersteller von Konsumgütern erzielten nach Daten aus dem Bundeswirtschaftsministerium ein Auftragsplus von 5,0 Prozent. Die Produzenten von Investitionsgütern wie Maschinen und Geräte meldeten ein Plus von 4,2 Prozent. Die Hersteller von Chemikalien und anderen Vorleistungsgütern hingegen verbuchten ein Minus von 1,1 Prozent.

Das erste Quartal wackelt

"Für das erste Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft beim Bruttoinlandsprodukt insgesamt eine schwarze Null oder ein kleines Plus schaffen", prognostizierte Weidensteiner. "Trotz der Schwäche vieler Handelspartner in der Eurozone kommt Deutschland also mit einem blauen Auge davon."

Skeptischer reagierte Andreas Scheuerle von der Dekabank. "Die Aufträge aus der Eurozone sind nach wie vor schwach", betonte der Volkswirt in seiner Einschätzung zur Auftragslage. "Insgesamt sieht es aber ganz gut aus." Bemerkenswert sei, dass die Industrieumsätze ebenfalls gestiegen waren. "Das lässt eine steigende Industrieproduktion für März vermuten", meinte Scheuerle.

"Das erste Quartal kratzt aber noch an der Nulllinie. Es ist noch nicht ausgemacht, dass die deutsche Wirtschaft wieder gewachsen ist. Die Hoffnung ist, dass es jetzt besser wird - vor allem im zweiten Halbjahr."

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Quelle: n-tv.de

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