Wirtschaft
20.000 VW-Mitarbeiter kamen zur Betriebsversammlung.
20.000 VW-Mitarbeiter kamen zur Betriebsversammlung.(Foto: dpa)

Wandel "als Chance" sehen: Job-Angst bestimmt VW-Versammlung

Es ist bereits die dritte Betriebsversammlung im VW-Stammwerk seit Beginn des Abgas-Skandals: Der Andrang in der Belegschaft ist dennoch groß. Mehr als 20.000 VW-Mitarbeiter hören in Wolfsburg Worte, die Mut machen sollen - trotz der großen Sorgen.

Ernste Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Arbeitsplätze bei Europas größtem Autobauer Volkswagen haben die jüngste Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg überschattet. VW-Chef Matthias Müller rief im öffentlichen Teil der Versammlung alle Verantwortlichen zur Geschlossenheit bei der Bewältigung der Krise auf.

"Trotz der unterschiedlichen Sichtweisen, die es in einem Unternehmen naturgemäß gibt, wissen wir: Das wird nur gemeinsam gehen", sagte Müller vor mehr als 20.000 Mitarbeitern. "Ich will Ihnen heute Mut zusprechen", sagte er. "Volkswagen war in der Vergangenheit immer wieder mit großen Herausforderungen konfrontiert." Es sei aber auch immer wieder gelungen, sich in Krisenzeiten neu auszurichten, "zu restrukturieren und - zum Beispiel durch neue Aufgaben - für sichere Beschäftigung zu sorgen".

"Dramatische soziale Folgen"

Müller forderte die Mitarbeiter auf, den mit der Aufarbeitung des Skandals verbundenen Wandel "nicht als Bedrohung, sondern als Chance" zu sehen. "Gemeinsam müssen wir die notwendigen Veränderungen angehen, um Volkswagen zukunftssicher zu machen."

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Jedoch standen die Sorgen um die Arbeitsplätze bei der Betriebsversammlung im Vordergrund. "Sollte die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen durch eine Strafzahlung in bislang einmaliger Höhe nachhaltig gefährdet werden, wird dieses auch dramatische soziale Folgen haben", warnte etwa VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. "Nicht nur an unseren US-amerikanischen Standorten, sondern auch in Europa und anderswo", wie Osterloh betonte. VW hoffe sehr, dass die US-Behörden auch diese soziale und beschäftigungspolitische Dimension im Blick haben.

In den USA, wo die Manipulationen um die Abgase aus Dieselfahrzeugen im vergangenen Herbst zuerst ans Licht gekommen waren, drohen dem VW-Konzern Strafen in Milliardenhöhe. Die Vereinigten Staaten selbst, mehrere Bundesstaaten und viele Zivilkläger gehen dort gegen VW vor. In den USA muss VW bei etwa 600.000 manipulierten US-Fahrzeugen nachbessern. Der Plan dazu ist noch immer nicht unter Dach und Fach: Die Zustimmung der US-Behörden steht noch aus. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge vom Diesel-Skandal betroffen. In Deutschland laufen seit einigen Wochen erste Rückrufe.

Kreis der Beschuldigten ausgeweitet

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil betonte, dass die Zeit schlechter Nachrichten infolge der Krise noch nicht vorbei sei. "Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit 'Dieselgate' konfrontiert werden", sagte der SPD-Politiker. Details zu seiner Warnung nannte Weil aber nicht. Das Land Niedersachsen ist nach den Familien Porsche und Piëch der größte Aktionär bei Europas größtem Autobauer.

Zur Lage der Leiharbeiter erklärte Weil, dass die Verantwortung von VW nicht mit dem Ausscheiden aus dem Konzern ende. Zuletzt waren die Verträge von Leiharbeitern in den Werken Hannover und Emden nicht verlängert worden. Die für ihre Betreuung und Vermittlung zuständige Firma Autovision müsse den Betroffenen Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Stellen eröffnen, forderte Weil. Glücklicherweise sei der Arbeitsmarkt in Niedersachsen "derzeit ausgesprochen aufnahmebereit".

Zumindest für einige Mitarbeiter von VW gab es am Tag der Betriebsversammlung schlechte Nachrichten von der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Ermittlungsbehörde hat im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal den Kreis der Beschuldigten stark ausgeweitet. Die Zahl habe sich in den vergangenen Tagen von 6 auf 17 erhöht, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Unter den Personen sei aber nach wie vor kein Vorstandsmitglied. VW will in der zweiten April-Hälfte einen Zwischenbericht zur Schuldfrage vorlegen. Das ganze Ausmaß der finanziellen Belastungen - etwa durch Strafen und Rückrufaktionen - ist noch immer nicht absehbar.

Quelle: n-tv.de

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