Wirtschaft
Die portugiesische Bank Espirito Santo sorgt an den Börsen für Gesprächsstoff.
Die portugiesische Bank Espirito Santo sorgt an den Börsen für Gesprächsstoff.(Foto: dpa)

Portugiesische Bank macht Sorgen: Ist die Euro-Krise wieder da?

Von Jan Gänger

Gerade erst hat Portugal den Rettungsschirm verlassen. Und nun das: Die Großbank Espirito Santo steckt in Schwierigkeiten. Nicht nur Börsianer fragen sich, ob es sich um ein isoliertes Problem handelt - oder um eine ansteckende Krankheit.

Die Aufregung währte nur kurz. Am Donnerstag sorgten Berichte über angebliche Zahlungsschwierigkeiten der portugiesischen Bank Santo Espirito Santo für kräftig fallende Kurse an Europas Börsen. Die Aktien des Instituts wurden nach heftigen Verlusten vom Handel ausgesetzt, die Renditen für Staatsanleihen des Landes zogen an. Die Angst vor einer Rückkehr der Euro-Krise war zurück.

Einen Tag später sieht die Welt schon wieder heller aus. An den Börsen stehen die Zeichen auf Erholung, und Italien wird problemlos Anleihen los. An den Märkten werden die Probleme der größten Privatbank Portugals nunmehr als eine isolierte Sache betrachtet, von der keine große Gefahr ausgeht. Es gibt allerdings Ausnahmen. "Die Situation in Portugal hat das Potenzial, das ganze europäische Bankensystem wieder schwer ins Wanken zu bringen", heißt es vom Broker ETX Kapital.

Dagegen sieht Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, wenig Grund zur Beunruhigung. Nach den Jahren der Krise ernte Portugal die Früchte der Reformpolitik und sei grundsätzlich solide aufgestellt. Dennoch: "Die Angelegenheit schnell und überzeugend zu klären, wäre hilfreich."

Investoren müssten nicht um die Stabilität des Finanzsystems fürchten, versichert derweil Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. Auch die Bank bemüht sich um Schadenbegrenzung. Die eigene Kapitaldecke sei ausreichend dick, betonte das größte börsennotierte Geldhaus des Landes. Man sei bei anderen Unternehmen der Gruppe Espirito Santo mit insgesamt 1,18 Milliarden Euro engagiert, die sie verlieren könnte. Dies sei der Stand Ende Juni. Nun warte man auf die Veröffentlichung des Restrukturierungsplans für die Gruppe, um dann die Verluste genauer schätzen zu können. Diese würden die von der Aufsicht vorgeschriebenen Kapitalreserven nicht gefährden, so die Bank. Sie verfüge über mehr als die ihr vorgeschriebenen 2,1 Milliarden Euro. Auch die portugiesische Zentralbank erklärte, die Reserven der Bank reichten aus. Für Anleger und Sparer gebe es keinen Grund zur Besorgnis.

Stresstest naht

Unabhängig von den Versicherungen aus Portugal spricht vieles dafür, dass selbst eine Pleite der Bank keine Schockwellen durch Europa jagen wird. Das liegt vor allem am Kurs der Europäischen Zentralbank. Denn die Ankündigung ihres Chefs Mario Draghi gilt noch immer: "Innerhalb ihres Mandats ist die Europäische Zentralbank bereit zu tun, was immer auch nötig ist, um den Euro zu retten", hatte sich Draghi im Sommer 2012 festgelegt. "Und glauben Sie mir, es wird genug sein." Wie ernst die Bank das noch immer meint, zeigt ihr extrem lockerer geldpolitischer Kurs, der selbst vor ungewöhnlichen Maßnahmen wie negativen Einlagezinsen nicht zurückschreckt.

Zudem hat sich die wirtschaftliche Lage in der Eurozone in den letzter Zeit deutlich verbessert. Die hohe Arbeitslosigkeit in den Krisenländern sinkt, auch dort zieht die Konjunktur an. Die Renditen für Staatsanleihen sind vom Krisen-Niveau weit entfernt. Das Bankensystem der Eurozone gilt zudem als sehr viel stabiler. Die Bankenunion schreitet voran, im November werden die großen Geldinstitute einem Stresstest unterzogen - darunter auch die Banco Espirito Santo.

Quelle: n-tv.de

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