Wirtschaft
Ein Schuldenberg, der am Jahresende bei 129 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen soll, bringt S&P dazu, Italiens Bonität unter die Lupe zu nehmen.
Ein Schuldenberg, der am Jahresende bei 129 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen soll, bringt S&P dazu, Italiens Bonität unter die Lupe zu nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Bonität wackelt: zwei Stufen bis Ramsch: Italien muss höhere Zinsen zahlen

Italien befindet sich in der längsten Rezessionsphase seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dazu kommt eine Rekord-Arbeitslosigkeit und ein Schuldenberg, der von der Wirtschaftskraft des Eurozonen-Landes nicht mehr aufgefangen wird. S&P senkt deshalb den Daumen und der Anleihemarkt reagiert prompt.

Italien muss nach einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit höhere Zinsen für neue Schulden bezahlen. Bei einer Versteigerung von Geldmarkttiteln mit Fälligkeit in sechs und zwölf Monaten stiegen die Renditen, wie aus Zahlen der italienischen Notenbank hervorgeht. Italien nahm aber mit 9,5 Mrd. Euro so viel Mittel auf wie geplant. Das kürzerlaufende Papier rentierte mit 0,6 Prozent und damit etwa 0,2 Punkte höher als bei der vergleichbaren Auktion Mitte Mai.

Die Rendite des einjährigen Schuldtitels stieg verglichen mit Mitte Juni um 0,38 Punkte auf knapp 1,1 Prozent an. Der Renditezuwachs dürfte aber nicht nur auf die jüngste Ratingabstufung durch Standard & Poor's, sondern auch auf das allgemein höhere Zinsniveau zurückgehen, ausgelöst durch die absehbare geldpolitische Wende in den USA.

S&P senkt den Daumen

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte ihre Bonitätsnote für Italien gesenkt. Die Staatsanleihen der drittgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone würden nun nur noch mit "BBB" bewertet nach zuvor "BBB+", teilte die US-Agentur mit. Italien rangiert damit nur noch zwei Stufen über Ramschniveau.

Der Ausblick ist laut S&P weiter negativ. Die Entscheidung sei im Lichte der anhaltenden Wirtschaftsschwäche und den Problemen auf den Kreditmärkten gefallen. Italien drohen damit künftig noch höhere Kosten für neue Kredite, weil ein schlechteres Rating den Investoren ein gestiegenes Ausfallrisiko signalisiert. Aus dem italienischen Finanzministerium verlautete, S&P beziehe sich bei der Herabstufung auf die vergangene Politik und berücksichtige die jüngst beschlossenen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft noch nicht. Insgesamt sei die Herabstufung und ihre Begründung daher nicht nachvollziehbar.

Arbeitslosenzahlen so hoch wie nie

Italien befindet sich in der längsten Rezessionsphase seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte Anfang Juli den Konjunkturausblick für das Land. Demnach wird die italienische Wirtschaft 2013 wohl um 1,8 Prozent schrumpfen. Zuvor war der IWF von einem Minus von 1,5 Prozent ausgegangen.

Die italienische Zentralbank hatte der Regierung in Rom zuvor Fortschritte bei der Verringerung ihres Haushaltsdefizits bescheinigt. Die bisherigen Zahlen würden darauf hindeuten, dass das Loch in den öffentlichen Finanzen gemessen an den Kriterien der Europäischen Union in diesem Jahr etwas kleiner ausfallen werde, sagte Zentralbank-Ökonom Andrea Brandolini bei einer Anhörung im Parlament. Die Daten "scheinen im Einklang zu sein" mit dem Ziel der Regierung, das Defizit in diesem Jahr auf 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu verringern. Im vergangenen Jahr lag das italienische Haushaltsdefizit bei 3,0 Prozent, was der Defizitgrenze der EU entspricht.

Quelle: n-tv.de

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