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Traurig und trotzig: Bochums Opelaner machen sich Gedanken um ihre Zukunft.
Traurig und trotzig: Bochums Opelaner machen sich Gedanken um ihre Zukunft.(Foto: dapd)

Philipp Rösler ist "sauer" auf GM: Opel schließt Bochumer Werk

Traurige Gewissheit nach jahrelangem Bangen: Nach dem Jahr 2016 ist im Bochumer Opelwerk Schluss mit der Autoproduktion. Wie viele Jobs mit bloßer Teilefertigung zu sichern sind, ist fraglich. Die Opel-Mitarbeiter reagierten wütend und enttäuscht.

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Der Autobauer Opel macht sein Werk in Bochum mit 3365 Beschäftigten dicht: Wenige Tage vor dem 50. Geburtstag der Fabrik kündigte der Vorstand auf einer von Tumulten begleiteten Betriebsversammlung an, die Produktion des Familienwagens Zafira in der Ruhrgebietsstadt 2016 auslaufen zu lassen. Opel-Interims-Chef Thomas Sedran begründete die Schließung mit dem dramatisch geschrumpften Automarkt in Westeuropa und den hohen Überkapazitäten in der gesamten Branche.

Damit fällt das erste deutsche Automobilwerk der Absatzkrise in Westeuropa zum Opfer. Opel leidet wie andere Hersteller massiv darunter, dass in Südeuropa kaum neue Autos verkauft werden. Hinzu kommen Managementfehler in den vergangenen Jahrzehnten, durch die die General-Motors-Tochter den Anschluss an die Konkurrenz verloren hat. Vor zwei Jahren hatte Opel bereits sein Werk im belgischen Antwerpen dichtgemacht.

Die Bochumer Beschäftigten reagierten empört. Nach Angaben von Teilnehmern kam es während der nichtöffentlichen Versammlung zu Tumulten. "Was der Vorstand hier macht, ist der Hammer", beschwerte sich ein Opelaner. "Einfach die Schließung ankündigen und weggehen. Das ist ein Schlag ins Gesicht des Ruhrgebiets." Ein anderer Teilnehmer berichtete, Mitarbeiter hätten versucht, den Vorstand aufzuhalten, um Fragen zu stellen. Dabei sei es zu Rempeleien mit Sicherheitsleuten gekommen. "Es gab ein Sicherheitsaufgebot wie in Fort Knox", sagte der IG-Metall-Delegierte Paul Fröhlich.

Vorwürfe gegen GM

Die Bundesregierung kritisierte die Entscheidung von GM. "Das ist ein schwerer Schlag für die betroffenen Menschen, für ihre Familien, aber auch für den Industriestandort Bochum", sagte Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarte, dass GM alles unternehme, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Wirtschaftsminister Philipp Rösler warf General Motors gravierende Management-Fehler vor: "Ich bin sauer, gerade weil das Unternehmen Fehler gemacht hat, auch beim Umgang mit den Mitarbeitern in der Vergangenheit", sagte Rösler der "Rheinischen Post". GM müsse sich fragen lassen, ob der Konzern in der Vergangenheit alles Notwendige getan habe, um das Aus für Bochum zu verhindern. Staatshilfe für Opel lehnt Rösler ab, "weil diese die unternehmerischen Probleme in der Regel auf Dauer nicht beheben kann". Die Arbeitsagenturen würden alles tun, um den Beschäftigten zu helfen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht in der Entscheidung des Opel-Managements einen "Schlag für die betroffenen Arbeitnehmer und ihre Familien". Gerade vor Weihnachten belaste dies doppelt schwer.

Reiner Einenkel
Reiner Einenkel(Foto: AP)

Reiner Einenkel, Betriebsratschef des Bochumer Werks, kündigte Widerstand an: "Wir wollen auch nach 2016 in Bochum noch Autos bauen". Zum 50. Jahrestag der Werkseröffnung am 15. Dezember kündigte Einenkel Proteste an. Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sagte, die Verhandlungen mit dem Management über den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze würden fortgesetzt. Mit der Ankündigung, das Werk dichtzumachen, seien die Gespräche "weder abgeschlossen noch abgebrochen", sagte er.

Die rot-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalens verlangte eine Perspektive für die Beschäftigten. "Jetzt muss es darum gehen, den Opel-Vorstand beim Wort zu nehmen. Es muss ernsthaft und belastbar an einer Perspektive für den Standort gearbeitet werden", erklärt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Leichte Beruhigungspillen vom Management

GM-Vize Stephen Girsky, der dem Aufsichtsrat von Opel vorsitzt, versprach, "eine signifikante Zahl" an Arbeitsplätzen im Lager und einer möglichen Komponentenfertigung in Bochum zu erhalten. Über einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen solle mit dem Betriebsrat verhandelt werden. Derzeit sucht eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Unternehmens, der Arbeitnehmer und der Landesregierung nach Möglichkeiten, um auf dem Werksgelände neue Arbeitsplätze anzusiedeln. Dabei wird auch diskutiert, Komponenten für andere Hersteller zu produzieren.

Das Werk war in den vergangenen Jahren mehrfach verkleinert worden. Dennoch ist es mit einer Gesamtfläche von 1,7 Millionen Quadratmetern nach wie vor der größte industrielle Arbeitgeber in der strukturschwachen Region. Das Getriebewerk mit rund 300 Beschäftigten soll bereits Ende nächsten Jahres schließen. Zu den insgesamt rund 3400 Mitarbeitern kommen noch 430 Beschäftigte eines Warenverteilzentrums, das eventuell ausgebaut werden soll. Sedran bekräftigte, Deutschland bleibe "das Rückgrat und die Heimat unserer Marke". Insgesamt beschäftigt Opel in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern 20.000 Mitarbeiter. Europaweit sind es einschließlich der britischen Opel-Schwester Vauxhall knapp 40.000.

Nach Ford zieht damit auch GM Konsequenzen aus der Krise in Europa. Ford hat die Schließung von drei Werken in Belgien und Großbritannien mit 5700 Mitarbeitern angekündigt. GM-Partner Peugeot will eine Fabrik nahe Paris dichtmachen, wird daran aber von der französischen Regierung gehindert. Diese verlangt für staatliche Hilfen einen Verzicht auf massiven Stellenabbau. Experten halten europaweit 15 Automobilwerke in der Branche für überflüssig.

Quelle: n-tv.de

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