Wirtschaft
Versucht, eine der größten Volkswirtschaften der Erde aus dem Konjunktursumpf zu zerren: Ministerpräsident Shinzo Abe.
Versucht, eine der größten Volkswirtschaften der Erde aus dem Konjunktursumpf zu zerren: Ministerpräsident Shinzo Abe.(Foto: REUTERS)

Ausbruch aus der Deflationsspirale?: Japan stoppt den Preisverfall

Die energischen Maßnahmen der japanischen Notenbank zeigen Wirkung: Mit kaum verhüllter Genugtuung gibt Tokio offizielle Daten zur Lage am Arbeitsmarkt, zur Entwicklung an der Deflationsfront und zum Ausstoß der japanischen Industrie bekannt.

Inflation erwünscht: Im Mai gelingt es der Bank of Japan, den anhaltenden Preisverfall aufzuhalten.
Inflation erwünscht: Im Mai gelingt es der Bank of Japan, den anhaltenden Preisverfall aufzuhalten.(Foto: REUTERS)

In Japan deuten amtliche Angaben zur Industrieproduktion, zur Preisentwicklung und zum Arbeitsmarkt daraufhin, dass die milliardenschweren Wachstumsimpulse der neuen Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe zu greifen beginnen.

Die Industrieproduktion ist demnach im Mai das vierte Mal in Folge gestiegen: Der Ausstoß des produzierenden Gewerbes legte nach Angaben der Regierung in Tokio im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 2 Prozent zu. Analysten hatten mit einem Anstieg von lediglich 0,2 Prozent gerechnet.

Gestützt auf die unerwartet robusten Daten blieb das Handelsministerium bei seiner Einschätzung, dass die "Industrieproduktion Anzeichen für die Aufnahme eines moderaten Wachstums" zeige.

Bei den Verbraucherpreise gab es aus Sicht der Tokioter Regierung ebenfalls eine erfreuliche Wendung: Im Monat Mai stagnierten die Preise. Die Entwicklung der Verbraucherpreise lag den amtlichen Angaben zufolge im Mai auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Es war das erste Mal seit sieben Monaten, dass die Preise nicht fielen. Im April hatte das Minus in der Kernrate noch 0,4 Prozent betragen. Bei der Berechnung werden die Energiepreise berücksichtigt, nicht aber die stark schwankenden Preise für bestimmte Nahrungsmittel.

Ist das schon der Durchbruch?

Die stagnierenden Preise sind ein Erfolg für die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Die Deflation hält das Land seit zwei Jahrzehnten im Bann. Die Abwärtsspirale aus ständig fallenden Preisen hemmt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und verdüstert die Aussichten. Um Japan aus dieser Lage zu befreien, hat es sich die japanische Notenbank zum Ziel gesetzt, eine Inflation von zwei Prozent zu erreichen. Die energischen Maßnahmen, mit denen die Bank of Japan diese Zielsetzung verfolgt, gelten in Fachkreisen als nicht ungefährlich. In den vergangenen Wochen kam es an der Börse in Tokio bereits zu teils erheblichen Kursschwankungen.

Auf dem Arbeitsmarkt blieben die Zahlen im Mai nahezu unverändert. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stagnierte erwartungsgemäß bei 4,1 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Das Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerbern verbesserte sich im Mai auf 0,90 von 0,89 im April. Dies bedeutet, dass für neun von zehn Arbeitssuchenden Jobs vorhanden waren. Es war die stärkste Nachfrage nach Arbeitnehmern seit fünf Jahren.

An den Tokioter Börsen kamen die Konjunkturdaten gut an. Der Nikkei kletterte zeitweise mehr als zwei Prozent ins Plus.

Quelle: n-tv.de

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