Wirtschaft
Seit 250 Jahren epocheprägend - die Köngliche Porzelan-Manufaktur in Berlin.
Seit 250 Jahren epocheprägend - die Köngliche Porzelan-Manufaktur in Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)

Musterbetrieb von Friedrich II. wird 250: KPM spürt den Aufwind

Vor 250 Jahr erwirbt der preußische König Friedrich II. die Porzellanmanufaktur. Fortan an entwickelt er die KPM zum Musterbetrieb. Das Unternehmen findet mit seinem "weißen Gold" Liebhaber in aller Welt. Und längst sind es nicht mehr nur die Mächtigen.

Eine rechteckige Vase mit einer aufgeblühten Mohnblume als Dekor und eine Miniaturausgabe des Brandenburger Tors haben Barack und Michelle Obama bei ihrem Berlin-Besuch im Juni erhalten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) entschied sich für das Porzellan aus dem Haus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin - kurz KPM - als Gastgeschenk. Eine Wahl, die er nicht zufällig traf: KPM ist das Geschirr der Mächtigen. Friedrich der Große gründete das Haus vor inzwischen 250 Jahren.

Kaufte das Unternehmen am 17. September 1763 - Friedrich II.
Kaufte das Unternehmen am 17. September 1763 - Friedrich II.(Foto: picture alliance / dpa)

Friedrich war ein großer Anhänger des "weißen Golds", wie Porzellan seit seiner ersten Herstellung zu Beginn des 18. Jahrhunderts genannt wird. In Berlin hatten zwei Unternehmer in der Mitte des Jahrhunderts erfolglos versucht, eine Manufaktur aufzubauen. Erst ihre Übernahme durch den König von Preußen im Jahr 1763 führte zu langfristigem Erfolg. Friedrich II. kaufte das Unternehmen am 19. September für 225.000 Reichstaler, gab der Manufaktur seinen Namen und sein Zeichen - das königliche Zepter.

"Bleu mourant" geht in Redensart ein

Die Manufaktur war ein Musterbetrieb: Es gab keine Kinderarbeit, dafür geregelte Arbeitszeiten, überdurchschnittliche Einkommen, gesicherte Renten, eine Betriebskrankenkasse sowie eine Versorgung für Witwen und Waisen, wie es in einer historischen Darstellung der KPM heißt.

1784 war erstmals das typische matt-zarte Blau auf dem Porzellan zu sehen. Auf Friedrichs persönlichen Wunsch hin hatten Entwickler vier Jahre lang an der Farbe gearbeitet, die sie "Bleu mourant"  (deutsch: Sterbendes Blau) nannten. In dieser Farbe wurde Friedrichs Lieblingsservice dekoriert. Die blaue Porzellanfarbe ging laut KPM in eine Redensart ein: Wenn die Berliner sich unwohl  fühlen, wird ihnen "blümerant".

Der beste Kunde der Manufaktur war in den Anfangsjahren ihr Besitzer: Friedrich gab allein für seine Schlösser 21 Tafelservice mit bis zu 450 Einzelteilen in Auftrag, berichtet die KPM. Seine diplomatischen Geschenke stammten fast alle aus der Manufaktur und fanden sich im russischen Zarenhaus ebenso wie auf den Tafeln der europäischen Königshäuser.

Seit 2006 in privater Hand

Unter Friedrich Wilhelm II. wurde die Manufaktur zum technologisch führenden Unternehmen. Mit dem Betrieb ging es steil bergauf. 1790 erteilte der Herzog von Kurland der KPM den Auftrag für das Tafelservice "Kurland", das noch heute zu den großen Erfolgen der Manufaktur zählt.

Einer der berühmtesten Berliner der jüngeren Geschichte - Eisbär Knut.
Einer der berühmtesten Berliner der jüngeren Geschichte - Eisbär Knut.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von ihrer Gründung bis zum Ende der Monarchie waren sieben Könige und Kaiser Eigentümer der Manufaktur. 1918 ging die KPM in den Besitz des Staats über. In den 1930er Jahren griff sie die künstlerischen Einflüsse der Zeit auf und entwarf Porzellan im Stil der Neuen Sachlichkeit. Ein im Geist des Bauhauses gestaltetes Service wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Zuständigkeit für die KPM dem Land Berlin als Eigentümer zu. Nach der Wende ließ der Senat das Unternehmen privatisieren. 2006 stand das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Der Bankier Jörg Woltmann übernahm die Manufaktur mit allen Schulden für einen zweistelligen Millionenbetrag. Als Ziel für das Jubiläumsjahr 2013 gab er vor fast einem Jahr schwarze Zahlen aus. Dabei bleibe es, sagt jetzt Unternehmenssprecherin Theresa Haala.

Steigende Erlöse

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben seitdem konsolidiert und wieder große Namen zu bieten: So sind die Präsidenten-Suiten im Hotel Adlon am Brandenburger Tor und im Waldorf Astoria am Bahnhof Zoo mit KPM-Porzellan ausgestattet.

Die Porzellan-Hersteller leiden jedoch insgesamt unter Pleiten, Personalabbau und Billigkonkurrenz aus China. Branchenweit betrug das Minus im vergangenen Jahr sechs Prozent. Die Halbjahreszahlen 2013 jedoch ließen eine Trendwende erahnen, sagt Lutz Graser vom Verband der Keramischen Industrie: Die Erlöse der rund ein Dutzend deutschen Porzellan-Manufakturen gingen um 3,7 Prozent nach oben. Vor allem aus dem Ausland kommen die Bestellungen. Europa sei generell ein schwieriger Markt, sagt Haala. Mehr Fans des "weißen Goldes" gebe es in Asien, Russland, den arabischen Emiraten und - überraschend - in Brasilien.

Neue Wertschätzung der Handwerkskunst

Den wiedererwachten Erfolg schreiben die Porzellan-Hersteller unter anderem einem Sinneswandel zu. "Der Trend zur Tisch- und Tafelkultur kommt zurück", sagt Haala. Junge Leute leisteten sich wieder hochwertiges Porzellan, schrieben es auf ihre Hochzeits-Wunschlisten. Dazu komme eine neue Wertschätzung für authentische Handwerkskunst.

Im Jubiläumsjahr zeigt die KPM in mehreren Ausstellungen Stücke aus der Vergangenheit. Zu den Höhepunkten zählen unter anderem Service des Rokoko, Prunkvasen des Klassizismus und der Belle Époque sowie Entwürfe funktionalen Designs.

Für die Zukunft hat sich die KPM vorgenommen, weiterzumachen wie bisher: "Unsere Manufaktur steht seit 250 Jahren für Luxus und epochenprägendes Design", erklärt Inhaber Woltmann. "Wir sehen es als eine Verpflichtung, dass das auch so bleibt."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen