Wirtschaft

EZB-Zielmarke außer Sicht: Inflationsrate erreicht neues Vier-Jahres-Tief

Die Inflation in Deutschland ist weiter auf Talfahrt. Dazu tragen erneut sinkende Energiepreise bei. Die EZB betrachtet das erneute Vier-Jahres-Tief mit Sorge - denn ihr eigentlicher Zielwert rückt in weite Ferne.

Die deutschen Verbraucher können sich über kaum steigende Nahrungsmittelpreise freuen.
Die deutschen Verbraucher können sich über kaum steigende Nahrungsmittelpreise freuen.(Foto: picture alliance / dpa)

Sinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Juli auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren gedrückt. Die jährliche Teuerungsrate lag bei 0,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Zahlen mitteilte. Eine niedrigere Rate hatte es zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent gegeben, als die Wirtschaft mit den Nachwirkungen der Welt-Finanzkrise zu kämpfen hatte.

Gebremst wurde der Preisauftrieb im Juli erneut durch sinkende Energiepreise (minus 1,5 Prozent). Billiger wurden insbesondere Sprit und Heizöl, wie aus Daten Statistischer Landesämter hervorgeht. Die Nahrungsmittelpreise waren im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant. Billiger wurden nach Angaben der Statistiker in den Sommermonaten vor allem Obst und Gemüse. Mehr als im Vorjahr mussten die Verbraucher dagegen für Nettokaltmieten zahlen. Gegenüber dem Vormonat stieg die Inflationsrate insgesamt um 0,3 Prozent.

Der Preisauftrieb in Deutschland liegt zwar immer noch höher als im Euroraum. Doch auch in Deutschland ist die Inflation weit entfernt vom Zielwert der Europäischen Zentralbank. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Jahresrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Der Sicherheitsabstand zu einem Preisrückgang auf breiter Front, einer Deflation, bleibt damit gering. Eine solche Entwicklung gilt bei Experten als Gift für die Konjunktur, da Verbraucher auf weiter sinkende Preise spekulieren und ihren Konsum einstellen.

Kommen weitere EZB-Maßnahmen?

Marco Wagner von der Commerzbank rechnet damit, dass die Verbraucherpreise im Euroraum im Juli nur noch um 0,4 Prozent gestiegen sind. "Dies wird die Spekulation über weitere EZB-Maßnahmen erneut anheizen", sagte er voraus. Das Europäische Statistikamt veröffentlicht die vorläufigen Juli-Daten an diesem Donnerstag.

Die Notenbank hatte Anfang Juni auf die Mini-Inflation reagiert: Der extrem niedrige Leitzins wurde nochmals gesenkt auf jetzt 0,15 Prozent. Außerdem müssen Banken Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so die Konjunktur anzukurbeln. Das würde in der Regel auch den Preisauftrieb stärken.

Damit haben die Währungshüter ihr Pulver zwar bereits weitgehend verschossen. Weitere Maßnahmen könnten aber großangelegte Käufe privater und öffentlicher Schuldtitel sein. Dieser Schritt, der auch den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen beinhaltet, ist allerdings umstritten.

Quelle: n-tv.de

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