Wirtschaft
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AR-Sitzung verschoben: Interimschef verlässt Karstadt

Ist dies die erste Personalentscheidung des neuen Eigentümers? Beim kriselnden Kaufhauskonzern Karstadt räumt der Arbeitsdirektor seinen Posten. Derweil will der Aufsichtsrat das Zukunftskonzept erst nach der Kauferlaubnis der Aufsichtsbehörden beraten.

Die Zitterpartie für die Mitarbeiter der angeschlagenen Kaufhauskette Karstadt geht weiter. Die für Donnerstag angesetzte Aufsichtsratssitzung zu Beratung über das Sanierungskonzept wurde einmal mehr verschoben. Der neue Eigentümer, der österreichische Immobilien-Investor Rene Benko, will zunächst den Beschluss des Kartellamtes zur Übernahme des Essener Traditionskonzerns und die Neuwahl der Anteilseigner-Vertreter abwarten, wie Karstadt mitteilte. Derweil gibt es einen Wechsel im Management - der Arbeitsdirektor verlässt das Unternehmen.

Aufsichtsratschef Stephan Fanderl bekräftigte: "Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen." Aber der Entscheidung der Behörde könne das Management nicht vorgreifen.

Prüfung frühestens bis Mitte September

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Der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte seine Anteile in der vergangenen Woche an Benko und dessen Signa-Gruppe abgegeben. Die Übernahme wurde am Freitag beim Bundeskartellamt angemeldet. Die Behörde hat allerdings bislang noch keine Prüfungsfrist festgelegt.

Im schnellsten Falle könnte die Genehmigung der Transaktion bis Mitte September erfolgen. Dringende Entscheidungen über die Sanierung waren bereits nach dem abrupten Abgang von Firmenchefin Eva-Lotta Sjöstedt Mitte Juli verschoben worden. Ursprünglich sollte sich der Aufsichtsrat bereits Ende vergangenen Monats mit der Zukunft des Einzelhandelsriesen beschäftigen.

Über die Motive des neuen Eigners, der wenig Erfahrung im operativen Handelsgeschäft hat, wird derweil noch gerätselt. In Branchenkreisen wird vermutet, Benko könnte nach der Sanierung des mit Verlusten und Umsatzschwund kämpfenden Konzerns einen neuen Anlauf unternehmen, eine "Warenhaus AG" mit dem Konkurrenten Kaufhof zu schmieden.

Kaufhof lehnt Fusionspläne ab

Planspiele für die Umsetzung einer Warenhausfusion gibt es bereits: Kaufhof könnte Karstadt schlucken oder umgekehrt - oder ein dritter Investor könnte auf den Plan treten und beide Warenhausriesen übernehmen und zusammenführen. Nach einem Umbau könnte die "Warenhaus AG" dann an die Börse gebracht werden.

Bei der Metro -Tochter wiegelt man indes ab. "Wir diskutieren diese Option nicht", sagte ein Kaufhof-Sprecher dem "Tagesspiegel". Daran habe sich auch nach dem Eigentümerwechsel nichts geändert. "Die Kollegen bei Karstadt tun gut daran, sich auf sich selber zu konzentrieren", betonte der Sprecher. Es gebe beim Kaufhof keine Not. "Wir sind seit ewigen Zeiten profitabel."

Aktuell betreibt der Kaufhof deutschlandweit 105 Warenhäuser, Karstadt 83. Experten bezweifeln die Überlebensfähigkeit aller Häuser, da sie häufig auch in unmittelbarer Nähe zueinander stehen. Bei einer Fusion würden daher sicher Standorte geschlossen, Tausende von Beschäftigten müssten um ihren Job zittern.

Finanzchef führt Geschäfte

Der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat, Arno Peukes, warnte indes vor einer schnellen Schließung von Filialen. "Karstadt hat derzeit andere Probleme als zu viele Häuser", sagte er der "Berliner Zeitung". Benko müsse "zuallererst" ein vernünftiges Konzept vorlegen und den "Zustand der permanenten Verunsicherung" beenden.

Peukes forderte, dass für alle 83 Warenhäuser "eine Perspektive" festgeschrieben wird. Ein voreiliges Aus für einzelne Standorte "hilft nicht dem Konzern, hilft nicht dem Eigentümer und ginge erneut zulasten der Beschäftigten", mahnte er.

Unterdessen teilte der Konzern mit, dass Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz das Unternehmen verlasse. Er hatte zuletzt nach dem Abgang Sjösteds die Kaufhauskette zusammen mit Miguel Müllenbach geführt. Die Trennung erfolge in beiderseitigem Einvernehmen, wie es hieß. Damit rücke Finanz-Chef Müllenbach vorübergehend an die Spitze der Geschäftsführung. Weitz war 2011 vom Wettbewerber Metro zu Karstadt gekommen.

Karstadt-Aufsichtsratschef Fanderl hat aber ohnehin "schmerzhafte Einschnitte" angekündigt und die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Häusern in Frage gestellt.

Quelle: n-tv.de

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