Wirtschaft
"Kein Drama": Regierungschef Monti deutet Hilfsbedarf an.
"Kein Drama": Regierungschef Monti deutet Hilfsbedarf an.(Foto: dpa)

Monti stemmt sich gegen Auflagen: Italien schrumpft schneller

Für Euro-Staaten wie Italien haben die Pläne von Mario Draghi einen unangenehmen Haken: Unterstützung am Kapitalmarkt will der EZB-Chef nur gegen harte Sparauflagen akzeptieren. Roms Regierungschef Monti bemüht sich, das Land und die Märkte auf mögliche Hilfen vorzubereiten. Die Konjunkturdaten treiben ihn zur Eile.

Ein EU-Land mit starkem Nord-Südgefälle: Michelangelos weltberühmter David steht in Florenz.
Ein EU-Land mit starkem Nord-Südgefälle: Michelangelos weltberühmter David steht in Florenz.(Foto: picture alliance / dpa)

Die italienische Wirtschaft verliert schneller an Dynamik als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von April bis Juni um 0,8 Prozent und damit das vierte Quartal in Folge, teilte das staatlich-italienische Statistikamt Istituto Nazionale di Statistica (Istat) auf Grundlage erweiterter Berechnungen mit. Eine erste Schätzung zur Entwicklung im zweiten Quartal hatte lediglich ein Minus von 0,7 Prozent ergeben.

Im ersten Vierteljahr war die Wirtschaftsleistung ebenfalls um 0,8 Prozent gesunken. Hauptgrund für die Rezession in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist die Zurückhaltung der Unternehmen angesichts ungewisser Aussichten: In ihrer Gesamtheit investierten die italienischen Firmen 2,4 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Verbraucher senkten ihre Konsumausgaben um 1,0 Prozent. Dagegen legten die Exporte um 0,2 Prozent zu, während die Importe um 0,4 Prozent zurückgingen.

Die Industriestaaten-Organisation OECD geht davon aus, dass Italiens Bruttoinlandsprodukt 2012 insgesamt um 2,4 Prozent sinken wird. Das Minus würde damit doppelt so stark ausfallen wie von der Regierung vorhergesagt. Diese hat wegen der enormen Verschuldung harte Sparmaßnahmen verkündet, darunter die Anhebung der Mehrwertsteuer. Der Schuldenberg Italiens liegt derzeit bei 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt Italiens entwickelt sich seit Herbst 2011 rückläufig.

Monti vorsorglich gegen Auflagen

Am Abend vor der Veröffentlichung der BIP-Daten aus dem zweiten Quartal hatte Italiens Regierungschef Mario Monti mit neuerlichen Andeutungen für Aufsehen gesorgt: Monti äußerte sich zu den jüngst angekündigten Draghis langer Tag (EZB) am Kapitalmarkt und bereitete Beobachtern zufolge damit das Feld für mögliche Finanzhilfen der Euro-Partner.

Sollte die EZB italienische Staatsanleihen kaufen, würde die Regierung Euroländer fürchten Sparauflagen , die über die mit der EU-Kommission vereinbarten Ziele hinausgingen, sagte Monti im norditalienischen Cernobbio. Wirtschaftsminister Vittorio Grilli hatte am Wochenende erklärt, die Regierung in Rom habe nicht die Absicht, sich um das Angebot der EZB zu bemühen.

In den länderspezifischen Empfehlungen hat die Kommission Reformforderungen an die Euro-Länder gestellt. Monti erklärte, diese Empfehlungen reichten für Hilfe bei der Reduzierung der Finanzierungskosten aus, ohne ein vollständiges Rettungsprogramm beantragen zu müssen.

Die Regierung unter Ministerpräsident Monti bemüht sich derzeit offenbar, möglichen Hilfsaktionen für Italien den Schrecken zu nehmen. Monti nannte eine Bitte um Unterstützung zuletzt "Monti will Ängste mindern ", versicherte aber, dass dies derzeit nicht nötig sei.

Der Haken am Draghi-Plan

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Italien könnte einer der Profiteure des Anleihenkaufprogramms der EZB sein. EZB-Chef , mit dem die Refinanzierungskosten kriselnder Euro-Staaten gesenkt werden sollen. Bedingung für die Teilnahme ist, dass die Länder mit den Euro-Rettungsschirmen verbundene Reformauflagen akzeptieren.

Unter dem Druck steigender Zinsen, einer flauen Konjunktur und hohen Schulden hat Monti seinem Land einen Reformkurs verordnet und beispielsweise eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert.

Quelle: n-tv.de

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