Wirtschaft
Video

Revolution - die vierte: Industrie blickt in die Zukunft

Wie produziert die Industrie künftig? Einblicke bietet die Leistungschau in Hannover. Es wird technischer und digitaler. Doch der Fortschritt kostet. Und ohne höhere Investitionen sehen Politik und Wirtschaft Deutschlands Spitzenpositionen in Gefahr.

Video

Nichts weniger als die Industrie 4.0 soll in den kommenden Tagen auf der Branchenschau in Hannover präsentiert werden. Dank einer zunehmenden Integration tauschen Maschinen, Anlagen, Zulieferer und Werkstücke künftig untereinander Informationen aus. Während sich die Amerikaner in der der Wahl begriffe etwas bescheidender zeigen und von "Advanced Manufacturing" - also dem fortgeschrittenen Produzieren - sprechen, rufen die Deutschen nichts weniger als die vierte industrielle Revolution aus.

Wie weit die Branche aber tatsächlich ist, darauf soll die Leistungsschau ab Montag mit ihrem Motto "Integrated Industry - Next Steps" Antworten liefern. Bereits am Vorabend wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrer Eröffnungsrede gemeinsam mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte auf das Thema eingehen.

Fabrik lenkt - Fabrik denkt

Zwei Schwerpunkte der Leitmesse sind die selbstlernende Fabrik und sich wandelnde Energiesysteme. Deutschland will mit einer Allianz aus Forschung, Politik, Unternehmen und Verbänden bei der "Industrie 4.0" den Ton vorgeben.

Industrie und IT sollen künftig immer enger verknüpft werden und zunehmend eigenständiger Kommunizieren.
Industrie und IT sollen künftig immer enger verknüpft werden und zunehmend eigenständiger Kommunizieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Fusion von Produktion und IT-Welt scheint als Thema anzukommen. Rund 5000 Aussteller werden erwartet  - etwas mehr als die Hälfte von ihnen aus dem Ausland. Vor allem Chinesen und Italiener präsentieren ihr Know how - und sind auf der Suche nach neuen Technologien.

Die Veranstalter rechnen mit 183.000 Besuchern. Die Gäste erwarten nicht nur Maschinen, Prospekte, Werkstücke und Anlagen, sondern auch spektakuläre Demonstrationen dessen, was heute bereits machbar ist. So etwa im Bereich der Bionik, bei der die Natur mit ihren Energiespar-Tricks zum Vorbild für moderne Maschinen wird. Ein hüpfendes Roboter-Känguru soll dies den Besuchern auf der Messe eindrucksvoll demonstrieren.

Start-ups sollen Druck machen

Video

Bereits vor Messebeginn hat Merkel die deutsche Wirtschaft zu Innovationen aufgerufen. Deutschland stehe an einer Wegmarke, sagte sie in ihrem Video-Podcast. Die Frage sei, ob es gelinge, durch zeitgerechte Vereinigung mit den Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie Weltmarktführer in klassischen Bereichen zu bleiben. Die Bundesrepublik dürfe nicht den Anschluss verlieren. "Und deshalb sehe ich der Hannover Messe mit großer Hoffnung, aber auch mit großen Erwartungen an die deutsche Wirtschaft entgegen."

Zwischen herkömmlicher Industrie und Start-ups sieht die Kanzlerin keinen Gegensatz. Allerdings sei darauf zu achten, dass genügend Start-ups da seien, weil sie innovativen Druck machten. Klassische Unternehmen sollten auch junge Firmen fördern.

Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, warnt vor einem Bedeutungsverlust des Innovationsstandortes Deutschland. "Wir sind zurückgefallen. Und wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch weiter zurückfallen", sagte er.

Staatliche Förderung - aber nicht nur

Die Wirtschaft hat laut Grillo im vergangenen Jahr 54 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (F+E) gesteckt. Zwar sei die mehr als je zuvor. "Aber wir brauchen mehr, um wieder an die Spitze zu kommen." Der Staat fördere derzeit Forschung und Entwicklung mit vier Prozent. In den wichtigsten Konkurrenzstandorten seien es im Schnitt 15 Prozent.

Zudem werde in zwei Dritteln der Staaten der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit Forschung und Entwicklung steuerlich gefördert. "Da muss mehr passieren, wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen will", mahnte der BDI-Chef.

Zudem müsse die Digitalisierung der Wirtschaft vorangetrieben werden. Dies wiederum hänge vom Ausbau der Breitbandnetze ab. Hier bestehe ein Investitionsbedarf von rund 20 Milliarden Euro bis 2018. "Das muss in die Hand genommen werden. Das kann nicht alles staatliches Geld sein, das kann auch privates Geld sein", sagte Grillo.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen