Wirtschaft
Das deutsche Hightech-Unternehmen Festo hat die  Roboter-Qualle "AquaJelly" entwickelt.
Das deutsche Hightech-Unternehmen Festo hat die Roboter-Qualle "AquaJelly" entwickelt.(Foto: Festo)

Unternehmen erwarten Wachstum: Investieren in das Zeitalter der Robotik

Von Kai Stoppel

Sind Roboter das nächste "große Ding" an der Börse? Der Robotik-Industrie wird jedenfalls ein gigantisches Wachstum vorhergesagt. Ein eigener Index versammelt die Größen dieser Zukunftsbranche. Auch deutsche Hersteller sind vertreten.

Der deutsche Konzern Kuka gehört zu den Marktführern bei Industrierobotern.
Der deutsche Konzern Kuka gehört zu den Marktführern bei Industrierobotern.(Foto: picture alliance / dpa)

Das Science-Fiction-Genre prophezeit schon lange den Übergang der modernen Industriegesellschaft ins Roboter-Zeitalter. Und die Anzeichen häufen sich, dass es bald soweit sein könnte: Kleine Helfer wie Staubsauger-Roboter bevölkern bereits die Haushalte, Spielzeuge wie die Roboter-Hunde Zoomer und Aibo erobern die Kinderzimmer der westlichen Welt. Die möglichen Anwendungen in Industrie, Haushalt und Dienstleistungssektor scheinen schier unbegrenzt. Unternehmen hoffen auf ein gigantisches Wachstum. Profitieren könnten davon auch Anleger.

In den Boom-Regionen Asiens finden derzeit bereits Industrieroboter reißenden Absatz. Laut dem Weltdachverband der Roboter-Industrie, der International Federation of Robotics (IFR), ist die Zahl verkaufter Einheiten im vergangenen Jahr um rund 27 Prozent gewachsen und hat erstmals die Marke von 200.000 überschritten. Hauptabnehmer mit 56.000 ausgelieferten Einheiten war China - allerdings produzierte das Land rund ein Drittel davon selbst. Deutschland landete nach Südkorea, Japan und den USA auf Platz fünf der größten Märkte für Industrieroboter.

Gigantisches Wachstum bis 2020 prognostiziert

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Die Hoffnungen der Hersteller liegen jedoch vor allem auf den Servicerobotern, die Menschen im Alltag lästige oder gefährliche Tätigkeiten abnehmen sollen. Genauso sind sie für Dienstleistungen in Sektoren mit Arbeitskräftemangel geeignet. Die Palette reicht bereits heute von diversen Staubsauger- und Rasenmäher-Robotern für den Hausgebrauch hin zu Pflegerobotern in Krankenhäusern. Darunter fallen aber auch Roboter für die Baubranche, die Landwirtschaft und den Verteidigungssektor.

Die Erwartungen an diese Branche sind fantastisch hoch: Der Robotik-Verband Japan Robot Association (JARA) etwa geht von Wachstumsraten um die 21 Prozent pro Jahr bis 2020 aus. Zum Vergleich: Bei den Industrierobotern soll der Absatz lediglich um knapp sechs Prozent jährlich zunehmen. Der Weltverband IFR prognostiziert für Serviceroboter einen Gesamtumsatz von fast 30 Milliarden Dollar in den Jahren 2014 bis 2017 - im Jahr 2013 waren es etwa 5,2 Milliarden Dollar.

Fünf deutsche Robo-Aktien mischen mit

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Für Anleger scheinen diese Aussichten verlockend. Doch wie investiert man in den aufstrebenden Markt? Zur Orientierung gibt es seit 2013 einen Index mit Unternehmen der Robotik- und Automatisierungs-Branche: den Robo-Stox. In diesem sind Aktien von 82 Konzernen aus 15 Ländern vertreten, die sich zum Teil oder überwiegend der Robotik verschrieben haben. Investieren können Privatanleger zum Beispiel direkt in den Index über den börsengehandelten Fonds Robo-Stox Glbl Robotics & Auto GO ETF. Zuletzt hat sich der Index jedoch nicht sonderlich stark entwickelt - im laufenden Jahr steht ein Zuwachs von gerade mal vier Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der TecDax legte im selben Zeitraum fast 19 Prozent zu.

Ein Blick auf die Einzelaktien im Robo-Stox könnte sich daher lohnen. Unter diesen befinden sich zahlreiche namhafte Industrie-Konzerne aus den USA, Asien und Deutschland. Etwa Rockwell Automation, das weltweit größte Unternehmen mit Schwerpunkt auf industrielle Automatisierungs- und Informatiklösungen. Auch die im Nasdaq gelistete Firma iRobot ist mit von der Partie, bekannt vor allem für ihre Staubsauger- und Bodenreinigungsroboter. Ebenfalls dabei: Intuitive Surgical Inc., ein US-Hersteller von medizinischen Robotern, dessen Aktien sich in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches erhöht haben.

Kuka und Krones sind vorne mit dabei

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Auch fünf deutsche Konzerne finden sich im Robo-Stox: Das sind Leoni, Jenoptik und Siemens, besonders im Fokus stehen jedoch die Titel von Kuka und Krones, die zu den 21 sogenannten "Bellwether Companies" im Index zählen: An ihnen ist demnach besonders deutlich die Entwicklung des Roboter- und Automaten-Sektors abzulesen.

Der Augsburger Konzern Kuka hat sich auf die Herstellung von Robotern, vor allem für die Autoindustrie, spezialisiert. Er gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit führenden Herstellern von Industrierobotern. Die Aktie des MDax-Konzerns hat sich zuletzt enorm entwickelt: Innerhalb des vergangenen Jahres verdoppelte sie sich im Wert, seit 2012 hat sich das Papier im Wert sogar mehr als vervierfacht.

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Krones ist vor allem für Abfüll- und Verpackungsanlagen für Getränke bekannt - der Konzern aus Neutraubling bei Regensburg führt aber auch Pack- und Palettierroboter. Die Aktie des ebenfalls im MDax gelisteten Unternehmens hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 50 Prozent an Wert gewonnen - in den vergangenen drei Jahren sogar rund 180 Prozent.

Siemens hat schon diverse Robotertechnologien entwickelt: Reinigungsroboter für Supermärkte, automatische Hafenkräne für Container, Roboter für die Medizintechnik und einen Gabelstapler-Roboter, der sich autonom bewegt. Für den Bereich der Serviceroboter will der Dax-Konzern andere Hersteller mit Sensoren, intelligenter Software und Steuerungen versorgen. Auch im Alltag sind Helfer von Siemens bereits angekommen: Der Konzern stellt Staubsauger-Roboter her und hat sogar einen Bügel-Automaten entwickelt: den "Dressman".

Deutsche Firmen mit visionären Roboter-Ideen

Der ebenfalls im Robo-Stox vertretene Nürnberger Konzern Leoni ist für die Robotik-Branche von Relevanz. Er produziert Kabel und Glasfasertechnik, die in Robotern verbaut werden. Jenoptik stellt Sensoren und Bildverarbeitungssysteme für Industrieroboter her.

Neben den im Robo-Stox geführten Firmen gibt es hierzulande noch andere Pioniere der Branche, die nicht an der Börse gehandelt werden: Etwa das Familienunternehmen Festo aus Esslingen am Neckar, das bei seinen Roboterentwicklungen oft die Natur zum Vorbild nimmt. Der Gehilfen- und Rollstuhl-Konstrukteur Ottobock gehört ebenso dazu wie die Schunk GmbH aus Lauffen am Neckar, welche die nach eigenen Angaben erste serienreife Fünf-Finger-Roboterhand entwickelt hat.

Der große Wachstumssprung beim Absatz deutscher Hersteller von Robotern lässt bisher jedoch noch auf sich warten: In den Jahren von 2011 bis 2013 stagnierte der Umsatz deutscher Roboter- und Automaten-Fabrikanten laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bei etwas mehr als 10 Milliarden Euro pro Jahr. Für 2014 wird mit einem Wachstum von sieben Prozent auf 11,2 Milliarden Euro gerechnet. Mit Robotik allein sollen 3,2 Milliarden umgesetzt werden - ein Plus von fünf Prozent gegenüber 2013.

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Quelle: n-tv.de

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