Wirtschaft
Die Nachfrage nach Kaffee übersteigt das Angebot - gut für die Bauern.
Die Nachfrage nach Kaffee übersteigt das Angebot - gut für die Bauern.(Foto: dpa)
Donnerstag, 12. Januar 2017

Steigende Preise wahrscheinlich: Kaffee-Lust schadet der Welt

Die Deutschen trinken mehr Kaffee als Mineralwasser. Da sind sie nicht die Einzigen. Und genau das wird zum Problem, denn weltweit werden Anbauflächen immer knapper. Auch wegen des Klimawandels.

In der nächsten Woche müssen die Kunden des Kaffeerösters Tchibo 30 bis 50 Cent mehr für ein Pfund Kaffee bezahlen. Das hatte der Hamburger Konzern bereits kurz nach Weihnachten angekündigt. Ein Pfund der Tchibo-Sorte "Feine Milde" kostet dann 5,99 Euro statt 5,69 Euro. Die Konkurrenz hält sich mit Ankündigungen bislang zurück. Als führender deutscher Röster ist Tchibo jedoch eine Art Taktgeber der Branche; auch bei Aldi und Netto, bei Rewe und Edeka geht der Trend der Kaffeepreise aufwärts, sagen Branchenkenner.

Kaffee ist mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern jährlich das beliebteste Getränk in Deutschland, noch vor Mineralwasser und Bier. Kaffee wird immer öfter außer Haus konsumiert, in Läden wie Starbucks, kleinen Cafés und Bäckereien. Zudem gewinnt gerade der Geschmack immer mehr an Vielfalt - die Sorten umfassen mittlerweile allerlei Geschmacksrichtungen bei Espresso, Latte Macchiato und Cappuccino. Hochpreisige Kaffeemaschinen sind zu Statussymbolen geworden, moderne und teure Kapsel-Systeme machen dem traditionellen Filterkaffee Konkurrenz, der gleichwohl nach wie vor den Großteil des Markts ausmacht. Die Kaffeepreise sind für viele Anbieter und Konsumenten von Bedeutung, denn allein das staatliche Aufkommen aus der Kaffeesteuer beträgt mehr als eine Milliarde Euro.

Kaffee-Konsum steigt unaufhörlich

Mittelfristig weisen die Indizien auf steigende Preise für Rohkaffee hin. Die Nachfrage steigt. Das liegt zum einen an der wachsenden Weltbevölkerung. Mittlerweile leben 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde; jedes Jahr kommen noch einmal gut 80 Millionen hinzu. Und viele von diese zusätzlichen Menschen wollen nicht nur Kaffee trinken, sondern können es sich auch leisten. Die Nachfrage nimmt vor allem in denjenigen Ländern zu, in denen der Kaffee auch wächst, in Südamerika, Afrika und Asien. Im Kaffeejahr 2015/16 erhöhte sich der Kaffee-Konsum in den Erzeugerländern um 60 Millionen Kilogramm und damit stärker als in den klassischen Importländern.

Zum anderen werden die Anbauflächen knapp. "Der Klimawandel setzt ein und macht bestimmte Flächen weniger geeignet für den Kaffeeanbau", sagt Claudia Brück von der Organisation TransFair in Köln. Qualitativ guter Kaffee wächst in Höhenlagen in Äquatornähe - Problem: Sie sind nicht beliebig vermehrbar. In der Folge steigen die Bodenpreise. In den vergangenen 50 Jahren haben sich die Anbauflächen weltweit verdreifacht, weil vor allem asiatische Länder wie Vietnam in das Geschäft eingestiegen sind. Doch das Angebot wächst langsamer als die Nachfrage. In den vergangenen beiden Jahren wuchs die Lücke von 2,7 auf 3,3 Millionen Sack. Das treibt die Preise.

Von den höheren Rohkaffeepreisen profitieren 25 Millionen Kaffeebauern, die mehr Geld für ihr Produkt erlösen können. Fair gehandelter Kaffee, bei dem die Kleinbauern noch eine Extra-Prämie auf den Marktpreis erhalten, wird in Deutschland immer beliebter. Der Absatz stieg in den ersten neun Monaten des Vorjahres um fast ein Viertel auf 12.000 Tonnen. Viel ist das jedoch immer noch nicht. Der Marktanteil von "fairem Kaffee" bewegt sich gerade mal bei drei bis vier Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen