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Aggressive Lockerung: Japan dreht Geldschleusen auf

Seit Monaten wird über den neuen Kurs der Bank of Japan gerätselt, jetzt ist es soweit: Die Notenbank lockert ihre bereits sehr expansive Geldpolitik mit radikalen Schritten, um die hartnäckige Deflation zu beenden.

Der neue Chef der japanischen Notenbank wird den Erwartungen gerecht: Die Zentralbanker um Haruhiko Kuroda lockern die Geldpolitik weiter. Hierzu wird der Aufkauf von Staatsanleihen ausgeweitet. So werde man künftig auch länger laufende Staatspapiere erwerben, hieß es. Die lockere Geldpolitik werde so lange fortgesetzt, bis das Inflationsziel von zwei Prozent innerhalb von zwei Jahren erreicht sei - das ist ein Wert, der in den vergangenen Jahren quasi nie erreicht wurde.

Zwei Prozent Teuerung gelten den meisten großen Zentralbanken - etwa der Europäischen Zentralbank oder der Federal Reserve aus den USA - als sinnvoller Zielwert. Eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent scheint zum einen gut beherrschbar, zum anderen wird der Abstand zur als gefährlicher und hartnäckiger geltenden Deflation als ausreichend empfunden.

Die Leitzinsen, die klassische Stellschraube einer Notenbank, liegen in Japan wegen der andauernden Wirtschaftsflaute bereits seit Jahren bei null Prozent. Die Notenbank will das hoch verschuldete Land aus der seit Anfang der 1990er Jahre währenden Phase rückläufiger Verbraucherpreise führen. Deflation gilt als Gift für die Wirtschaft, weil Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise Konsum und Investitionen aufschieben.

Seit 15 Jahren in der Deflation

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat seit seinem Amtsantritt Ende 2012 den Druck auf die Notenbank immer weiter erhöht, die Geldpolitik zu lockern – und vor zwei Wochen einen neuen Notenbankchef installiert.

Vor der Sitzung hatte Kuroda erklärt, er sei bereit, "alles zu tun, was nötig ist". Es werde zwar nicht einfach, die Deflation zu besiegen, die in Japan seit 15 Jahren dafür sorgt, dass Unternehmen und Haushalte wegen der sinkenden Preise kaum investieren und die Wirtschaft deshalb nicht in die Fahrt kommt. "Aber die Bank of Japan wird von allen Optionen Gebrauch machen und alles tun, um den Finanzmärkten diese starke Verpflichtung zu verdeutlichen."

Kuroda und Abe wollen im Kern die Wirtschaft mit noch mehr Liquidität fluten und den Yen schwächen. Verbunden mit dem Inflationsziel von zwei Prozent soll die Spirale aus Deflation. Sinkenden Preiserwartungen und rückläufigem Konsum sowie zögerlichen Investitionen durchbrochen werden.

Der Bestand der Bank of Japan an Staatsanleihen soll deshalb jährlich um rund 50 Billionen Yen erhöht werden, wie die Notenbank mitteilte. Innerhalb von zwei Jahren soll der Bestand verdoppelt werden. Dabei können Staatstitel mit sämtlichen Laufzeiten erworben werden, während bisher die Käufe auf Papiere mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren beschränkt waren.

Das Volumen der monatlichen Käufe von Staatsanleihen dürfte auf rund 7 Billionen Yen steigen von gegenwärtig 3,8 Billionen Yen. Die durchschnittliche Restlaufzeit der erworbenen Staatstitel soll auf sieben Jahre steigen. Gegenwärtig liegt sie bei drei Jahren. Auch der Erwerb von Börsennotierten Fonds und von Immobilienfonds soll ausgeweitet werden. Die Entscheidung für das neue Programm einer quantitativ und qualitativen Lockerung fiel mit 8:1 Stimmen. Ratsmitglied Takahide Kiuchi votierte dafür, das Inflationsziel aufzugeben.

Quelle: n-tv.de

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