Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Untersuchung zu Selbstmord des Zurich-Finanzchefs: Keine Belege für Vorwürfe gegen Ackermann

Ende August nimmt sich der Zurich-Finanzchef das Leben. In den Fokus gerät anschließend Verwaltungsratschef Ackermann. Zwischen beiden soll es Spannungen gegeben haben. Der Schweizer Versicherer lässt die Vorwürfe prüfen.

Der Finanzchef der Zurich Insurance Group ist Insidern zufolge vor seinem Selbstmord nicht übermäßig unter Druck gesetzt worden. Eine von dem Schweizer Versicherer nach dem Vorfall eingeleitete interne Untersuchung habe auch keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Finanzberichterstattung des Konzerns ergeben, sagten zwei Insider zu Reuters. "Bis jetzt gibt es keinen Vorfall oder keine Serie von Ereignissen, die das Kriterium 'ungerechtfertigten Druck' erfüllen würden."

Der 53-jährige Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier war am 26. August tot an seinem Wohnort am Zuger See aufgefunden worden. In einem Abschiedsbrief warf er Präsident Josef Ackermann vor, er habe ihn unter Druck gesetzt. Der ehemalige Deutschen Bank-Chef nahm drei Tage später seinen Hut als Verwaltungsratschef. Eine Mitverantwortung für Wauthiers Tod wies er von sich.

Veröffentlichung noch vor Quartalszahlen

Der Versicherer beauftragte daraufhin den Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) und die auf Wirtschafts- und Steuersachen spezialisierte Zürcher Anwaltskanzlei Homburger, die Umstände des Selbstmords zu untersuchen. Sie befragten Mitarbeiter und durchforsteten E-Mails und andere Korrespondenz auf der Suche nach Hinweisen, dass Wauthier unter übertriebenem Druck stand, wie die Insider erklärten.

Der Untersuchungsbericht, der Insidern zufolge noch vor der Quartalsbilanz am 14. November veröffentlicht werden soll, sei dem Zurich-Verwaltungsrat bislang noch nicht vorgelegt worden. Es könnte an dem Bericht noch Änderungen geben, sagte einer der Informanten. Einem dritten Insider zufolge hat die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA eine Fassung des Berichts erhalten. Unklar blieb, ob die Behörde an der Untersuchung beteiligt war.

Ein FINMA-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Auch von Zurich, Homburger und Ackermann waren keine Stellungnahmen zu erhalten. Bei PwC war vorerst niemand zu erreichen und Anrufe bei der Familie Wauthiers wurden nicht beantwortet.

Suizid erschütterte Konzern

Der Selbstmord und der abrupte Abgang des Präsidenten erschütterten den Konzern, die Aktien kamen unter Druck. Konzernchef Martin Senn hatte versicherte, es gebe keine Verbindung zwischen den Ereignissen und der finanziellen Performance des Unternehmens.

Insidern zufolge hatten sich zwischen Ackermann und Wauthier in den Monaten vor dem Selbstmord des Finanzchefs Spannungen aufgebaut. Bei einem Gespräch mit dem Finanzchef am Tag vor der Quartalsberichterstattung Mitte August bestand der Präsident Insidern zufolge auf einer letzten Änderung in den Präsentationsunterlagen: Der allgemeine Geschäftsausblick für 2013 wurde vorsichtiger formuliert. Zudem setzte Zurich Fragezeichen hinter die mittelfristigen Ziele für zwei der drei Geschäftsbereiche.

Neue Ertragsziele will Konzernchef Senn den Investoren am 5. Dezember präsentieren.

Quelle: n-tv.de

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