Wirtschaft
Japans Stahlindustrie steht vor schwierigen Zeiten.
Japans Stahlindustrie steht vor schwierigen Zeiten.(Foto: REUTERS)

Trübe Aussichten: Japans Stahlkocher leiden

Japans Stahl-Riesen blicken in eine ungewisse Zukunft. Die weltweite Konjunkturflaute macht ihnen schwer zu schaffen - und baldige Besserung ist nicht in Sicht.

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Die japanischen Stahlhersteller stehen angesichts einer schwächeren Weltkonjunktur zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Der zweitgrößte Stahlproduzent des Landes JFE Holdings warnte jetzt vor einem Nettoverlust in seinem laufenden Geschäftsjahr, dem ersten Minus in der Unternehmensgeschichte. Den Ausblick für den operativen Gewinn dampfte JFE deutlich ein.

Auch die größere Nippon Steel spürt den konjunkturellen Dämpfer und den starken Yen: In seinem dritten Geschäftsquartal schrieb der Stahlriese rote Zahlen. Während die Nummer eins unter Japans Stahlkochern noch auf einen Break-even in dem im März endenden Geschäftsjahr hofft, rechnet JFE mit einem Nettoverlust von 40 Mrd. Yen (umgerechnet rund 398 Mio. Euro). Bislang hatte die vorsichtige Prognose bei einem Gewinn von 20 Mrd. Yen gelegen. An das erfolgreiche Vorjahr kann JFE jedenfalls nicht anknüpfen. Damals glänzten die Japaner mit einem Gewinn von 58,61 Mrd. Yen.

Klöcker & Co als Indikator

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Voller Bangen schauen die japanischen Stahlkonzerne derweil auf den alten Kontinent und seine Staatsschuldenkrise. Sie fürchten Ansteckungseffekte, wenn im Kielwasser einer europäischen Rezession auch Chinas Wirtschaft unter Druck gerät. Der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co äußerte sich zuletzt pessimistisch zur Entwicklung der Branche in Europa. Dessen Chef Gisbert Rühl fürchtet einen Einbruch der Stahlnachfrage in Europa in diesem Jahr um bis zu 5 Prozent, während der Branchenverband Eurofer noch von einem leichten Anstieg ausgeht. Der Prognose wird am Markt große Bedeutung beigemessen - Dank des kurzfristigen Bestellverhaltens seiner Kunden spürt Klöckner & Co größere Skepsis auf der Nachfrageseite früher als andere.

Das Konglomerat JFE sucht inzwischen nach Auswegen aus der Krise. Dabei gerät die Schiffbausparte zusehends ins Blickfeld. Vor Kurzem kündigte der Konzern an, diesen Bereich mit der des japanischen Schwermaschinenherstellers IHI Corp zu fusionieren. Die neue Einheit soll gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus Südkorea antreten und sich gegen zunehmenden Wettbewerb aus dem Reich der Mitte wappnen.

Aber der Wettbewerb blüht gerade auch auf dem angestammten Markt von JFE. Südkoreaner und Chinesen vermiesen den Japanern nicht nur das Geschäft bei Stahlexporten, sondern überschwemmen inzwischen auch deren Binnenmarkt mit billigem Stahl. Gegenwart und Zukunft scheinen da alles andere als günstig. JFE spricht von einem Überangebot auf dem Stahlmarkt. Für sein Geschäftsjahr 2011/12 geht JFE von einem Rückgang der Stahlproduktion um 8 Prozent aus. Die Beschäftigten müssen zwischen Februar und März bis zu drei freie Tage nehmen. Nur die Verkaufssparte ist davon ausgenommen.

Quelle: n-tv.de

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