Wirtschaft
In deutschen Supermärkten dürfte es die krummen Dinger nun bald günstiger geben.
In deutschen Supermärkten dürfte es die krummen Dinger nun bald günstiger geben.(Foto: picture-alliance/ dpa)

EU unterzeichnet WTO-Abkommen: Kapitulation im Bananenkrieg

Nach mehr als 20 Jahren Dauerstreit senkt die EU die Importzölle für Bananen aus Südamerika. Damit endet nicht nur der längste Handelskonflikt in der WTO-Geschichte: In Supermärkten dürfte es die krummen Dinger bald günstiger geben. US-Konzerne gewinnen, Europas Ex-Kolonien verlieren. Und die WTO hofft, dass nun auch andere Staaten ihre Handelsvernichtungswaffen abgeben.

Eigentlich gehört Pascal Lamy schon von Amts wegen zu den eher nüchtern formulierenden Persönlichkeiten. Doch das Ende jenes fast 20 Jahre währenden Streits, dem die BBC das Label "Bananenkrieg" verlieh, brachte den Chef der Welthandelsorganisation (WTO) ins Schwärmen: "Nach so vielen Drehungen und Wendungen können diese komplizierten und politisch kontroversen Dispute nun zu Grabe getragen werden." Dies sei ein wirklich "historischer Moment".

Mit dem Austausch der beglaubigten Vertragsdokumente zum "Genfer Bananenabkommen" zwischen der EU und zehn lateinamerikanischen Staaten wurde der offizielle Schlussstrich unter den bisher längsten Handelskonflikt der WTO-Geschichte gezogen. In der EU werden nun Einfuhrzölle auf lateinamerikanische Bananen schrittweise gesenkt - von 148 Euro je Tonne (2009) bis auf 114 Euro im Jahr 2017.

Machtgewinn für US-Konzerne

Im Grundsatz hatten sich die Beteiligten darauf nach mehreren einzelnen Streitfällen bereits im Jahr 2009 geeinigt. Bis alle Vertragsdetails unterschriftsreif waren, verging so viel Zeit, dass "mancher, der damit im WTO-Sekretariat sowie in den Regierungen beschäftigt war, inzwischen pensioniert ist", scherzte WTO-Chef Lamy.

Ob die krummen Dinger im Obstregal nun spürbar billiger werden, bleibt abzuwarten. Die Senkung des Zolls pro Tonne erscheint nicht so gravierend. Allerdings dürfte der Konkurrenzkampf zwischen den Lateinamerikanern und den Bananenproduzenten in Afrika, der Karibik und der Pazifik-Region - den sogenannten AKP-Staaten - härter werden, was durchaus Auswirkungen auf die Preise im Supermarkt haben könnte.

Rückschlag für Europas Ex-Kolonien

Auch nach dem Ende des Bananen-Kriegs bleibt es bei einer gewissen Vorzugsbehandlung von Erzeugern in den oft vergleichsweise ärmeren AKP-Ländern durch die EU. So dürfen ihnen Ausgleichszahlungen von insgesamt bis zu 200 Mio. Euro gewährt werden. Doch unterm Strich kommt die Absenkung der EU-Einfuhrzölle vor allen den in Lateinamerika operierenden Erzeugern zugute, unter ihnen große US-Konzerne. Die Produktivität dieser Betriebe ist meist erheblich höher, was die Herstellung preisgünstiger macht.

Der Streit war teils mit harten politischen Bandagen geführt worden. Der EU wurde vorgehalten, sie subventioniere mit ihrer Bananenpolitik ehemalige Kolonien Frankreichs, Spaniens und Großbritanniens. Viele der AKP-Staaten, vor allem in Afrika, hatten ihre Unabhängigkeit erst viel später als die früheren Kolonien in Amerika erreicht. Um die wirtschaftliche Entwicklung oft bettelarmer Ex-Kolonien zu fördern, waren ihnen Erleichterungen für den Zugang zu europäischen Märkten eingeräumt worden – auch den für Bananen.

So richtig kochte der Disput hoch, nachdem die EU 1993 eine Bananenmarktordnung einführte. Damit wurden die exotischen Früchte handels- und zolltechnisch unterschieden in "Gemeinschaftsbananen" aus EU-Mitgliedsstaaten - zum Beispiel von den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln -, "AKP-Bananen" und "Drittlandbananen", wobei letztere mit erheblichen Zöllen belegt wurden.

Abrüstung von Handelsvernichtungswaffen

Dagegen gingen die Lateinamerikaner mit etlichen Klagen vor. Und mit kräftiger Rückendeckung der USA, die ihrerseits Druck auf die EU ausübten. Zwar exportieren die USA selber keine Bananen, aber einige der wichtigsten Exporteure in Ländern wie Costa Rica oder Ekuador sind US-Konzerne.

Für WTO-Chef Lamy ist der Deal ein Hoffnungsschimmer. Überall wächst nach der Finanzkrise der Protektionismus. Die Doha-Verhandlungen über die Liberalisierung des Welthandels kommen nicht voran. Immer mehr Konflikte werden bei der WTO abgeladen - vom Streit um Chinas Exportbeschränkungen bei seltenen Rohstoffen bis hin zum Kampf zwischen Boeing und Airbus. Wenn sich aber ein historischer Streit über ein so krummes Ding wie die Banane aus dem Weg räumen lässt, gibt das aber zumindest etwas Hoffnung.

Quelle: n-tv.de

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