Wirtschaft
Irans Präsident Hassan Ruhani versucht sein Land, Investoren schmackhaft zu machen.
Irans Präsident Hassan Ruhani versucht sein Land, Investoren schmackhaft zu machen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Made in Germany" als Profiteur?: Iran will Wirtschaftsmacht werden

In Davos trifft sich derzeit die geballte Wirtschafts- und Politelite der Welt. Auch der Iran knüpft fleißig Kontakte und bastelt am Wiederaufbau seiner Ökonomie. Vor allem den großen Ölkonzernen dient sich das Land an. Aber auch deutsche Firmen stehen bereit.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos macht der iranische Präsident Hassan Ruhani Tempo beim Wiederaufbau der Wirtschaftsbeziehungen zum Ausland. Er warb dort offensiv um Investoren. Sein Land habe das Potenzial, zu einer der zehn größten Wirtschaftsmächte der Welt zu werden, sagte Ruhani. Er verwies auf die enormen Reserven an Erdöl. Teheran biete seine Zusammenarbeit für eine sichere Energieversorgung an.

In Davos führt Ruhani auch Gespräche mit führenden Vertretern von Ölmultis wie Shell, BP, Total und ExxonMobil über deren Rückkehr in den Iran. "Wir werden den Unternehmen zeigen, welch lukrativer Markt auf sie wartet", sagte Ölminister Bijan Namdar Zangeneh. Auch Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist nach Davos gekommen.

Ruhanis Hauptziel

Seit Ruhani im vergangenen Jahr das Amt übernahm, setzt er sich für eine Normalisierung der Beziehungen zum Ausland ein. Unter seinem Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad hatte der Westen massive Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängt. Das stürzte das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise. In der Amtszeit Ahmadinedschads von 2005 bis 2013 verlor die iranische Währung die Hälfte ihres Wertes.

Die Aufhebung der Sanktionen ist eines der Hauptziele von Ruhani. Zu Wochenbeginn traten als Folge des im November verhandelten Genfer Atomabkommens die ersten Erleichterungen in Kraft. So darf der Iran den Export von petrochemischen Produkten wieder aufnehmen. Im Gegenzug setzt die islamische Republik Teile ihres Atomprogramms aus.

Weiterhin verboten ist allerdings die Ausfuhr von Rohöl. Zudem bleiben Finanzgeschäfte beschränkt. Die gesamten Sanktionen sollen aufgehoben werden, wenn der Iran und die sechs an den Verhandlungen beteiligten Staaten sich auf weitere Zugeständnisse des Iran bei dessen Atomprogramm verständigt haben. Die westlichen Staaten verdächtigen den Iran, am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran bestreitet dies: Das Atomprogramm sei rein ziviler Natur.

Nicht zu schnell losschlagen

Große Chancen rechnet sich auch die deutsche Wirtschaft durch die Öffnung des Iran aus. Deutsche Industriegüter seien im Iran sehr begehrt, sagte etwa Lufthansa-Chef Christoph Franz in Davos. Davon werde auch die Lufthansa profitieren. Die Tochter Austrian Airlines hat bereits angekündigt, von März an wieder die Verbindung zwischen Wien und Teheran aufzunehmen.

Die USA warnen dagegen vor zu großer Euphorie. Es wäre voreilig, die Geschäftskontakte zu schnell wieder aufzubauen, sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter jüngst in Wien. Er betonte, dass die Sanktionen zunächst nur für sechs Monate gelockert seien, um den Druck auf den Iran hochzuhalten. Vor allem das Verbot von Finanztransaktionen macht Geschäfte mit dem Iran weiter sehr schwierig.

Quelle: n-tv.de

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