Wirtschaft
Wuchtige Portalstrukturen am wichtigsten Finanzplatz Italiens: Die Mailänder Börse geht moderat ins Minus.
Wuchtige Portalstrukturen am wichtigsten Finanzplatz Italiens: Die Mailänder Börse geht moderat ins Minus.(Foto: REUTERS)

Düstere Konjunkturdaten aus Rom: Italien verliert an Zuversicht

Von aufkeimendem Konjunkturoptimismus ist in der italienischen Unternehmenslandschaft derzeit wenig zu spüren: Der amtliche Geschäftsklimaindex, der mit dem Dienstleistungsbereich und dem Baugewerbe stärker auf die heimische Nachfrage zielt, fällt im Juni wieder zurück. Regierungschef Letta steht unter Zugzwang.

Es sah schon einmal besser aus: In Italien trübt sich das Geschäftsklima wieder ein.
Es sah schon einmal besser aus: In Italien trübt sich das Geschäftsklima wieder ein.(Foto: REUTERS)

Italien schert aus: Südlich der Alpen hat sich die Stimmung in den Führungsetagen der italienischen Wirtschaft im Juni wieder deutlich eingetrübt. Damit entwickelt sich das Geschäftsklima in Italien anders als in Deutschland und Frankreich. Dort hatte sich die Stimmung zuletzt weiter aufgehellt.

Der wichtigste Geschäftsklima-Index Italiens, der von nationalen Statistikbehörde Istat ermittelt wird, fiel im Juni um 4,1 Stellen auf 76,1 Punkte. Mit seiner Gewichtung der Dienstleister und der Lage am Bau gilt der Istat-Index als stark auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet. Grund für die allgemein düstere Stimmungslage war nach Ansicht der Statistiker dann auch die anhaltende Schwäche im Dienstleistungssektor und in der Baubranche.

Die düstere Gesamtlage enthält allerdings einzelne Lichtblicke: Der Teilindex für die Stimmung in den Industriebetrieben kletterte um 1,5 Stellen auf 90,2 Zähler und erreichte damit den höchsten Stand seit März 2012. Im Vorfeld befragte Analysten hatten hier nur einen Anstieg auf 89 Punkte erwartet.

Letta und der Schuldendruck

Italiens Wirtschaft durchlebt derzeit die längste Durststrecke seit Jahrzehnten. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte zuletzt das siebte Quartal in Folge. Die Stimmung unter den Verbrauchern ist unterdessen jedoch so gut wie seit 15 Monaten nicht mehr.

Einen möglichen Grund für die Zuversicht der Konsumenten vermuteten Beobachter in den steuerlichen Rahmenbedingungen: Die Regierung unter Ministerpräsident Enrico Letta jüngst die umstrittene Immobiliensteuer auf Eis legte. Das beschert Verbrauchern Aussicht auf zusätzlich verfügbare Mittel. Zusätzliche Steuereinnahmen kämen dem tiefroten römischen Staatshaushalt allerdings sehr gelegen: In der Schuldenkrise geriet Italien zuletzt wieder stärker unter Druck und musste Käufern von Staatsanleihen mehr Rendite bieten. Hier sahen Experten allerdings auch einen Zusammenhang mit den "Exit"-Andeutungen der US-Notenbank.

An der Börse in Mailand reagierten Anleger mit defensiven Reaktionen auf die Veröffentlichung der amtlichen Stimmungsindikatoren. Mit einem Abschlag von 0,5 Prozent bildete der italienische Leitindex MIB zeitweise das Schlusslicht unter den europäischen Handelsplätzen.

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Quelle: n-tv.de

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