Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Aktienrally geht 2016 weiter: Jetzt kann Öl die Kurse anheizen

Ein Gastbeitrag von Marco Jansen

Wenn wir in einem Jahr auf 2016 zurückblicken, könnten das die größten Überraschungen gewesen sein: Öl ist wieder teurer, Aktien haben weiter zugelegt und Jogi Löw ist nach einem Flop bei der EM zurückgetreten.

Für die Turbulenzen an den Aktienmärkten ist - neben China - vor allem der Ölpreis verantwortlich gemacht worden. Tatsächlich leiden die ölexportierenden Länder wie Saudi-Arabien, Venezuela oder Russland massiv unter den niedrigen Notierungen. Die dramatisch gesunkenen Einnahmen bedeuten, dass diese Staaten viel weniger Maschinen und Infrastruktur im Westen einkaufen können als früher. Den großen Energiemultis wie Exxon, Shell & Co. machen die kollabierten Preise für Energierohstoffe ebenfalls schwer zu schaffen – sie kürzen ihre Bestellungen bei den Zulieferern. Schlimm sieht es auch für die amerikanische Fracking-Industrie aus. Bei Preisen von 38 US-Dollar pro Fass WTI schreibt sie tiefrote Zahlen. Nach Angaben des Service-Dienstleisters Baker Hughes waren Ende 2015 in den USA nur noch 698 Bohrtürme in Betrieb. Ein Jahr vorher waren es noch 1113 gewesen.

Fundamental ist kaum Besserung in Sicht. Vorerst wird weltweit weiter mehr Öl produziert als verbraucht. Die Opec kann sich nicht zu Kürzungen durchringen und die US-Fracker haben zwar zahlreiche Bohrtürme stillgelegt, ihre Gesamtproduktion ist dabei aber nur unterproportional gesunken. Das lässt darauf schließen, dass vor allem die kleinen, besonders unwirtschaftlichen Vorkommen bis auf Weiteres nicht mehr ausgebeutet werden. Und jetzt dreht auch noch der Iran den Ölhahn auf. Das Land will bis zu vier Millionen Fass pro Tag in den Weltmarkt pumpen. Das entspricht rund 4,5 Prozent des bisherigen globalen Angebots. Die Investmentbank Goldman Sachs hält einen Ölpreis von nur noch 20 US-Dollar pro Barrel für möglich.

Psychologie entscheidet

Marco Jansen hat mehr als 14 Jahre im Anlagemanagement und Private Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet und verfügt über Kenntnisse bei sämtlichen Anlageformen und Produktkategorien im Wertpapierbereich. Bei Oberbanscheidt & Cie. managt der Vermögensverwalter seit 2014 verschiedene Kunden-Portfolios.
Marco Jansen hat mehr als 14 Jahre im Anlagemanagement und Private Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet und verfügt über Kenntnisse bei sämtlichen Anlageformen und Produktkategorien im Wertpapierbereich. Bei Oberbanscheidt & Cie. managt der Vermögensverwalter seit 2014 verschiedene Kunden-Portfolios.

Interessant ist: Der Ölpreis hängt gar nicht so stark vom physischen Angebot und der Nachfrage ab wie vielfach angenommen. Ebenso wie bei anderen Rohstoffen findet beim Öl ein wesentlicher Teil der Preisfindung an den Terminmärkten statt. Damit sind die Notierungen von Spekulationen beziehungsweise der Psychologie institutioneller Anleger abhängig. Die Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt ist gedanklich längst verarbeitet. Jetzt sind es die großen Geldsammelstellen wie Versicherungen, aber auch Hedgefonds, die die Preise machen. Sie sind angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen dringend darauf angewiesen, neue Renditequellen zu erschließen. Da laden die "ausgebombten" Rohstoffkurse geradezu ein, auf eine Preiswende zu wetten – insbesondere Erdöl.

Ein Ölpreis von 45 bis 50 Dollar je Barrel ist im neuen Jahr durchaus realistisch. Für die Aktienmärkte wäre das eine gute Nachricht. Die Verbraucher würden noch immer von vergleichsweise günstigen Rechnungen beim Tanken und Heizen profitieren. Das ist gut für den Konsum. Gleichzeitig würde der Druck auf die Förderländer und die Energiemultis nachlassen. Das wäre vor allem für die Aktienmärkte in den USA positiv. Denn in den Vereinigten Staaten spielen die Ölmultis und die Fracking-Unternehmen eine viel größere Rolle als in Europa oder Asien. Das spiegelt sich in ihrer höheren Gewichtung in den entsprechenden Aktienindizes wider. Steigt der Ölpreis wie erwartet, würde dies vor allem den US-Börsen Rückenwind verschaffen. Und geht es der Wall Street gut, strahlt dies auf die anderen wichtigen Aktienmärkte der Welt ab. 2016 könnte somit ein weiteres gutes Aktienjahr werden.

Öl positiv, EM negativ

Anleger können auf ein solches Szenario am besten mit dem Kauf großer Ölfördergesellschaften setzen. Empfehlenswert finden wir u.a. Chevron und Royal Dutch Shell. In den Rohstoff selbst lässt sich nur über Zertifikate investieren, die regelmäßig unter sogenannten Rollverlusten an den Terminmärkten leiden.

Während die Rohstoffe und hier insbesondere der Ölpreis 2016 an den Finanzmärkten für gute Stimmung sorgen dürften, könnte der Sport dagegen Enttäuschungen liefern. Sollte die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der EM in Frankreich unerwartet früh ausscheiden, dürfte Bundestrainer Jogi Löw seinen Hut nehmen. Der Überraschungssieger könnte Island heißen. Das Land hat in der Vorrunde die Niederlande rausgeschmissen und sich erstmals in seiner Geschichte für eine Europameisterschaft qualifiziert. Gute Aktienrenditen könnten deutsche Anleger dafür entschädigen.

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Quelle: n-tv.de

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