Wirtschaft
Entlastung für die Portemonnaies: Die Inflationsrate sinkt im September.
Entlastung für die Portemonnaies: Die Inflationsrate sinkt im September.(Foto: dpa)

Entspannung im Zielkorridor: Inflation lässt leicht nach

Leichte Entspannung an der Preisfront in Deutschland: Die Jahresinflation sinkt im September von 2,1 auf 2,0 Prozent. Ökonomen stimmen jedoch bereits auf bald wieder steigende Raten ein. Sie bezweifeln, dass es der EZB gelingt, die gigantischen Summen billigen Geldes aus dem Markt zu ziehen.

Billigeres Reisen und günstigere Nahrungsmittel bremsen die Inflation in Deutschland etwas. Waren und Dienstleistungen kosteten im September durchschnittlich 2,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Im August lag die Teuerungsrate noch bei 2,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit April. In den nächsten Monaten dürfte die Inflation Experten zufolge weiter um die Marke von zwei Prozent pendeln, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht. "Mittel- bis langfristig sehe ich allerdings immense Inflationsgefahren durch die Geldpolitik der EZB", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel.

Im Vergleich zum Vormonat blieben die Verbraucherpreise unverändert. Die Statistiker sprachen von einer weitgehend saisonüblichen Entwicklung. Da in den meisten Bundesländern im September die Schulferien bereits zu Ende waren, kosteten Pauschalreisen und Ferienwohnungen deutlich weniger als im August. Zudem verbilligten sich saisonabhängige Lebensmittel. Allerdings zogen in den meisten Ländern wegen der neuen Herbst- und Winterkollektion die Preise für Bekleidung und Schuhe merklich an, in Nordrhein-Westfalen etwa um fünf Prozent. Details will das Statistikamt am 11. Oktober vorlegen.

Benzinpreise sinken leicht

Preistreiber für die Jahresteuerung war erneut Energie: Tanken kostete in vielen Bundesländern rund neun Prozent mehr als im September 2011. Die hohen Benzinpreise schmälern bereits die Kaufkraft vieler Verbraucher, die deshalb ihren Konsum anderer Waren einschränken. Autofahrer profitieren allerdings von ein wenig Entlastung. Nach den jüngsten Rekordpreisen verbilligte sich dem ADAC zufolge das Tanken zuletzt wieder etwas. Demnach kostete ein Liter E10 im Schnitt 1,646 Euro und damit rund zwei Cent weniger als in der Vorwoche. Diesel sei rund 2,4 Cent billiger und koste etwa 1,50 Euro.

Trotz des leichten Abebbens der Inflation sieht Postbanker Bargel grundsätzlich weiteren Aufwärtsdruck - durch Energie und Nahrungsmittel. "Die Entwicklung an den Rohstoff- und Agrarmärkten dürfte sich in nächster Zeit auch in den deutschen Verbraucherpreisen zeigen." Auch für Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf ist die Debatte anziehender Preise nicht vom Tisch: "Die für Deutschland zu expansive Geldpolitik lässt befürchten, dass die Verbraucherpreise mittelfristig auf breiter Front um mehr als zwei Prozent steigen."

Bargel geht davon aus, dass die Liquiditätsschwemme der Notenbanken aber erst in den nächsten drei bis fünf Jahren relevant werden dürfte. "Solange die Konjunktur im Euroraum noch so schwach ist wie momentan, sind die Inflationsgefahren, die von der Geldpolitik ausgehen, eher gering." Viele Länder im Währungsraum - darunter die Sorgenkinder Spanien, Italien, Portugal und Griechenland stecken in einer tiefen Rezession.

Quelle: n-tv.de

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