Wirtschaft

Countdown für die Anleihekäufe: Ist der EZB-Misserfolg programmiert?

Von Egmond Haidt

Jetzt muss Mario Draghi Farbe bekennen. Morgen wird die EZB ein riesiges Anleihenkaufprogramm verkünden, mit dem die Konjunktur in Schwung kommen soll. Aber kann Draghi das angestrebte Volumen überhaupt erreichen?

EZB-Präsident Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi(Foto: REUTERS)

Alle Augen werden am Donnerstag einmal mehr auf Mario Draghi gerichtet sein: Nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank wird der EZB-Chef weitere Details zum QE-Programm bekanntgeben, unter anderem, ob die EZB nach der Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms künftig wieder griechische Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptieren wird.

Im Fokus der Investoren werden zudem die Prognosen der EZB zum Wirtschaftswachstum und der Inflation stehen, die erstmals die Prognosen für das Jahr 2017 enthalten. Dass die Vorhersagen der EZB in den vergangenen Jahren häufig deutlich daneben gelegen haben, stört derzeit niemanden. So prognostizierte die EZB bei der Sitzung im März 2013 eine Inflation von 0,6 Prozent bis 2 Prozent für 2014. Die tatsächliche Inflationsrate lag aber bei lediglich 0,4 Prozent, wobei der Einbruch der Ölpreise erst gegen Jahresende deutlich auf die Verbraucherpreise durchgeschlagen hat. In den Vorjahren war die EZB häufig viel zu optimistisch, was die Wachstumsprognose anging.

Die EZB wird ihr Ziel kaum erreichen …

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Mehr Aufmerksamkeit wird das Anleihenkaufprogramm auf sich ziehen. Bisher ist bekannt, dass die EZB ab März für 60 Milliarden Euro Anleihen kaufen will, darunter Covered Bonds (Pfandbriefe) und Asset Backed Securities (Forderungsbesicherte Wertpapiere) und Staatsanleihen. "Die EZB wird im Rahmen ihres Kaufprogramms ab März jeden Monat europäische Staatsanleihen (European Government Bonds, kurz EGBs) aus dem Euroraum im Umfang von 39 Mrd. Euro kaufen", schreiben die Analysten der Commerzbank.

Etliche Experten befürchten jedoch, dass die EZB ihr Ziel nicht erreichen wird. Die Bedenken der Finanzprofis sind mehr als verständlich. Warum sollten Investoren Staatsanleihen an die EZB verkaufen, wenn die Investoren wissen, dass die Kurse der Papiere in den nächsten Monaten weiter steigen dürften? Zumal die Investoren das Geld aus den Anleihenverkäufen anschließend bei den Banken parken, woraufhin ein Strafzins fällig wird.

Die Banken dürften sich kaum von ihren Papieren trennen, weil Staatsanleihen im Gegensatz zu anderen Papieren nicht mit Kapital unterlegt werden müssen. Die Versicherer dürften sich mit Verkäufen ebenfalls zurückhalten, denn die Konzerne haben ihren Kunden eine Verzinsung von drei oder vier Prozent in Aussicht gestellt. Wie sollen sie dieses Versprechen einhalten, wenn eine Investition in 10jährige Bundesanleihen eine "Rendite" von 0,36 Prozent abwirft? Vor dem Hintergrund ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die EZB ihr Ziel beim Kaufvolumen kaum erreichen und damit erfolglos sein wird.

… aber das macht nichts

Welche Auswirkungen auf die Märkte zukommen, ist derzeit schwer vorherzusagen. Denn Mario Draghi ist ein Meister darin, mit Versprechungen die Investoren dazu zu bringen, die Arbeit für ihn zu erledigen - sprich die Zinsen zu senken und zuletzt auch noch den Euro zu schwächen. Draghi hatte am 26. Juli 2012 gesagt, dass die EZB bereit sei, alles zu tun, um den Euro zu erhalten und dazu notfalls im großen Stil Staatsanleihen zu kaufen.

Tatsächlich hat die EZB seitdem aber keine Staatsanleihen gekauft, sondern mit anderen Maßnahmen die Investoren bei Laune gehalten, zum Beispiel mit neuen vierjährigen Krediten an die Banken, die im September und Dezember 2014 vergeben worden sind. Entsprechend ist die Bilanzsumme der EZB seit Juli 2012 von 3,09 Billionen Euro auf aktuell 2,16 Billionen Euro gesunken. Dennoch sind die Zinsen für 10jährige italienische Anleihen in dem Zeitraum von 6,45 Prozent auf aktuell 1,40 Prozent eingebrochen und jene für spanische von 7,40 Prozent auf 1,40 Prozent.

Damit die Zinsen am Anleihenmarkt weiter sinken, müssen die Investoren nur glauben, dass sie notfalls die Papiere an die EZB verkaufen können. Und je geringer die Bereitschaft der Investoren ist, Papiere zu verkaufen, umso stärker werden deren Kurse steigen und damit die Zinsen fallen.

"Wir rechnen mit erheblichen Marktverzerrungen, da die bedeutendsten Investoren in europäischen Staatsanleihen nur widerwillig an die EZB verkaufen dürften. Die QE-Käufe sollten daher die Anleihekurse mittels steigender Knappheitsprämien weiter nach oben treiben", schreiben die Analysten der Commerzbank. Obwohl die EZB also ihr geplantes Kaufvolumen bei den Anleihen höchstwahrscheinlich verfehlen wird, werden die Zinsen dennoch weiter sinken und der Euro fallen, womit die EZB - aus ihrer Sicht - Erfolg hat.

Ein Misserfolg wäre, wenn Investoren Zweifel haben, dass die EZB als Käufer der letzten Instanz wegfallen könnte. Dann dürften die Kurse der Anleihen wie in Griechenland deutlich fallen.

Quelle: n-tv.de

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