Wirtschaft
Nachfrage nach Waren deutscher Unternehmen sinkt.
Nachfrage nach Waren deutscher Unternehmen sinkt.(Foto: picture alliance / dpa)

Produktion und Exporte sinken: Industrie hat kaum Freude im Wonnemonat

Auf wichtigen Absatzmärkten schwächelt die Konjunktur - das bleibt für die deutschen Unternehmen nicht ohne Folgen. Im Mai sinken die Exporte und die firmen drosseln die Produktion. Allerdings hellen sich die Aussichten für "Made in Germany" wieder etwas auf.

Die deutschen Unternehmen bekommen die Konjunkturkrise im Euroraum und anderen wichtigen Absatzmärkten inzwischen deutlich zu spüren. So sanken die Ausfuhren im Mai auf Monatssicht um 2,4 Prozent und damit so stark wie zuletzt im Dezember 2009, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zudem drosselten die Firmen ihre Produktion um ein Prozent. Allerdings deuten die Signale inzwischen auf eine zumindest leichte Erholung.

Mit Blick auf die Exporte hatten Ökonomen nur ein kalender- und saisonbereinigtes Minus von 0,4 Prozent erwartet, nachdem es im April ein Wachstum von 1,4 Prozent gegeben hatte. Die wirtschaftliche Schwächephase in etlichen Regionen wie der Eurozone und China sei aber "kein Grund zur Panik", sagte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Es sieht eher nach einer Schwächeperiode aus und nicht nach einem Einbruch." Ab Jahresmitte dürfte sich die Lage für die heimischen Exporteure wieder bessern.

Fachleute von Entwicklung wenig überrascht

Insgesamt setzten die Firmen den Angaben zufolge Waren im Wert von 88,2 Milliarden Euro außerhalb des Heimatmarktes ab. Das waren 4,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders schwach liefen die Geschäfte mit den Euro-Ländern: Hier belief sich das Minus auf 9,6 Prozent. Seit Jahresbeginn exportierten die Unternehmen damit Waren im Wert von 454,3 Milliarden Euro im Ausland ab. Das ist ein Rückgang von 0,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Allerdings ist das Minus für viele Fachleute keine Überraschung, da wichtige Handelspartner wie Frankreich, Italien und Spanien schwächeln. Dazu kommt nun eine Konjunkturdelle in vielen Schwellenländern. "Auch außerhalb der Euro-Zone läuft es nicht so rund", sagte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. "Der Welthandel kommt nicht in Schwung."

Die Importe stiegen derweil den Angaben zufolge im Mai um 1,7 Prozent zum Vormonat. Ökonomen hatten mit plus 0,5 Prozent gerechnet. Die Handelsbilanz - also die Differenz zwischen Ein- und Ausfuhren - wies einen bereinigten Überschuss von 14,1 Milliarden Euro auf.

Experten rechnen angesichts der Wirtschaftskrise in der Euro-Zone und der wackligen Weltkonjunktur mit einem holprigen Geschäft in den kommenden Monaten. So erhielt die exportabhängige Industrie im Mai weniger Auslandsaufträge: Sie gingen um 0,7 Prozent zurück, wobei besonders ein Minus von 3,9 Prozent im Geschäft mit der Euro-Zone ins Gewicht fiel.

Anzeichen für Belebung in Industrieländern

Während die Bundesbank dem deutschen Export 2013 ein Minus von 0,8 Prozent vorhersagt, setzen andere Ökonomen auf Besserung ab Jahresmitte. "Denn es gibt Anzeichen, dass sich die Nachfrage aus den Industrieländern in der zweiten Jahreshälfte wieder belebt", sagte Rondorf. Auch Schulz von der Berenberg Bank betonte: "Wenn sich die Euro-Zone in der zweiten Jahreshälfte aus der Rezession herausarbeitet und die USA weiter stark bleiben, dann sieht die Lage für deutschen Exporteure wieder wesentlich rosiger aus."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem Jahr nur mit einem Exportwachstum von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch 3,7 Prozent und 2011 sogar 7,8 Prozent.

Auch der Rückgang der im produzierenden Gewerbe übertraf die Erwartungen. Die Produktion sank gegenüber April preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,0 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Volkswirte hatten nur einen Rückgang um ein halbes Prozent vorausgesagt.

Wirtschaftsministerium bleibt zuversichtlich

Besonders die Baubranche verhagelte im Mai die Bilanz. Nach einem außerordentlich starken Plus im April büßte der Sektor 2,6 Prozent ein. Die Industrie verlor 0,7 Prozent. Nach deutlichen Anstiegen in den Vormonaten ging die Produktion von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen im Mai um 2,3 Prozent zurück. Die Fertigung von Konsumgütern blieb nahezu unverändert. Mit einem Plus von 1,0 Prozent setzten die Hersteller von Vorleistungsgütern ein positives Zeichen.

Etwas besser als zunächst gemeldet lief es für Bau und Industrie im April. Statt um 1,8 konnte der Ausstoß um 2,0 Prozent gesteigert werden.

Trotz der enttäuschenden Daten waren die Fachleute von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verhalten optimistisch. Die Industrieproduktion sei weiter aufwärts gerichtet. Die Stimmungsindikatoren deuten laut Wirtschaftsministerium außerdem darauf hin, dass sich die Erholung insgesamt leicht gedämpft fortsetzen dürfte. Ob es noch dazu reicht, im zweiten Quartal eine bessere Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als in den ersten drei Monaten zu schaffen, ist aber offen. Im ersten Quartal hatte das BIP um 0,1 Prozent zugelegt.

Ralph Solveen von der Commerzbank erinnerte daran, dass die Herstellung im Produzierenden Gewerbe in den beiden Vormonaten deutlich gestiegen war. Allerdings wird sich diese Dynamik im dritten Quartal kaum fortsetzen. Die schwachen Bestellungen aus dem Inland deuteten darauf hin, dass die Investitionszurückhaltung der Unternehmen noch nicht überwunden ist.

"Wir sind mit sehr viel Schwung ins zweite Quartal gestartet, deshalb sind diese Daten zunächst noch verkraftbar", sagte Andreas Schuerle von der Postbank. Dass der Bau schwach war, dafür hatte es schon Signale gegeben - etwa Produktionsbehinderungen durch viel Regen. Enttäuschend war die schwache Investitionsgüterproduktion. "Für das zweite Quartal rechnen wir mit einem Wachstum von knapp 0,4 Prozent. Wir befinden uns in einer langsamen Erholung. Die Hoffnung auf Mehr ruht vor allem auf 2014", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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