Wirtschaft
Ex-Bilfinger-Chef Roland Koch. Immer mehr Managern steht das Wasser bis zum Hals.
Ex-Bilfinger-Chef Roland Koch. Immer mehr Managern steht das Wasser bis zum Hals.(Foto: picture alliance / dpa)

"Hire and Fire" in der Chefetage: Top-Manager sitzen auf heißen Stühlen

Das Klima in den deutschen Top-Unternehmen ist merklich rauer geworden. Dieses Jahr wurden bereits so viele Chefs gefeuert wie im gesamten Vorjahr. Nicht immer zu Recht. Wenn der "Shitstorm" kommt, hätten viele Firmenaufseher kein Rückgrat, sagen Experten.

Deutschlands Chefetagen galten die längste Zeit als Hort der Stabilität. Spitzenjobs in der deutschen Wirtschaft werden immer riskanter. Kaum ist das erste Halbjahr um, sind bereits sechs Vorstände großer börsennotierter Unternehmen unfreiwillig abgetreten - das sind so viele wie im gesamten Jahr 2013. Dies berichtet die "Welt am Sonntag".

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2009 hätten im Vergleich nur vier Top-Manager nach Querelen mit dem Aufsichtsrat oder mit Mitarbeitern gehen müssen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Zahlen der Beratungsfirma Kienbaum. Personalberater Hermann Sendele sieht einen klaren Trend. Die Zahl sei deutlich höher als in den USA, die "Hire and Fire"-Mentalität wachse.

"Manchmal passt einfach die Nase nicht"

Wer nicht liefert, kann nicht bleiben. Aber nicht immer sind die Manager schuld. "Sündenböcke werden von den Aufsichtsräten inzwischen sogar in den obersten Etagen der renommierten deutschen Konzerne gesucht", zitiert die Zeitung einen Experten. Sicher könne sich mittlerweile kein Manager mehr fühlen. In den Chefetagen würde nun Realität, was in Etagen darunter bereits seit Jahren gängige Praxis ist.

Der Umgang zwischen dem teuren Spitzenpersonal und ihren Oberaufsehern sowie den Eigentümerfamilien sei ruppiger geworden. "Manchmal passt dem Aufsichtsrat einfach die Nase der Betreffenden nicht mehr", vermutet Sendele. Manchmal beugten sich die Kontrolleure auch einfach vorschnell der öffentlichen Meinung.

Kein Rückhalt durch Kontrollgremien

Dass es in diesem Jahr so heftig zur Sache ging, ist nach seiner Überzeugung auch der Tatsache zuzuschreiben, dass viele die öffentliche Kritik nicht aushalten. Die Kontrolleure würden die Manager viel zu schnell fallen lassen. Rückdeckung gebe es kaum noch. "Uns fehlen die Aufsichtsräte, die bereit sind, einem medialen Shitstorm entgegenzutreten", sagt der Experte weiter. Im Unterschied zur Schweiz und Großbritannien würden Aufsichtsräte nicht nach Qualifikation eingestellt. "Sie sind Freunde von Freunden." Dadurch seien "die Gremien in sich nicht stabil und geben in schwierigen Lagen ihren Managern keinen Rückhalt".

Zuletzt hatte Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Roch als Vorstandschef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger seinen Hut nehmen müssen. Davor mussten bereits Axel Heitmann von Lanxess, Brigitte Ederer als Personalchefin von Siemens, VW-Produktionsvorstand Michael Macht, Christopher Nolde, Chef bei der Traumschiff-Reederei Deilmann, Markus Pinger, Chef von Celesio sowie Technik-Vorstand Peter Laier ihre Stühle räumen. Bei Schaeffler konnte Klaus Deller den neuen Job als Vorstandschef gar nicht erst antreten.

Quelle: n-tv.de

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