Wirtschaft

"Schmerzhafte Operation"Kahlschlag bei Quelle

13.08.2009, 17:15 Uhr

Mit drastischem Personalabbau soll das Versandhaus Quelle in die Zukunft geführt werden. Bis zum Januar 2010 sollten bei der Versandsparte Primondo des insolventen Handelsunternehmens Arcandor rund 3700 der 10.500 Stellen gestrichen werden, teilte der vorläufige Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit.

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Quelle befindet sich in der schwierigsten Situation seiner Geschichte. (Foto: dpa)

Die durchweg defizitären 109 Quelle-Technik-Center sollen in Kürze geschlossen werden. Die Zahl der Quelle-Shops wird von 1450 auf rund 1000 reduziert. Die Beschäftigten reagierten geschockt.

Auch bei Karstadt stehen laut Görg schmerzhafte Einschnitte an. Bis zu 19 Warenhäuser müssten geschlossen werden. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen, sagte er. Für die Sanierung von Karstadt strebt Görg ein Insolvenzplanverfahren an. "Diese Operation wird Schmerzen bereiten", erklärte er. Ziel sei es, so viele Warenhäuser wie möglich zu erhalten. Personalanpassungen seien aber unumgänglich. Am wenigsten problematisch sei der Reiseveranstalter Thomas Cook. Dies sei ein funktionierendes Unternehmen. "Ich hoffe, dass es gelingt, Thomas Cook profitabel weiterzuentwickeln."

"Geschäft wird drastisch eingedampft"

"Ich halte alle Teile des Arcandor-Konzerns für überlebensfähig", unterstrich Görg. Er strebt an, auch Primondo als Ganzes zu erhalten. Dazu gehören neben Quelle mehrere Spezialversender, Servicegesellschaften und Auslandsgesellschaften. Er sei verhalten optimistisch, einen Investor zu finden. Es gebe bereits sieben bis acht Interessensbekundungen. "Quelle hat eine langfristige Überlebenschance, wenn sich ein ordentlicher Investor findet", sagte Görg. Bei Karstadt sei die Suche nach Investoren noch nicht so weit.

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Klaus Hubert Görg hat nicht viel Gutes zu berichten. (Foto: AP)

Die Einschnitte bei Quelle seien unvermeidlich. "Wir werden das Geschäft drastisch eindampfen müssen." Die Finanzierung sei über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens im September hinaus nicht gesichert. Es wäre ein großer Erfolg, wenn es gelänge, zwei Drittel der Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Görg. Die "neue Quelle" im Verbund der Primondo könne Universalversand und Spezialversender integrieren.

Der Nürnberger Verdi-Sekretär Johann Rösch sagte, bei den Quelle-Mitarbeitern herrsche tiefe Ohnmacht und eine große Verunsicherung, wer konkret betroffen sei. Die Entwicklung sei besonders dramatisch, weil Quelle eigentlich auf einem guten Weg gewesen sei und dieser Prozess durch die Insolvenz der Mutter Arcandor nun abrupt unterbrochen wurde.

Metro erneuert Interesse an Karstadt

Angesichts der bevorstehenden Zerschlagung des Arcandor-Konzerns hat der Metro-Konzern sein Interesse an Karstadt-Häusern bekräftigt. "Wir sind nach wie vor zu Gesprächen bereit", sagte ein Metro-Sprecher in Düsseldorf. Es gebe ein grundsätzliches Interesse an der Übernahme von Karstadt-Filialen.

Zur Zahl äußerte der Sprecher sich nicht. Zunächst benötige Metro Einblick in die Bücher, um Informationen über die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Häuser zu erhalten. In der Vergangenheit hatte der Düsseldorfer Handelsriese mehrfach erklärt, er wolle etwa zwei Drittel der bundesweit 90 Karstadt-Filialen übernehmen.

Bereits vor der Pleite von Arcandor und Karstadt hatte die Metro die Idee einer Deutschen Warenhaus AG ins Spiel gebracht. Dabei sollten die Metro-Warenhaustochter Kaufhof und rund 60 Karstadt-Filialen unter ein Dach kommen. Bei der Vorstellung der Metro-Halbjahreszahlen in der vergangenen Woche hieß es, Metro werde die Karstadt-Häuser nicht um jeden Preis übernehmen. "Wenn da jemand kommt, der ein paar Milliarden bezahlen will, sind wir sicher nicht dabei", hatte Metro-Chef Eckhard Cordes gesagt.

Quelle: wne/dpa/rts