Wirtschaft
"Eher verhaltene Erholung der Industriekonjunktur."
"Eher verhaltene Erholung der Industriekonjunktur."(Foto: dpa)

Fehlende Großaufträge: Industrie büßt bei Bestellungen ein

Die deutschen Industrieunternehmen sehen sich im Dezember einer sinkenden Auftragseingängen gegenüber. Ein Ökonom spricht von einem "trostlosen Bild". Das Bundeswirtschaftsministerium äußert sich zurückhaltender.

Das verarbeitende Gewerbe Deutschlands hat im Dezember einen Rückgang bei den Auftragseingängen hinnehmen müssen. Gegenüber November sanken die Order bereinigt um 0,7 Prozent und damit stärker als erwartet. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Volkswirte hatten nur ein Minus von 0,2 Prozent vorausgesagt.

Grund für den Rückgang waren fehlende Großaufträge. Im November hatten die Bestellungen noch um 1,5 Prozent angezogen. Trotz der kleinen Delle zum Jahresabschluss war das vierte Quartal für die deutsche Industrie ein versöhnliches.

Gegenüber dem Vorquartal legten die Order um 1,0 Prozent zu. "Die Bestelltätigkeit in der Industrie hat sich im vierten Quartal etwas erholt", schreiben die Experten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Mehr Aufträge gab es insbesondere bei Konsum- und Vorleistungsgütern, die um 4,7 und 2,3 Prozent kletterten. Die Bestellungen von Investitionsgütern haben sich nach dem schwachen dritten Quartal mit einem leichten Minus von 0,3 Prozent stabilisiert.

Das Wirtschaftsministerium gab sich zurückhaltend hinsichtlich der Aussichten für die kommenden Monate. Die Erwartungen in der Industrie hätten sich zuletzt etwas eingetrübt und "signalisieren eine eher verhaltene Erholung der Industriekonjunktur".

"Kein Einbruch"

"Die Auftragseingänge geben ein trostloses Bild ab", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank: "Der Auftragseingang aus den benachbarten Ländern der Eurozone sank zum Jahresende 2015 unerwartet stark. Die Bestellungen aus Übersee waren hingegen eine positive Überraschung. Der günstige Euro macht deutsche Industriegüter zu einem Schnäppchen. Die globale Rundschau zeigt aber, dass das Verarbeitende Gewerbe in einer ernsthaften Krise steckt. In den USA schrumpft die Industrieproduktion und auch in China läuft es schlecht. Gemessen daran präsentiert sich die deutsche Industrie noch relativ robust."

Carsten Brzeski von der ING Bank äußerte: "Die vergangenen Monate waren nicht einfach für die deutsche Industrie. Interessanterweise wurde der Rückgang der Bestelltätigkeit im Dezember durch sinkende Nachfrage aus dem Inland befördert. Der Anstieg der Auslandsaufträge um 0,6 Prozent gibt Hoffnung, dass der Exportkanal in den kommenden Monaten nicht völlig austrocknet."

Ralph Solveen von der Commerzbank meinte: "Trotz der rückläufigen Auftragsentwicklung im Dezember ist das kein Einbruch. Wenn man für die Bestellungen aus dem Euroraum Großaufträge heraus rechnet, ergibt sich dabei wohl nur noch ein leichtes Minus. Die Bestelltätigkeit von außerhalb des Euroraums scheint sich wieder etwas zu erholen."

Quelle: n-tv.de

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