Wirtschaft
Der Mut zahlt sich aus: Japans Premier Shinzo Abe bekommt die Wirtschaft wieder zum Laufen.
Der Mut zahlt sich aus: Japans Premier Shinzo Abe bekommt die Wirtschaft wieder zum Laufen.(Foto: REUTERS)

Die Alten bringen es wieder: Japan kommt auf Touren

Die großen Volkswirtschaften schütteln die Krise ab: Nachdem die Eurozone die Rezession beendet hat und die USA wieder zulegen, vermeldet nun Japan ein sattes Plus. Die Risikobereitschaft von Premier Abe zahlt sich aus. Nun kann er den Schuldenabbau angehen.

Die japanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal viele andere Industrieländer weit hinter sich gelassen. Nachdem Statistiker ihre Daten zur Wirtschaftsleistung überarbeitet haben, ergibt sich für das Frühjahrsquartal das Bild einer starken Konjunktur im Land der aufgehenden Sonne.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde legte zwischen April und Juni aufs Jahr hochgerechnet um 3,8 Prozent zu. Das ist deutlich mehr als die 2,6 Prozent, die im August bei der Schnellschätzung verkündet worden waren. Im Vergleich dem ersten Quartal steht nun ein Plus von 0,9 Prozent, anstatt der zunächst gemeldeten 0,6 Prozent.

Tal der Tränen durchschritten

Die verbesserten Wachstumsdaten aus Tokio folgen auf stärkere Zahlen in den USA und zeigen, dass die alten Industrieländer das lange Tal der Tränen durchschritten haben. Selbst die gebeutelte Eurozone hat die Rezession beendet. Und auch aus China mehren sich die positiven Signale. Weil die Schwellenländer ihren rapiden Wachstumskurs nicht halten können, lasten die Hoffnungen der Weltwirtschaft wieder stärker auf den Routiniers. Japan kommt dabei eine Schlüsselstellung zu, weil die Erholung Europas noch ein ganz zartes Pflänzchen ist und die US-Notenbank das Ende der ultra-lockeren Geldpolitik einläuten wird.

"Japan hat sein Karma zurück. Das ist natürlich gut für Japan, aber auch für die ganze Welt", sagte Charles Dallara, Geschäftsführer des Verbands der internationalen Großbanken (IIF). "Ich denke, besonders im Konsum steckt eine große Triebkraft, die das Wachstum stützen wird."

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Die positive Überraschung zur Konjunkturentwicklung gepaart mit dem Zuschlag für Tokio, 2020 die Olympischem Spiele auszurichten, schickten den Nikkei-Index auf den höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Die gute Entwicklung Nippons stärkt auch die Position von Ministerpräsident Shinzo Abe, an dessen Kurs es nach den vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal erste Zweifel gegeben hatte. Abe versucht mit einer Mischung aus einer Notenbank-Geldschwemme und Konjunkturprogrammen die 15 Jahre währende Deflation zu beenden.

Mehrwertsteuer-Erhöhung als kommende Prüfung

Besonders erfreulich für den risikobereiten Premier sind die anziehenden Investitionen der Unternehmen, die im zweiten Quartal im Vergleich zum Jahresbeginn um 1,3 Prozent kletterten. Es ist gleichzeitig der erste Anstieg seit Ende 2011. "Die Unternahmen dürften weiter investieren, weil sich ihre Profite erholen und das Kapital billig ist", erwartet Junko Nishioka, Chefvolkswirtin bei RBS Securities Japan.

Fachleute wie Nishioka sind sich wegen des soliden Wachstums jetzt sicher, dass die Wirtschaft die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer in zwei Schritten wegstecken kann. So soll in den kommenden zwei Jahren der Satz von fünf Prozent auf zehn Prozent verdoppelt werden, um der Staatskasse mehr Einnahmen zu verschaffen. Japan ist das Industrieland mit den höchsten Schulden.

Premier Abe hat versprochen, dass er nach der Belebung der Wirtschaft auch die Staatsfinanzen in Ordnung bringt und Japan mit Strukturreformen dauerhaft in der Spitze halten will. Die Entscheidung zur Erhöhung der Mehrwertsteuer soll laut dem japanischen Wirtschaftsminister am 1. Oktober fallen.

Im Auftaktquartal war die japanische Wirtschaft annualisiert um 4,1 Prozent gewachsen.

Quelle: n-tv.de

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