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Rodbertus (r.) konnte die Gläubiger nicht überzeugen. Justizbeamte hatten den Zugang zur Versammlung geregelt.
Rodbertus (r.) konnte die Gläubiger nicht überzeugen. Justizbeamte hatten den Zugang zur Versammlung geregelt.(Foto: picture alliance / dpa)

Gläubiger für harte Sanierung: K.o. für den Prokon-Gründer

Herbe Niederlage für Ex-Chef Rodbertus: Die Gläubigerversammlung der insolventen Windkraft-Firma Prokon stimmt für das Sanierungskonzept seines Rivalen - Insolvenzverwalter Penzlin. Allerdings kommen damit tiefe Einschnitte auf das Unternehmen zu.

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Grünes Licht für den weiteren Sanierungskurs des zahlungsunfähigen Windenergieunternehmens Prokon: Die Gläubigerversammlung stimmte in Hamburg dem vorläufigen Sanierungsplan des Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin zu. Der Hamburger Rechtsanwalt wurde in seinem Amt bestätigt und erhielt den Auftrag, seinen Sanierungsplan auszuarbeiten, wie Teilnehmer berichteten.

Zu der nicht öffentlichen Gläubigerversammlung - es war eine der größten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte - seien 2.350 stimmberechtigte Gläubiger aus ganz Deutschland gekommen, sagte eine Sprecherin des zuständigen Amtsgerichts Itzehoe.

Teilnehmer sprachen von mehr als 5.000 Anwesenden. Die Gerichtssprecherin sagte, in Hamburg seien 29.600 Gläubiger vertreten worden. Das stimmberechtigte Kapital habe knapp 705 Millionen Euro betragen. Die "Freunde von Prokon", mit 427 Millionen Euro Kapital die stärkste Gruppe, zeigten sich hoch erfreut, dass Penzlin nun seine Vorstellungen weiter umsetzen könne. 

Prokon hat rund 75.000 Gläubiger. Sie hatten rund 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte in der heute überschuldeten Firma angelegt. Sie dürften einen Großteil ihres Kapitals verlieren. Anfang 2015 wird dann endgültig über den Insolvenzplan abgestimmt.

300 von 450 Jobs sollen erhalten bleiben

Mit dem Beschluss der Gläubigerversammlung setzte sich der Insolvenzverwalter gegen Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus durch.  Dieser hatte andere Sanierungsvorstellungen und wollte Prokon als Ganzes erhalten. Dagegen hält Penzlin den Verkauf von Firmenteilen für notwendig, um damit Forderungen abzulösen.

Das Kerngeschäft mit Windkraftanlagen will Penzlin fortsetzen und 300 von ursprünglich 450 Arbeitsplätzen erhalten. Zum Auftakt der Gläubigerversammlung wurde rund 15.000 Genussrechte-Inhabern der Windenergie-Firma ihr Stimmrecht versagt. Der Beschluss der Rechtspflegerin, die die Veranstaltung leitete, sorgte für Aufregung. Die Rechtspflegerin hielt laut Teilnehmern Rodbertus vor, die Vollmachten über einen Vertrauten eingesammelt zu haben. Für den Ex-Chef habe sich dadurch ein nicht zulässiger Interessenkonflikt als Geschäftsführungsorgan und Vertreter von Genussrechten ergeben.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz  (DSW) und andere Anlegervertreter wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatten beim Amtsgericht Itzehoe Anträge gestellt, dass die umstrittenen Stimmrechte annulliert würden. Anwälte des Rodbertus-Vertrauten bezeichneten die Entscheidung als "rechts- und verfassungswidrig", die Versammlung sei eine Farce und hätte abgebrochen werden müssen.

Ex-Chef Rodbertus erhielt dennoch Beifall

Rodbertus sagte beim Verlassen der Veranstaltung, "die Rechtsbeugung seitens des Gerichts" habe er so nicht erwartet. Für seine 20-minütige Rede auf der Versammlung erhielt Rodbertus nach Angaben von Teilnehmern Beifall.  Nun seien die Träume des ehemaligen Prokon-Geschäftsführers beendet, wieder die Macht zu übernehmen, meinte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding. Die DSW habe ihre Ziele vollständig erreicht, "weil Prokon mit diesem Ergebnis wieder eine echte Chance hat".

Der Insolvenzverwalter hatte Rodbertus als Chef der Prokon Regenerative Energien GmbH im April fristlos entlassen. Er hielt ihm Pflichtwidrigkeiten und mangelnde Geschäftsführung vor. Anerkannte Jahresabschlüsse für 2012 und 2013 konnten noch nicht vorgelegt werden. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus unter anderem wegen Insolvenzverschleppung. In finanzielle Schieflage kam das Unternehmen, als etliche Gläubiger ihre Genussrechte kündigten und ihr Geld zurück haben wollten.

Insgesamt lag die Summe der gekündigten Genussrechte bei rund 400 Millionen Euro, das Unternehmen konnte dieses Geld aber nicht aufbringen.

Quelle: n-tv.de

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