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Ein fliegender Panzer: Der Kampfhubschrauber Mi-28 trägt den Nato-Codenamen "Havoc" ("Verwüstung").
Ein fliegender Panzer: Der Kampfhubschrauber Mi-28 trägt den Nato-Codenamen "Havoc" ("Verwüstung").(Foto: picture alliance / dpa)

Kampfhubschrauber, Mig und Raketen: Irak blockt Russland-Geschäft ab

In den russisch-irakischen Beziehungen kommt es zum Eklat: Unter schweren Korruptionsvorwürfen lässt die Regierung in Bagdad eine für Russland wichtige Vereinbarung platzen: Moskau bleibt auf Kriegsgerät im Wert von mehreren Milliarden Euro sitzen.

"Der Vertrag wurde annulliert": Nuri al-Maliki (r.) mit Ministerpräsident Dimitri Medwedew Anfang Oktober in Moskau.
"Der Vertrag wurde annulliert": Nuri al-Maliki (r.) mit Ministerpräsident Dimitri Medwedew Anfang Oktober in Moskau.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Irak hat ein milliardenschweres Waffengeschäft mit Russland auf Eis gelegt. Zur Begründung der Absage verwies ein Sprecher von Ministerpräsident auf Anzeichen auf etwaige Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit von langer Hand geplanten Rüstungslieferungen im Umfang von 4,2 Mrd. Dollar (rund 3,3 Mrd. Euro).

"Der Vertrag wurde annulliert", hieß es aus Bagdad. Regierungschef Al-Maliki sei der Verdacht nach seiner Rückkehr von seinem Besuch in Moskau gekommen. Ermittlungen seien im Gange, sagte der Sprecher ohne Angaben von Einzelheiten. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, erklärte der Regierungssprecher weiter. Grundsätzlich habe die irakische Regierung immer noch einen großen Bedarf an Rüstungsgütern. Man sei daher offen, mit Russland über neue Lieferverträge zu verhandeln.

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Russischen Medienberichten zufolge sollte Bagdad 30 Mi-28 Kampfhubschrauber und 42 mobile Abschussrampen für Boden-Luft-Raketen erhalten, im Gespräch waren demnach auch mehrere vom Typ sowie weitere Hubschrauber.

Mit dem Geschäft wäre Russland zum zweitgrößten Waffenlieferanten des Irak nach den USA aufgestiegen. Verhandlungen über den Abschluss liefen bereits seit April.

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Der Export von Waffensystemen stärkt nicht nur die einzelnen Bilanzen der heimischen Rüstungsindustrie. Über die Belieferung mit Ersatzteilen und Nachfolgeversionen sichern gerade komplexere Rüstungsgüter wie Kampfjets oder Luftabwehr-Technologie dauerhaft Arbeitsplätze im Ursprungsland. Russland zählt neben den USA und zu den .

Mit Russland über Kreuz?

Das geplatzte Waffengeschäft dürfte die Beziehungen zwischen Russland und Irak schwer belasten. Womöglich könnte es für die Regierung in Bagdad auch die Suche nach neuen Partnern zum Wiederaufbau überschatten. Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins und dem Einmarsch der Amerikaner muss sich das Land weiter um Stabilität inmitten einer geopolitisch brisanten Krisenregion bemühen. Der Irak grenzt im Westen an Syrien und im Osten an den Iran.

Früheren Angaben zufolge benötigt der Irak in den kommenden zehn Jahren bis zu eine Billion Dollar (knapp 785 Mrd. Euro) für den Wiederaufbau seiner Infrastruktur und die Ankurbelung der Wirtschaft.

Ein Großteil dieser Summe könnte aus den Ausfuhren von Rohöl, der wichtigsten Einnahmequelle des Landes, kommen, sagte der Präsident des irakischen Investitionsausschusses, Sami al-Aradschi. Daneben seien aber auch ausländische und irakische Direktinvestitionen erforderlich.

Spielt Serdjukow eine Rolle?

Der Rohstoffreichtum bringt das Land ökonomisch in eine gefährliche Schieflage: Die staatlich dominierte irakische Wirtschaft ist stark vom Rohölexport abhängig. Der Energiesektor macht etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus, in ihm ist aber nur ein Prozent der irakischen Erwerbstätigen beschäftigt.

Der überraschende Rückzug der Iraker gab den Spekulationen um eine vielbeachtete Personalentscheidung in Moskau neue Nahrung: Der russische Präsident Wladimir Putin hatte vor wenigen Tagen überraschend Verteidigungsminister wegen einer Korruptionsaffäre entlassen. Zum Nachfolger ernannte Putin den früheren Katastrophenschutzminister und Gouverneur der Region Moskau, Sergej Schoigu. Auf dessen Wunsch hin tauschte Putin zudem den russischen Generalstabschef aus.

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Quelle: n-tv.de

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