Wirtschaft
Im Hafen bei Tokio: Ein Hoffnungsschimmer kommt aus der Industrie.
Im Hafen bei Tokio: Ein Hoffnungsschimmer kommt aus der Industrie.(Foto: REUTERS)

Überraschend stark im Oktober: Japans Industriemotor springt an

Es sind unerwartet freundliche Daten aus dem Inneren der zweitgrößten asiatischen Volkswirtschaft: Das produzierende Gewerbe in Japan kann die Produktion im Herbst überraschend steigern. Ist die Konjunkturkrise damit überwunden?

Gemeinsam gegen die Rezessionsgefahr: Noch-Premier Yoshihiko Noda (M.) muss um seine Wiederwahl fürchten.
Gemeinsam gegen die Rezessionsgefahr: Noch-Premier Yoshihiko Noda (M.) muss um seine Wiederwahl fürchten.(Foto: REUTERS)

Die Industrieproduktion in Japan ist im Oktober überraschend gestiegen. Wie die Regierung auf Basis vorläufiger Daten bekannt gab, legte der Ausstoß des produzierenden Gewerbes in Japan im vergangenen Monat saisonbereinigt um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Es war der erste Anstieg seit vier Monaten. Im Vorfeld befragte Analysten waren im Schnitt von einem Minus von 2,2 Prozent ausgegangen.

Im September war die Industrieproduktion unerwartet deutlich um 4,1 Prozent gefallen. Die Entwicklung im Oktober nährt nun Hoffnungen, dass die japanische Wirtschaft den Tiefpunkt der konjunkturellen Schwächephase überstanden haben könnte. Nach einer Umfrage der Regierung rechnen die Unternehmen im November mit einem kleinen Rückgang von 0,1 Prozent, bevor es im Dezember mit 7,5 Prozent wieder deutlich nach oben gehen soll.

"Es sieht so aus, als habe die Wirtschaft ihre Talsohle früher durchschritten als angenommen", sagte Wirtschaftsexperte Tatsushi Shikano von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Dennoch könnte die Zentralbank der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt bereits im kommenden Monat mit weiteren Maßnahmen unter die Arme greifen.

Denn selbst die offizielle Einschätzung der Lage blieb verhalten: Der Anstieg der Industrieproduktion, so hieß es aus Tokio, deute nicht darauf hin, dass die Talsohle erreicht sei. Der Trend zeige angesichts der schwachen Weltwirtschaft weiter nach unten. Der Arbeitsmarkt bleibe angespannt. Zwar verharrte die Arbeitslosenquote im Oktober bei 4,2 Prozent, was für Japan relativ hoch ist. Zugleich aber entfielen auf 100 Jobsuchende inzwischen nur noch 80 offene Stellen. In dem Monat zuvor waren es noch 81 gewesen.

Japanische Firmen bekommt die aktuellen Schwächen der Weltwirtschaft in verschiedenen Regionen ebenso zu spüren wie die Probleme auf dem wichtigen Exportmarkt China infolge eines Streits der beiden Länder um eine Inselgruppe. Nach nationalistisch motivierten Boykottaufrufen gingen die Absätze japanischer Unternehmer in China deutlich zurück.

Noda setzt Milliarden frei

Im Kampf gegen die Wirtschaftsschwäche setzt die japanische Regierung unterdessen kurz vor den vorgezogenen Neuwahlen eine weitere milliardenschwere Konjunkturspritze an.

Das vom Kabinett am Freitag abgesegnete Konjunkturpaket - das zweite innerhalb von zwei Monaten - hat ein Volumen von rund 1,2 Billionen Yen (rund 11 Mrd. Euro). Damit sollen unter anderem 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und kleine und mittlere Betriebe finanziell unterstützt werden.

Die Konjunkturspritze werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um voraussichtlich 0,2 Prozentpunkte ankurbeln, hieß es. Am 16. Dezember wählt Japan ein neues Parlament. Regierungschef Yoshihiko Noda kämpft dabei um den Machterhalt.

Die Mischung aus unerwartet starken Industriedaten und den neuerlichen Unterstützungsmaßnahmen kam im Tokioter Aktienhandel gut an: Der japanische Leitindex Nikkei für 225 führende Werte notierte zur Handelsmitte 82,61 Zähler fester oder knapp 0,9 Prozent im Plus bei 9483 Punkten. Der breit gefasste Topix verbesserte sich im Verlauf um 5 Zähler oder 0,7 Prozent auf 784 Punkte.

Quelle: n-tv.de

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