Wirtschaft
Die verstärkte Förderung von Flüchtlingen zahle sich aus, vermuten Nürnberger Arbeitsmarktforscher.
Die verstärkte Förderung von Flüchtlingen zahle sich aus, vermuten Nürnberger Arbeitsmarktforscher.(Foto: dpa)

Forscher rechnen mit fünf Jahren: Jeder zweite Flüchtling bald mit Job?

Rund die Hälfte der Flüchtlinge, die zuletzt nach Deutschland kamen, findet in den ersten fünf Jahren einen Job, schätzen Experten. Bis ein Großteil eine Stelle hat, dauere es jedoch weitere zehn Jahre. Dennoch laufe die Integration in den Arbeitsmark heute besser.

Von den zuletzt nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen werden nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern rund 50 Prozent in den ersten fünf Jahren einen Job finden. Um bis zu 70 Prozent von ihnen in Arbeit zu bringen, seien voraussichtlich weitere zehn Jahre erforderlich, rechnen die Forscher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit beruft sich dabei auf die aktuelle Entwicklung und frühere Erfahrungen mit arbeitssuchenden Flüchtlingen.

Inzwischen gebe es erste Hinweise, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt aktuell etwas besser laufe als in den 1990er und 2000er Jahren. Anscheinend zahle sich die verstärkte Förderung von Flüchtlingen aus, vermuten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.

Von den im Jahr 2015 nach Deutschland gekommenen Asylbewerbern waren nach IAB-Erkenntnissen bis Mitte 2016 rund zehn Prozent erwerbstätig. Von den 2014 Zugezogenen waren es bereits 22 Prozent, und von den 2013 Zugezogenen sogar 31 Prozent. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 4800 Flüchtlingen.

Weniger Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge als geplant

Unterdessen wurde bekannt, dass für Flüchtlinge weit weniger Ein-Euro-Jobs zur Verfügung gestellt werden als die ursprünglich geplanten 100.000. Die Grünen sprechen von einem Skandal. Statt der jährlich 300 Millionen Euro bis 2019 stehen für das Programm ab 2018 nur 60 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Das teilte das Bundesarbeitsministerium mit. Mit den übrigen 240 Millionen Euro werde das Gesamtbudget der Grundsicherung für Arbeitssuchende erhöht, hieß es vom Ministerium. Flüchtlinge sollten so individueller gefördert werden können.

Das von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) initiierte Programm startete am 1. August und sollte 100.000 öffentlich geförderte Jobs für Flüchtlinge schaffen. Nun hat sich die Dauer der Asylverfahren laut Ministerium aber deutlich verkürzt. Flüchtlinge würden so schneller in die Grundsicherung wechseln. "Damit folgen die Mittel sozusagen der Zielgruppe." Die Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge seien trotzdem gut angelaufen: Von knapp 25.000 beantragten Plätzen seien rund 21.000 bewilligt.

Scharfe Kritik kam allerdings von der Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer. "Das Geld wird also zum Löcherstopfen in den Jobcentern benutzt, deren Verwaltungsetat seit Jahren unterfinanziert ist, und nicht für den gedachten Zweck, nämlich für die Flüchtlinge", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Das Scheitern "des völlig überflüssigen Programms" gehe voll auf die Kappe von Nahles.

Quelle: n-tv.de

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