Wirtschaft

Trotz stark gestiegener Exporte: Japan verzeichnet Handelsdefizit

Japan profitiert von den anspringenden Konjunkturmotoren in den USA und in Europa. Die Exportwirtschaft verzeichnet im August ein kräftiges Plus. Allerdings wachsen die Importe noch stärker. Die Regierung von Ministerpräsident Abe plant eine steuerliche Entlastung der Unternehmen.

Blick auf Tokioter Hafen.
Blick auf Tokioter Hafen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der schwache Yen und die allmähliche Erholung der Auslandsnachfrage haben im August die japanischen Exporte kräftig steigen lassen. Insbesondere die Volkswirtschaften in Europa und in den USA fassen langsam wieder Tritt, so dass die Ausfuhren Japans mit der höchsten Rate seit drei Jahren zulegten. Nach Angaben des Finanzministeriums in Tokio kletterten die Exporte um 14,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Volkswirte nur ein Plus von 13,9 Prozent erwartet hatten.

Doch die Daten zeigen auch einen starken Anstieg der Importe, so dass Japan den 14. Monat in Folge ein Defizit in der Handelsbilanz auswies. Das ist seit 1980 die längste Phase, in der Japan einen passiven Saldo im Außenhandel verzeichnete. Der Grund für den Importsog ist der Stillstand der meisten Atomkraftwerke, die nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 abgeschaltet werden mussten. Seitdem muss Japan sehr viel Öl und Gas zur Energieerzeugung einführen.

Die Importe wuchsen um 16,0 Prozent und damit stärker als die Exporte. Im Resultat erhöhte sich im August das Defizit im Außenhandel auf 960,3 Milliarden Yen (7,2 Milliarden Euro). Im gleichen Jahr des Vorjahres hatte der Passivsaldo 768,4 Milliarden Yen betragen. Zwischen Juli 1979 und August 1980 hatte Japan schon einmal eine lange Phase mit negativer Handelsbilanz, als wegen des politischen Umsturzes im Iran der Ölpreis steil in die Höhe schoss.

Abe kommt Unternehmen entgegen

Japans Regierung plant indes eine Entlastung der Unternehmen. Ministerpräsident Shinzo Abe wolle die sogenannte Wiederaufbausteuer früher als bislang vorgesehen auslaufen lassen. Die Steuer ist ein Aufschlag von zehn Prozent auf die Unternehmenssteuer und sollte bislang im März 2015 enden. Sie war nach den Zerstörungen in Japan im Zuge von Tsunami und Erdbeben im Frühjahr 2011 eingeführt worden.

Abe erwäge zudem, die allgemeinen Unternehmenssteuern zu senken. Er wolle zudem Anfang Oktober entscheiden, ob die Mehrwertsteuer wie geplant im April von fünf auf acht Prozent angehoben wird. Per Gesetz muss Abe zuvor bestätigen, dass die Verfassung der Wirtschaft gut genug ist, um dem Nachfragerückgang zu verkraften, der im Falle der Anhebung der Mehrwertsteuer erwartet wird.

Quelle: n-tv.de

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