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Lieferengpässe programmiert: Industrie und Handel warnen vor Streik

Der Bahnstreik kommt nicht gut an. Vertreter aus Handel und Industrie schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und auch die Berliner CDU ist empört. Sie sorgt sich um all die Hauptstadtgäste zum Jubiläum des Mauerfalls.

Die Berliner CDU hat den geplanten Streik der Lokführer zum Zeitpunkt des Jubiläums zum Mauerfall scharf kritisiert. Mit dem Ausstand schade die Lokführergewerkschaft GDL "nicht nur der Deutschen Bahn und ihrem eigenen Anliegen, sondern dem Ansehen der gesamten Bundesrepublik", sagte der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner dem "Handelsblatt". Es sei "ein Unding", dass die GDL ausgerechnet zum Mauerfalljubiläum "die Grenzen der verkehrlichen Belastbarkeit derart ausreizt".

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"Gerade Berlin erwartet am Wochenende anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls zahlreiche nationale und internationale Gäste, die mit der Bahn anreisen möchten - ganz zu schweigen von den Berlinerinnen und Berlinern, die aufgrund der Feierlichkeiten in der Stadt unterwegs sind", sagte Wegner. Ihm fehle für den Streik "jedes Verständnis". "Auf Solidarität wird die GDL wohl verzichten müssen", sagte Wegner.

Industrie und Handel fürchten Engpässe

Auch der Bundesverband für Groß-, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) findet den Streik vollkommen unverhältnismäßig. "Auf dem Rücken unbeteiligter Kunden und Unternehmen einen gewerkschaftlichen Konkurrenzkampf auszutragen, wird sich als Bumerang erweisen", erklärte BGA-Präsident Anton Börner.

Besonders betroffen von einem Bahnstreik sei etwa der Chemiehandel, fügte er hinzu. Aber auch für die deutschen Stahl- und Metallhändler oder die Automobilzulieferer sei die Schiene wegen der zu transportierenden Masse unverzichtbar. Ausweichmöglichkeiten gebe es kaum. Es werde daher zu starken Verzögerungen in der Lieferkette kommen.

"Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland", sagte auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Neben dem Ärgernis für Urlauber führen Streiks im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden können."

Franzosen streiken mal nicht

In Frankreich ist dagegen ein Aufruf der Gewerkschaft CGT zu einem Bahnstreik nahezu verpufft. Rund 97 Prozent der Züge fuhren, obwohl das Zugpersonal zu einer Arbeitsniederlegung aufgefordert worden war. Protestiert werden sollte gegen Einsparungen im öffentlichen Sektor, die nach Einschätzung der Gewerkschaft zu einer Verschlechterung beim Service bei der Bahn führten. Die CGT ist die größte Gewerkschaft der Beschäftigten der französischen Bahngesellschaft SNCF.

Quelle: n-tv.de

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