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Warenhausbetrieb mit Leiharbeitern: Karstadt-Mitarbeiter streiken

Die 20.000 Karstadt-Mitarbeiter machen mobil: Mit einer bundesweiten Streikaktion wollen sie den Druck auf die Warenhauskette erhöhen. Sie fordern die Rückkehr in die Tarifbindung und Ansagen zu den Auswirkungen der Trennung der Häuser Premium und Sport.

Im Tarifstreit sind bundesweit mehrere tausend Karstadt-Mitarbeiter in den Ausstand gegangen. Zeitweise waren einzelne Häuser geschlossen oder öffneten später, wie eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi mitteilte. Verdi fordert für die bundesweit rund 20.000 Karstadt-Mitarbeiter eine Rückkehr des Warenhauskonzerns in die Tarifbindung sowie eine Standort- und Beschäftigungssicherung. Zudem drängt die Gewerkschaft auf Zusagen, dass die Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen und Rene Benko den Konzern nicht zerschlagen werden.

Die Streik-Schwerpunkte lagen am Freitag im Norden und Westen Deutschlands, in Hamburg und Dortmund hatte Verdi zu Kundgebungen aufgerufen. Teilweise setzte Karstadt Leiharbeiter ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, oder Führungskräfte hätten selbst Hand angelegt. Auch am Samstag würden Beschäftigte der kriselnden Warenhauskette zumindest zeitweise die Arbeit niederlegen, kündigte Verdi an. Zudem seien in der kommenden Woche Betriebsversammlungen geplant, die auch während der Öffnungszeiten andauern sollten.

Karstadt-Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz appellierte an die Arbeitnehmervertreter, gemeinsam eine "pragmatische Lösung" zu suchen, "um die nachhaltige Gesundung des Unternehmens nicht zu gefährden". "Streikaufrufe können uns dieser Lösung nicht näherbringen...", sagte Weitz. Nach monatelanger Funkstille hatten Arbeitgeber und Arbeitnehmer im September und Anfang Oktober Gespräche geführt, Mitte November ist die nächste Verhandlungsrunde geplant. "Karstadt bekennt sich ausdrücklich zum Manteltarifvertrag und zu einem einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. Das haben wir schon im Mai erklärt und garantiert", sagte Weitz.

Außerhalb der Tarifbindung

Doch Verdi will mehr erreichen. Die Gewerkschaft fordert die Rückkehr in die Tarifbindung. Diese hatte Karstadt im Frühjahr als Teil der Sanierung des kriselnden Konzerns befristet bis 2016 gekündigt. Die Beschäftigten profitieren damit nicht von künftigen Tariferhöhungen in der Einzelhandelsbranche, das Management spart sich millionenschwere Gehaltserhöhungen.

Zudem sorgte die mehrheitlich Übernahme der Karstadt-Luxushäuser und der Sport-Filialen durch die Signa-Holding des österreichischen Investors Benko für zusätzliche Verunsicherung bei den Beschäftigten. Sie fürchten eine Zerschlagung des Kaufhof -Konkurrenten. "Wer nach der Tarifflucht von Karstadt im Mai jetzt auch noch das Unternehmen und die bisher erfolgreiche Mitbestimmung zerschlägt, spielt unverantwortlich mit den Ängsten der Beschäftigten", kritisierte Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes.

Einzelne Filialen stellt der Konzern auf den Prüfstand. "Karstadt evaluiert sein Filial-Portfolio in Deutschland permanent", teilte der Konzern Anfang Oktober mit und reagierte damit auf einen Medienbericht, wonach Karstadt sein Warenhaus in Stuttgart schließen will.

Quelle: n-tv.de

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