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Das sieht tatsächlich nicht gut aus: "Wir haben mehr und mehr Vertrauen in die Wirtschaft."
Das sieht tatsächlich nicht gut aus: "Wir haben mehr und mehr Vertrauen in die Wirtschaft."(Foto: REUTERS)

"Gegenwind für die Branche": JP Morgan spürt die Fed-Folgen

In New York beginnt der Tag für Anleger mit einem Tiefschlag aus dem Bankensektor: Das Wall-Street-Schwergewicht JP Morgan legt unerwartet dürftige Ergebnisse vor. Dabei lagen die Prognosen am Markt ohnehin bereits sehr niedrig.

Die Großbank JP Morgan überrascht Analysten zum Auftakt der Bilanzsaison in der US-Finanzbranche mit einem überaus enttäuschenden Quartalsbericht: Der Überschuss sackte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf knapp 5,3 Milliarden Dollar ab, wie das Institut vor dem Handelsstart an den US-Börsen mitteilte.

Die Schwäche betrifft das Kerngeschäft: Insbesondere im Investmentbanking blieb die Bank hinter den eigenen Vorgaben zurück. Zu Jahresbeginn hätten sich viele Kunden im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren zurückgehalten, teilte das Institut zur Begründung mit. Bankchef Jamie Dimon bemühte sich dennoch um Zuversicht: "Wenn man betrachtet, wie stark der Gegenwind für die Branche im Kapitalmarkt- und Hypothekengeschäft ist, hatte JP Morgan einen guten Start ins Jahr." Die Kreditnachfrage ziehe wieder an. "Wir haben mehr und mehr Vertrauen in die Wirtschaft."

Branchenkenner sehen einen ganz anderen Zusammenhang: Seit Jahresbeginn drosselt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) angesichts der Konjunkturerholung in den USA ihre milliardenschweren Ankäufe von Staatsanleihen und Hypotheken-Papieren. Damit geht die Flut des extrem billigen Geldes allmählich zu Ende. Das ließ bei JPMorgan die Erträge sinken; vor allem das Geschäft mit Immobilienfinanzierungen und der Handel im Investmentbanking litten.

Die Reaktionen an der Börse fallen eindeutig aus: Die JP-Morgan-Aktie verlieren vorbörslich in New York 3,6 Prozent und belastete auch die Finanzwerte in Europa. Papiere der Deutschen Bank büßten knapp 3 Prozent ein. Der Anleihehandel ist die wichtigste Domäne des Frankfurter Instituts. Die Zahlen von JP Morgan gelten als ungünstiges Vorzeichen für branchenweite Schwierigkeiten. Die Deutsche Bank will ihre eigene Zwischenbilanz am 29. April vorlegen.

Erster Quartalsbericht der US-Banken

JP Morgan ist das erste große Haus unter den Großbanken an der Wall Street, das seine Ergebnisse aus dem ersten Quartal des laufenden Jahres vorlegt. Die Zurückhaltung im Geschäft mit Bonds, also Staats- und Unternehmensanleihen, dürfte nach Ansicht von Beobachtern auch die Zwischenbilanzen der anderen großen Namen im Investmentbanking beeinträchtigt haben.

Bei JP Morgan brachen die Einnahmen im Bereich "Fixed Income" um 21 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar ein - und das, obwohl das Auftaktquartal im Jahresverlauf traditionell eigentlich das stärkste ist. Einen Rückgang gab es auch im Aktienhandel, er fiel aber deutlich moderater aus. Außerdem reichte das Institut weniger Hypothekenkredite aus. Schon länger kühlt sich der amerikanische Markt ab - die meisten Familien haben ihre Refinanzierung im anhaltenden Niedrigzinsumfeld längst unter Dach und Fach gebracht.

Folgen des Fed-Exits

Spürbare Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten, von denen JP Morgan ähnlich viele hat wie etwa die Deutsche Bank, gab es im abgelaufenen Quartal nicht. Allerdings gibt das US-Institut jetzt deutlich mehr Geld für interne Risikokontrollen aus, was das Ergebnis zusätzlich belastete.

Eine deutliche Geschäftsbelebung zum Quartalsende hin sei ausgeblieben, erklärten Analysten. Seit der vom Finanzkonzern im Februar ausgegebenen Unternehmensprognose sei die Geschäftsentwicklung in diesem Bereich schwach geblieben, heißt es ergänzend aus dem Handel. Seinerzeit hatte JP Morgan den Markt gewarnt, die Handelsaktivitäten im Geschäft mit Renten und Aktien entwickelten sich 15 Prozent schwächer.

Quelle: n-tv.de

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