Wirtschaft
Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.
Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.(Foto: picture alliance / dpa)

Euro fällt unter 1,26-Dollar-Marke: Inflation in der Eurozone auf Fünf-Jahres-Tief

Eine der größten Sorgen der Europäischen Zentralbank ist die derzeit verschwindend geringe Inflation in der Eurozone. Statt zu steigen, sinkt die Teuerungsrate weiter - so tief wie seit 2009 nicht mehr. Die EZB setzt das gehörig unter Druck.

Die Inflation in der Eurozone fiel im September auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren - das geht aus Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat hervor. Mit 0,3 Prozent erhöhten sich die Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat so schwach wie seit Oktober 2009 nicht mehr. Die Kopfschmerzen der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften mit den Inflationsraten nicht kleiner werden: Sie spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

An den Finanzmärkten reagierte der Euro mit starken Verlusten. Innerhalb weniger Minuten fiel die Gemeinschaftswährung um einen Cent zurück. Im Tief kostete sie 1,2590 US-Dollar - der niedrigste Stand seit zwei Jahren.

An den Aktienmärkten sorgten die Neuigkeiten indes für Auftrieb. Offenbar schüren die Zahlen Hoffnungen, die EZB könnte ihre Geldpolitik noch weiter lockern, obwohl sie bereits im Juni und September mit zwei großen Lockerungsrunden aktiv geworden ist. An diesem Donnerstag entscheiden die Währungshüter erneut über die Geldpolitik.

Energiepreise erneut stark gefallen

Wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht, sind vor allem die Energiepreise erneut stark gefallen. Im Jahresvergleich sanken sie im September um 2,4 Prozent. Bis auf die Preise für Dienstleistungen, die um 1,1 Prozent stiegen, blieb nennenswerter Inflationsdruck aus. Die Preise für Nahrungsmittel und Industriegüter erhöhten sich nur geringfügig.

An den Finanzmärkten sind die Inflationserwartungen unterdessen seit Wochen rückläufig. Die EZB sieht es als Bedrohung für ihre Glaubwürdigkeit an, falls Investoren nachhaltig daran zweifeln, dass sie ihr mittelfristiges Ziel von knapp zwei Prozent Teuerung erfüllt.
"Die Daten geben den Tauben in der EZB neue Munition in die Hand", kommentierten die Ökonomen vom Analysehaus Capital Economics. Mit anderen Worten: Notenbanker, die ohnehin für eine lockere Geldpolitik eintreten ("Tauben"), dürften jetzt erst recht auf weitere Schritte drängen.

Dass die EZB bereits am Donnerstag handelt, gilt aber als unwahrscheinlich. Vielmehr wird die Notenbank Details zu ihren neuen Wertpapierkäufen bekanntgeben: Ab Oktober will sie in den Kauf von Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefen (Covered Bonds) einsteigen. Zu welchen Konditionen dies geschehen soll, ist aber noch offen.

Analysten zweifeln Erfolg von EZB-Kaufprogrammen an

"Die Zeiten sind nun für die EZB noch härter geworden", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Die deflationären Tendenzen im Währungsraum hätten zugenommen. "Dies wäre für sich genommen nicht so schlimm, stünde da nicht eine spürbare Eintrübung der Wirtschaftsaussichten zu Buche." Zahlen aus der Realwirtschaft und Stimmungsindikatoren hatten bis zuletzt ein trübes Bild gezeichnet und allenfalls eine schwache Erholung angedeutet. "Die europäischen Währungshüter werden deshalb die Geldschleusen offen halten", sagte Gitzel.

Viele Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass die beiden neuen Kaufprogramme der EZB ausreichen werden, um Wachstumsschwäche und Niedriginflation hinreichend zu bekämpfen. Der Grund: Die anvisierten Märkte sind vermutlich zu klein. Ähnliches gelte für die neuen Geldspritzen der Zentralbank, mit denen die schwache Kreditvergabe angeregt werden soll. Deswegen gehen zahlreiche Beobachter davon aus, dass die Notenbank früher oder später ihr schärfstes Schwert zücken könnte: breitangelegte Käufe privater und öffentlicher Wertpapiere wie Staatsanleihen.

Quelle: n-tv.de

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