Wirtschaft
Steve Forbes, hier bei einer Konferenz im vergangenen Jahr, sieht die Vermögenden nicht ausreichend gewürdigt.
Steve Forbes, hier bei einer Konferenz im vergangenen Jahr, sieht die Vermögenden nicht ausreichend gewürdigt.(Foto: picture alliance / dpa)

Inside Wall Street: Keine Gnade für die Reichen!

Von Lars Halter, New York

Sie arbeiten hart - und machen mit ihrem Geld die Welt ein bisschen besser: So zumindest sieht es Steve Forbes und wirbt für mehr Verständnis. Selten geht eine Kolumne derart nach hinten los. Denn die Sache hinkt gleich mehrfach.

Die armen Reichen! Sie haben es schwer, vor allem in Amerika. Ständig lästert das Volk über die Top-Verdiener. Niemand gönnt ihnen den hart erarbeiteten Wohlstand. Und wenn sich sonst keiner wehrt, dann macht das eben Steve Forbes - der selbsternannte Sprecher der Wohlhabenden. In der "Washington Post" fordert er mehr Lob und Dank für die Oberschicht - die Kolumne ging gewaltig nach hinten los.

Jede Zeitschrift treffe hin und wieder mal mehr oder weniger gute Entscheidungen, schreibt ein Kommentator auf der Webseite der "Post". Aber selten habe er "so ein selbstgerechtes Stück ausgesuchter Schei..." gelesen. Das sitzt, und vielleicht wird sich Forbes künftig zweimal überlegen, ob jede seiner Meinungen gleich in großem Stil verbreitet werden muss.

Phänomenale Großzügigkeit

Man solle sich einmal ein Kind in Tansania vorstellen, schreibt der 66-Jährige rührselig. Noch vor einigen Jahren hätten spendable Reiche Geld für Medizin und Behandlung gespendet. Heute setzten sie ihre Millionen effektiver ein und suchten nach ganz neuen Impfstoffen, um gefährliche Krankheiten auszurotten. Probleme würden heute nicht mehr im Einzelfall verbessert, sondern im Ganzen gelöst. So machten die modernen Philanthropen mit jedem Dollar die Welt ein bisschen besser, heißt es weiter.

Die Großzügigkeit der US-amerikanischen Reichen sei phänomenal, meint Forbes, der selbst mit einem geschätzten Vermögen von einer halben Milliarde Dollar in der Liste seines eigenen Magazins nicht mehr geführt wird. Seinen Recherchen zufolge seien die reichsten 0,22 Prozent der US-Amerikaner für 13 Prozent der gemeinnützigen Spenden verantwortlich. Auf den ersten Blick liest sich das gut - bis einem auffällt, dass die reichsten 0,22 Prozent der US-Amerikaner bis zu 30 Prozent des gesamten Wohlstands besitzen. Das lässt die Milliardäre nun weniger spendabel erscheinen.

Erbe statt Arbeit

Überhaupt: Auch Forbes These, dass sich diese Reichen ihr Vermögen hart erwirtschaftet hätten, geht nicht ganz auf: Unter den Superreichen sind viele US-Amerikaner, die ihr Vermögen vor allem geerbt haben - großteils ohne auf die Erbschaft nennenswerte Steuern abzuführen. Auch Steve Forbes hat sein Vermögen nicht selbst erarbeitet: Seine Millionen stammen aus der gleichnamigen Mediengruppe, die der schottische Einwanderer Bertie Charles Forbes 1917 gegründet und dann an seinen Sohn Malcolm übergeben hatte. Steve Forbes war in dritter Generation Chef des Imperiums, das unter seiner Herrschaft dramatisch an Auflage eingebüßt und Millionenverluste erlitten hat, bevor es 2013 zum Verkauf angeboten wurde.

Doch abgesehen von Steve Forbes persönlichen Leistungen und Verfehlungen, geht seine Argumentation auch sonst nicht auf. Die Superreichen in den USA profitieren unter anderem von niedrigen Steuern. Ihr wachsender Wohlstand steht in direktem Zusammenhang mit dem Niedergang der Mittelklasse und den dramatischen Kürzungen im US-amerikanischen Bildungs- und Sozialsystem.

Dass die Superreichen von ihrem gigantischen Vermögen nun ein paar Dollar abgeben, soll laut Forbes mit Applaus bedacht werden. Der Mann kann sich nicht vorstellen, warum das Volk für die Krümel nicht dankbar ist, die es vom Kuchen der Reichen erhält. Ungeschickter als Forbes hat sich lange kein Reicher mehr ausgedrückt.

Grundsätzlich sollte sich Forbes fragen, ob zahlreiche Probleme, die heute von den selbsternannten Philanthropen bekämpft werden, vielleicht gar nicht entstanden wären, wenn Einkommen und Wohlstand etwas gerechter verteilt wären als in den USA des 21. Jahrhunderts.

Quelle: n-tv.de

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