Wirtschaft
Michael Taheri, Patrick Krell und Patrick Pfäffle ließen sich von Martin Hebler bei der Gründung beraten und sind heute stolze Geschäftsführer von "Liwo", einem alternativen Erfrischungsgetränk.
Michael Taheri, Patrick Krell und Patrick Pfäffle ließen sich von Martin Hebler bei der Gründung beraten und sind heute stolze Geschäftsführer von "Liwo", einem alternativen Erfrischungsgetränk.

Eine Frage der Mentalität: Ist Deutschland eine Gründerwüste?

Warum trauen sich immer weniger Deutsche, ein Unternehmen zu gründen? Martin Hebler ist Geschäftsführer des Technologiezentrums "w-tec" in Wuppertal und als langjähriger Unternehmensberater Experte für die deutsche Gründerszene. Im Gespräch mit n-tv.de verrät er, warum Deutschland trotz stetig sinkender Zahlen keine Gründerwüste ist. Und er motiviert: Die meisten Gründungen entstünden sogar aus Ideen, die es schon gibt.

Dr. Martin Hebler leitet das Technologiezentrum "w-tec" in Wuppertal. Seit dreizehn Jahren berät er Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
Dr. Martin Hebler leitet das Technologiezentrum "w-tec" in Wuppertal. Seit dreizehn Jahren berät er Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

n-tv.de: Wie schätzen Sie das Gründerklima in Deutschland ein?

Es ist nicht so, dass wir eine schlechte Infrastruktur oder eine schlechte Beratungs- und Finanzierungslandschaft für Gründungen hätten. Wenn wir gute Gründer haben, dann werden die auch meistens sehr schnell sehr erfolgreich. Es gibt aber nur wenige, die sich auf alle Fälle selbstständig machen wollen. Wenn sich aber jemand dafür entscheidet, bekommt er hierzulande auch viel Unterstützung.

Dennoch gab es vor zehn Jahren noch deutlich mehr Existenzgründungen.

Das liegt in der Tat an der deutschen Mentalität - viele junge, gut ausgebildete Leute präferieren in der Regel ein sicheres Beschäftigungsverhältnis und finden heute schneller einen guten Job als vor zehn Jahren. Für einen Großteil ist das Thema Selbstständigkeit dann erst einmal vom Tisch.

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Im IHK-Gründerreport 2015 steht, dass jeder fünfte Gründer einen Migrationshintergrund hat. Inwiefern sind Deutsche da vorsichtiger?

Deutsche wollen seltener etwas riskieren oder einfach mal ausprobieren. Alles wird bis ins kleinste Detail geplant und überprüft. Das ist bei Leuten mit Migrationshintergründen tendenziell anders. Da ist viel mehr Risikobereitschaft - und manchen muss man sogar den Wind aus den Segeln nehmen.

Woran erkennt man denn, ob eine Idee gut ist?

Dafür schreibt man unbedingt einen Businessplan und lässt sich dazu beraten. Darin wird analysiert, ob angesichts der Risiken und Zahlen die Chance besteht, im Laufe der Jahre einen Betrag x mit seiner Idee zu verdienen. Generell sollte man bereit sein, sowohl etwas Geld als auch Lebenszeit zu investieren. Das ist im Lebenslauf kein Schandfleck. Sonst stellt man sich später immer die Frage, "warum habe ich das nicht gemacht?". Man muss das Rad nicht mal zwingend neu erfinden. Die allermeisten Gründungen entstehen aus Ideen, die es schon gibt. Unsere Wirtschaft lebt ja davon, dass sich immer wieder etwas verändert im Markt und sich Chancen eröffnen.

Und wenn sich jemand überwunden hat: In den ersten Jahren gibt es oft Anlaufschwierigkeiten. Wann ist es wirklich Zeit, die Notbremse zu ziehen?

Man braucht etwa drei Jahre, um zuverlässig über Erfolg und Misserfolg Bescheid zu wissen. Eventuell weiß man das auch schon vorher. Ich empfehle immer, nach circa sechs Monaten die erste Sollbruchstelle einzuplanen und zu reflektieren. Da kann man im Zweifel auch extern jemanden hinzuziehen, wenn man wissen will, ob das Ganze mittelfristig erfolgreich werden kann oder ob man jetzt die Reißleine ziehen sollte. Das heißt nicht, dass man schon Gewinne einfahren muss. Das kann schon ein, zwei Jahre dauern, bis unter dem Strich eine schwarze Zahl steht. Vielmehr geht es darum, ob man Kunden und Umsätze hat. Und damit um die Antwort auf die Frage: Wird das Produkt oder die Dienstleistung angenommen oder nicht?

Mit Martin Hebler sprach Vanessa Kockegei

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Quelle: n-tv.de

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