Wirtschaft
Das Halfaya Ölfeld in Amara, südöstlich von Bagdad.
Das Halfaya Ölfeld in Amara, südöstlich von Bagdad.(Foto: REUTERS)

Panik wegen Ölpreisverfall: Irak warnt vor massivem Schaden

Von Diana Dittmer

Der niedrige Ölpreis setzt den Ölproduzenten immer mehr zu. Eine gemeinsame Strategie ist nicht in Sicht. Jetzt meldet sich auch das Opec-Mitglied Irak zu Wort. Der Druck wächst. Venezuela ruft zum nächsten Krisengipfel.

Die Unruhe unter den Ölproduzenten wächst. Doch ob die Ölstaaten deshalb dem Ölpreisverfall gemeinsam den Kampf ansagen werden, ist ungewiss; eine gemeinsame Strategie ist zumindest nicht in Sicht. Solange dieser Zustand anhält, wird auch der Ölpreis seine Zickzackkurve fortschreiben. Zuletzt regierte das Prinzip Hoffnung unter Rohstoffanlegern. Genährt wurde diese von Äußerungen aus dem Irak. Er dringt nun ebenfalls auf schnelle Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölpreises. Den Öl-Produzenten drohe sonst schwerer Schaden, der erst nach langer Zeit wieder behoben werden könnte, warnte Iraks Opec-Gesandter Falah Alamri bei einem Branchentreffen in Abu Dhabi.

Ob die Regierung plant, sich an dem jüngsten Vorstoß von Russland und Saudi-Arabien zur Deckelung der Fördermengen zu beteiligen, blieb offen. Man sei zur Zusammenarbeit bereit, sagte Alamri nur. Der Preis-Einbruch sei aber nicht durch den Irak verursacht worden. Ein deutlicher Seitenhieb gegen Saudi-Arabien, das mit der Ausweitung seiner Fördermengen großen Anteil daran hat, dass der Ölpreis in den vergangenen Monaten um 70 Prozent eingebrochen ist. Die Antwort ähnelt zudem der des Nachbarlandes Iran.

Abwarten, was die anderen tun

Die Förderländer stehen vor einer Herkulesaufgabe: Entweder deckeln alle die Quoten oder keiner. Ohne die Kandidaten Iran und Irak wird es keine gemeinsame Strategie geben. Die Förderländer Russland, Saudi-Arabien, Venezuela und Katar hatten sich vor einer Woche darauf verständigt, die Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren. Allerdings nur, wenn auch andere große Öl-Länder mitmachen. Adressiert war diese Einschränkung vor allem an Iran, der mit seinen zusätzlichen Millionen Barrels Öl für weiteren Preisdruck sorgen wird. Der Staat fährt nach Jahren der Blockade wegen Atomsanktionen gerade erst seine Öl-Produktion wieder hoch und will möglichst bald zur alten Stärke am Weltmarkt finden.

Die Antwort aus Teheran fiel mit Blick auf die Konkurrenz erwartungsgemäß aus: "Wir wollen erst sehen, was andere Länder machen. Dann können wir uns entscheiden, aber wir sind dabei sehr kooperativ", sagte Iraks Ölminister Adel Abdel Mahdi. Gemeint war: Warum wir? Ölminister Bijan Zanganeh bezeichnete die Initiative  etwas später als "lächerlich". "Einige unserer Nachbarn haben die Produktion in den vergangenen Jahren auf zehn Millionen Barrel pro Tag gesteigert und exportieren diese Menge, und jetzt haben sie die Dreistigkeit zu sagen, wir sollten alle zusammen unsere Produktion einfrieren."

Der Iran will die Produktionsmengen aus der Zeit vor den Sanktionen erreichen, das heißt, seinen täglichen Ausstoß um eine Million Barrel steigern. Mit dem neuen iranischen Öl gehen Experten davon aus, dass die tägliche weltweite Überproduktion 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) erreicht.

Ungeachtet wie "lächerlich" die Forderung der Konkurrenten sein mag, hat allerdings auch der Iran ein Interesse an steigenden Ölpreisen. Nach dem Atomdeal und der Aufhebung internationaler Sanktionen muss der Mullah-Staat erheblich investieren, um die Förderpumpen wieder richtig in Gang zu setzen. Die Investitionen sind weniger rentabel, wenn der Ölpreis niedrig ist. Für andere Ölproduzenten ist die Lage inzwischen existenzbedrohend: Das Förderland Venezuela zum Beispiel ist wegen des Preisverfalls der Staatspleite nahe.

Nächster Roundtable-Versuch

Die Chancen auf eine schnelle Einigung stehen trotzdem schlecht. Wenigstens hat die Teheraner Führung bisher nicht gänzlich abgewunken. Inzwischen übernahm das hart vom Ölpreisverfall getroffene Venezuela sogar einen erneuten Anlauf, Produzenten um einen Tisch zu versammeln. Wie Ölminister Eulogio Del Pino erklärte, hat das Land mit Russland, Saudi-Arabien und Katar über ein Treffen Mitte März gesprochen. Venezuela rechne damit, dass mehr als zehn Opec- und Nicht-Opec-Länder an den Beratungen teilnähmen. Ort und Termin müssten aber noch festgelegt werden.

Die Gemengelage ist schwierig, denn die Interessen in der Branche gehen weit auseinander. Bei allen Gesprächsversuchen geht es deshalb auch immer nur um eine Minimal-Vereinbarung, die Förderung zu drosseln. Die derzeitige die Lage soll so zumindest nicht noch weiter verschlimmert werden. Eine Kürzung der Produktion steht nicht zur Debatte. Saudi-Arabien schloss dies auf einem Branchentreffen in der amerikanischen Öl-Hochburg Houston in Texas zum wiederholten Male  aus.

Ob die Deckelung der Ölförderung überhaupt etwas bringt? Zweifel sind zumindest berechtigt. Nach Meinung von Daniel Yergin, der weltweit als einer der führenden Öl-Gurus gilt, hängt die Zukunft des Ölpreises eher am Wachstum der Weltwirtschaft, sprich an der Nachfrage aus China. "Eine schwächere Weltwirtschaft bedeutet weniger Wachstum in der Nachfrage in einer Zeit, in der das Angebot anschwillt", schrieb Yergin jüngst in einem Beitrag für die "Financial Times". Wenn das so ist, wird die Drosselung wenig bringen.

Quelle: n-tv.de

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